das gar nicht gewohnt war , rief unwillkürlich : » Was machst du da ? « » Dir einen Kuß geben , du verdienst ' s , du bist braver , als du dich geben willst . « Der Alte , der während der ganzen Zeit eine Prise zwischen den Fingern gehabt , wollte die Prise nicht verschwenden , er schnupfte sie daher schnell und sagte : » Nun , meinetwegen , « dann aber setzte er hinzu : » Aber jetzt hast du den Abschied , ich habe eine viel Jüngere , und von der schmeckt ' s viel besser . Komm her , du verstellter Pfarrer . « » Ich komm ' schon , aber ruft mich zuerst bei meinem Namen . « » Ja , wie heißt du denn ? « » Das brauchet Ihr nicht zu wissen , Ihr könnet mir ja selber einen Namen geben , wisset schon welchen . « » Du bist gescheit ! Nun meinetwegen , so komm her , Söhnerin . Ist dir der Name recht ? « Und als Antwort flog Amrei aus ihn zu . » Und ich , ich werde gar nicht gefragt ? « schalt die Mutter in heller Glückseligkeit und der Alte war ganz übermüthig geworden in seiner Freude . Er nahm Amrei an der Hand und sagte in nachspottendem Predigertone : » Nun frage ich Sie wohlehrsame Cordula Katharina , genannt Landfriedbäuerin : wollen Sie hier diese « - er fragte das Mädchen bei Seite - » ja wie heißt du denn eigentlich mit dem Taufnamen ? « » Amrei ! « Und der Alte fuhr fort in gleichem Tone : » Wollen Sie hier diese Amrei Josenhans von Haldenbrunn zu Ihrer Schwiegertochter annehmen , sie nicht zu Worte kommen lassen wie Sie bei Ihrem Manne thun , sie schlecht füttern , ausschimpfen , unterdrücken , und überhaupt was man so nennt in das Haus metzgen ? « Der Alte schien wie närrisch , es war etwas ganz Seltsames mit ihm vorgegangen und während Amrei an dem Halse der Mutter hing und gar nicht von ihr los lassen wollte , schlug der Alte mit seinem Rothdornstock auf den Tisch und schrie polternd : » Wo bleibt denn der nichtsnutzige Bub , der Johannes ? Schickt uns der Bursch seine Braut auf den Hals und fährt derweil in der Welt herum ? Ist das erhört ? « Jetzt riß sich Amrei los und sagte , daß man sogleich den Roßbub oder ein Anderes nach der Mühle schicken solle , dort warte Johannes . Der Vater behauptete , er müsse mindestens noch drei Stunden da in der Mühle zappeln ; das müsse seine Strafe sein , weil er sich so feig hinter die Schürze versteckt habe . Wenn er heimkehre , müsse man ihm eine Haube aufsetzen ; überhaupt wollte er ihn jetzt noch gar nicht dahaben , denn wenn der Johannes da sei , da habe er nichts mehr von der Braut und es sei ihm schon jetzt ärgerlich , wenn er an das Gethue denke . Die Mutter wußte sich indeß hinauszuschleichen und wollte den schnellfüßigen Roßbuben nach der Mühle schicken ; aber sie traf hier auf Johannes , der auf Umwegen Amrei nachgegangen war . Er hatte sie doch nicht allein den Wechselfällen der Entscheidung aussetzen wollen . Jetzt mußte er sich auf den Wunsch der Mutter nochmals verstecken , um dem Vater seine Freude zu lassen . Die Mutter kehrte in die Stube zurück und sie erinnerte daran , daß doch Amrei auch was essen müsse . Sie wollte schnell einen Eierkuchen machen , aber Amrei bat , daß sie ihr gestatte , das erste Feuer im Hause , das ihr was bereite , selber anzuzünden , zugleich auch um den Eltern Etwas zu kochen . Es wurde ihr willfahrt und die beiden Alten gingen mit ihr in die Küche und sie wußte Alles so geschickt anzufassen , sah mit einem Blicke , wo Alles stand , und hatte fast gar nichts zu fragen , und Alles , was sie that , that sie so fest und so zierlich , daß der Alte immer seiner Frau zunickte und einmal sagte : » Die ist in der Haushaltung auf Noten eingespielt , die kann Alles vom Blatt weg , wie der neue Schullehrer . « Am hell lodernden Feuer standen die Drei , als Johannes herzutrat . Und Heller loderte die Flamme nicht auf dem Herde , als die innerste Glückseligkeit in den Augen Aller glänzte . Der Herd mit seinem Feuer ward zum heiligen Altar , um den andächtige Menschen standen , die doch nur lachten und einander neckten . 19. Geheime Schätze . Amrei wußte sich im Hause bald so heimisch zu machen , daß sie schon am zweiten Tage darin lebte , als wäre sie von Kindheit an hier aufgewachsen , und der Alte träppelte ihr überall nach und schaute ihr zu , wie sie Alles so geschickt aufnahm und so stet und gemessen vollführte ; ohne Hast und ohne Rast . Es giebt Menschen , die , wenn sie gehen und nur das Kleinste holen , einen Teller , einen Krug , da scheuchen sie die Gedanken aller Sitzenden auf , sie schleppen so zu sagen Blick und Gedanken der Sitzenden und Zuschauenden mit sich herum . Amrei dagegen verstand Alles so zu thun und zu leisten , daß man bei ihrem Hantieren die Ruhe nur um so mehr empfand und ihr für Jegliches nur um so dankbarer war . Wie oft und oft hatte der Bauer darüber gescholten , daß allemal , wenn man Salz brauche , Eines vom Tische aufstehen müsse . Amrei deckte den Tisch und auf das ausgebreitete Tischtuch stellte sie immer zuerst das Salzfaß . Als der Bauer Amrei darüber lobte , sagte die Bäuerin lächelnd : » Du thust jetzt , als ob du vorher gar nicht gelebt hättest , als ob du Alles hättest ungesalzen und ungeschmalzen essen müssen , « und der