keine Beweise , keine Zeugen für mich , nichts als die Kraft der Wahrheit . Sicher aber wird sie in der gesunden Urtheilskraft eines Jeden das ihre thun , einer Anklage gegenüber , die kein Mittel zur Aufrechterhaltung der Beschuldigung scheut und , wenn ihr die Beweise fehlen , den Fremden , der die Gastfreundschaft des Staates sucht , zum Verbrecher machen möchte , nur weil er ein Fremder ist . « Eine Todtenstille herrschte , als er sich niedersetzte , kein Zeichen des Beifalles , keines des Mißfallens , wie es sonst trotz aller gebotenen Ordnung sich hörbar macht , wurde laut , die Jurors sahen ernst vor sich hin oder geradeaus in die Luft , und ein Gefühl der Unsicherheit , einer fehlgeschlagenen Hoffnung fing an in Helmstedts Seele heraufzukriechen . Der Platz seines Vertheidigers vor ihm war leer ; als er aber jetzt ausblickte , sah er diesen , augenscheinlich erregt , zwischen den Menschen hervorkommen . Helmstedt fing einen Wink von ihm auf , den er sich nicht deuten konnte . In diesem Augenblicke aber trat der Advocat in die Mitte des Saales und sagte laut : » Wolle mir der Gerichtshof das Wort erlauben , ich werde im Stande sein , einige Zeugen zu Gunsten der Vertheidigung vorzuführen ! « und aus der Menge heraus folgte ihm ein alter Herr in Begleitung von zwei verschleierten Damen . Helmstedt erkannte Morton , als dieser den Zeugenplatz einnahm und das Gesicht nach ihm drehte ; die eine von dessen Begleiterinnen schien ihm Pauline zu sein ; die zweite aber , schlanker und von eleganteren Formen als jene , war ihm unmöglich zu errathen . Es war nur von verhältnißmäßig untergeordneter Bedeutung , was Morton auszusagen hatte ; er legte mehrere beschworene Aussagen von New-Yorker Kaufleuten vor , welche die Meinung des Angeklagten über Baker bestätigten und diesen als einen Mann ohne bestimmtes Geschäft schilderten , der theils durch das Spiel , theils auf andern verbotenen Wegen sein Leben gemacht , stets aber im Sommer in den fashionablen Badeorten zu finden gewesen sei und so sich eine gewisse Scheinstellung in der Gesellschaft zu verschaffen gewußt . Morton gab an , daß sämmtliche Aussagen der Betreffenden auf seine an sie ergangene Bitte gemacht worden seien . Er trat hinweg und die zweite seiner Begleiterinnen erhob sich . Sie schlug kräftig den Schleier zurück , als sie zur Eidabnahme vorschritt und ein jugendliches bleiches Gesicht erschien , das sich mit einem Lächeln , wie ein heller Sonnenblick zwischen Frühlingsregen , nach der Anklagebank richtete . Helmstedt fuhr halb von seinem Sitze auf und unterdrückte mit Mühe einen Schrei - in demselben Augenblicke aber entstand eine Bewegung in einem andern Theile des Gerichtsraumes . » Ellen ! « rief mit dem Ausdrucke des Staunens , hastig zwischen seinen Umgebungen hervortretend , » wie kommst du hierher , Kind - was willst du hier ? « Das Lächeln starb auf des Mädchens Gesichte und machte einem Ausdrucke des Leidens Platz . » Ich komme nachher zu dir , Vater , « sagte sie , » ich muß erst Zeugniß ablegen . « » Was um Christi willen willst du bezeugen , wer hat dich denn hierher gebracht ? « » Was ich muß , Vater , « erwiderte sie , ihm groß in die Augen sehend , » laß mich jetzt , ich komme nachher zu dir ! « Aller Augen waren gespannt auf die Scene gerichtet ; Elliot , dem das hervorgerufene Aufsehen erst jetzt beifallen mochte , sah um sich und trat zögernd zurück . Ellen aber warf einen neuen lächelnden Blick voll Tröstung und Verheißung nach Helmstedt und leistete dann den Zeugeneid . » Sie habe nichts von dem ganzen Falle , der jetzt verhandelt werde , erfahren , « begann sie und ihre klare , weiche Stimme berührte eigenthümlich wohlthuend jedes Ohr - » sie sei mit ihrer Mutter schon seit Wochen auf einer Besuchsreise abwesend gewesen , sonst hätte sie längst ihr Zeugniß angeboten , und sie halte es jetzt für eine heilige Pflicht , dies abzugeben , wie es ihr Gewissen verlange , ohne Rücksicht auf sich selbst oder einen andern Menschen . Soviel sie gehört , « fuhr sie fort und ihr Gesicht begann sich leise zu röthen , » weigere sich der Angeklagte , seinen Aufenthalt zu der vermuthlichen Zeit des Mordes anzugeben , sie werde und müsse es aber an seiner Statt thun . « Sie begann jetzt schmucklos zu erzählen , wie Baker in ihr Haus eingeführt worden und ihr Ton war fast kindlich , sprach von ihrem Widerwillen gegen ihn und von dem Zureden ihrer Eltern , seine Bewerbungen anzunehmen , berichtete dann Helmstedts Eintritt in die Familie und seinen ausgesprochenen Verdacht gegen den Freier , erwähnte , wie der Tag ihrer Verlobung festgesetzt und ihr , dem unbeugsamen Willen ihrer Eltern gegenüber , nichts übrig geblieben sei , um bestimmte Auskunft zu erhalten , als die Nacht vor Neujahr zwischen zehen und elf Helmstedts Mittheilungen von ihrem Fenster aus entgegen zu nehmen , und wie die Furcht , gehört zu werden , ihn hinauf zu ihrem Fenster und dann durch seine unsichere Stellung in ihr Zimmer getrieben habe . Ein glühendes Roth übergoß sie , als sie den letzten Satz beendet . » Sie könne über jede ihrer Handlungen in der Zeit von Helmstedts Aufenthalt bei ihr vor Gott Rechenschaft ablegen , « fuhr sie langsam den Kopf hebend fort und ihre Stimme nahm einen Anstrich von Feierlichkeit an , » sie dürfe aber auch selbst die Lästerzunge der Menschen nicht scheuen , wenn es sich darum handele , der Wahrheit die Ehre zu geben und einen Mann zu retten , der am Ende das Opfer seiner Discretion werden könne . Helmstedt habe ihr Zimmer erst verlassen , als die Stimme des Vaters , der wegen der flüchtigen Sklaven geweckt worden , im Haus laut geworden sei . « Langsam warf sie einen leuchtenden Blick auf den Angeklagten , erbleichte