der Thür erschien und einen forschenden Blick in das Zimmer warf . » Nun , « sagte die Eingetretene rasch , indem sie auf den alten Diener zuschritt , » was thun Sie hier , Lorenz ? ... Sie können sich doch denken , daß Frau Fels sich nicht entschließen wird , mit einem andern als ihrem Herrn Gemahl zu gehen ! « » Ich habe dem Fräulein Ferber präsentiert , gnädige Frau , « entgegnete der alte Mann . Die Baronin schleuderte ihm einen wütenden Blick zu , dann maß sie das junge Mädchen von Kopf bis zu Füßen . » Wie , Fräulein Ferber , « sagte sie schneidend , » Sie sind noch hier ? ... Ich glaubte Sie längst zu Hause auf Ihren Lorbeeren ruhend . « Ohne eine Antwort abzuwarten , trat sie wieder über die Schwelle , wandte sich aber nochmals , den Kopf schüttelnd , zurück nach dem verblüfft dastehenden Hausverwalter und zuckte mit den Achseln . » Sie waren wieder einmal recht zerstreut , Lorenz , eine Schwäche , die sich leider in der letzten Zeit oft sehr unangenehm fühlbar macht . « Mit diesen Worten rauschte sie hinaus , während ihr der Alte geräuschlos folgte . Er erwiderte auf ihre maliziöse Zurechtweisung nicht eine Silbe , aber in sein blasses Gesicht trat eine leichte Röte , und die weißen , buschigen Brauen zogen sich dergestalt zusammen , daß die gutmütigen Augen fast verschwanden . Noch standen die drei Zurückbleibenden und sahen sich erstaunt an , als der Doktor hereintrat . Er machte eine tiefe , komische Verbeugung vor seiner Frau und sagte feierlich : » Sintemalen Fräulein von Quittelsdorf soeben die Gnade gehabt hat , uns abermals zusammenzuthun , wie bereits vor fünfzehn Jahren durch Priesterhand geschehen , so bin ich gewillt , das sanfte Joch der Ehe geduldig weiterzuschleppen und heute ausschließlich an deiner Seite , vielgetreues Ehegespons , genährt und gepflegt von deiner zartwaltenden Hand , die Freuden des Tages zu genießen ! « » Was fällt denn dir ein , lieber Mann ? « rief erstaunt und lachend die Doktorin . » Bitte , das ist nicht mein Einfall ... Ach , ich merke , du hast Fräulein von Quittelsdorfs schwungvolle Rede nicht mit angehört ... wie schade ! ... Ich sehe mich also genötigt , dir hiermit zu sagen , daß jegliches Ehepaar , gleichviel , ob auf dem Kriegsfuße stehend oder nicht , binnen jetzt und einer Viertelstunde sich hübsch einträchtig nach dem Nonnenturme im Walde zu verfügen hat , allwo ein ländliches Fest gefeiert werden soll . Dort hast du die Verpflichtung , mich zu bedienen , respektive mir so viel Essen und Trinken herbeizuschaffen , wie mein Herz begehrt , und überhaupt für mein Wohlbefinden zu sorgen , wie es nur je die vielgefeierte Penelope gethan ... Damit aber die unbeweibten Männer , die in der Mehrzahl hier vertreten sind , nicht zu kurz kommen , d.h. wenn sie es für einen Vorzug halten wollen , daß ihnen der Mund gestopft wird , so hat man höchst sinnreich eine Art Lotterie veranstaltet . Jede unverehelichte Dame zieht ein mit dem Namen eines unverheirateten Herrn versehenes Papierröllchen , und es bleibt nun Fortuna und Amor überlassen , ob sie begünstigen oder hämischerweise zwei zärtliche Herzen trennen wollen . « Elisabeth geriet bei diesem Berichte in eine unbeschreibliche Aufregung . Sie hatte nicht weiter darüber nachgedacht , ob sich an das Konzert eine andere Festlichkeit reihen werde . Jetzt wurde ihr klar , weshalb die Baronin gestern den Schluß des Konzerts und ihr Nachhausegehen so eigentümlich betont hatte ... Ihre Wangen glühten vor Beschämung , denn sie hatte sich mit der Annahme des Papierstreifens , den der Hausverwalter aus Versehen ihr präsentiert hatte , und der in diesem Augenblicke wie Feuer in ihrer Hand brannte , den Anschein einer grenzenlosen Aufdringlichkeit gegeben . Rasch entschlossen trat sie in den Saal , wo eben das Oeffnen der verhängnisvollen Rollen unter Lachen und gegenseitigen Verbeugungen der Herren und Damen vor sich ging . » Welche abgeschmackte Idee von der Quittelsdorf ! « sagte eben , als Elisabeth vorüberging , ein junger adliger Aktuar verdrießlich zu seinem Nachbar . » Jetzt habe ich die dicke , fromme Lehr auf dem Halse - Fi donc ! « Das junge Mädchen brauchte die Baronin nicht lange zu suchen ; sie stand ziemlich abgesondert in der Nähe des einen Fensters . Fräulein von Quittelsdorf , die Oberhofmeisterin und Helene standen bei ihr in lebhaftem , aber , wie es schien , nicht sehr angenehmem Wortwechsel . Die Oberhofmeisterin sprach heftig auf Fräulein von Quittelsdorf hinein , die ein um das andere Mal ratlos mit den Achseln zuckte . Auf dem Gesichte der Baronin Lessen spiegelte sich der tiefste Verdruß , es hätte diesmal der zwei roten Flecken nicht bedurft , um zu erkennen , daß sie sich schwer ärgerte . Nicht weit von der Gruppe , an einem Pfeiler , lehnte Herr von Walde mit verschränkten Armen ; er schien nur mit halbem Ohre auf die Mitteilungen des alten neben ihm stehenden , dekorierten Begleiters der Oberhofmeisterin zu hören , während seine Augen unablässig auf den gestikulierenden Damen ruhten . Elisabeth schritt eilig auf die Baronin zu . Sie konnte nicht umhin , zu bemerken , wie Fräulein von Quittelsdorf bei ihrem Erblicken die Oberhofmeisterin leicht anstieß , und wie diese sich daraufhin umdrehte und einen feindseligen Blick auf sie richtete . Sie erkannte , daß sie der Gegenstand der Debatte gewesen war , und beeilte ihre Schritte , um so schnell wie möglich den unwürdigen Verdacht zurückzuweisen . » Gnädige Frau , « sagte sie , sich leicht verbeugend , zu der Baronin , » ich habe , ohne zu wissen , um was es sich handle , infolge eines Mißverständnisses dies Papier an mich genommen und erfahre in diesem Augenblicke , daß mit demselben eine Verpflichtung verknüpft ist , die ich nicht auf mich nehmen kann , denn meine Eltern