der Sonnenwirt , » daß er auf die Einladung nicht länger blieben ist ; man hätt sich unterdessen für ihn umsehen und ihn anderswo unterbringen können . Aber verdenken kann ich ' s ihm doch grad auch nicht , daß er seinen Verwandten nicht als unnützer Brotesser hat hinliegen wollen , nachdem man ihn nicht zum Schaffen angenommen hat . « » Ja « , bemerkte Magdalene , » das Sprichwort sagt : Zwei Tag ein Gast , den dritten ein Überlast . « » Von seiner Liebschaft schreibt er gar nichts « , sagte die Sonnenwirtin . » Soviel gute Wörtlein er sonst gibt , so spricht er doch nicht mit einer Silbe davon , daß er in dem Stück nachgeben wolle . « » Er schreibt aber , er wolle in allen Stücken gehorsam sein und nicht das geringste mehr anstellen « , entgegnete der Chirurgus . » Man kann ihn also beim Wort nehmen und ihm beweisen , daß er auch das versprochen habe . « » Recht degenmäßig schreibt er , das muß man sagen « , bemerkte die Krämerin . » Ich hätt gar nicht glaubt , daß der Strobelkopf , der störrig , so mürb werden könnt . « » Der hat sich in der Fremde die Hörner verstoßen « , sagte der Sonnenwirt behaglich lachend ; » das sieht man jedem Wort an , das er schreibt . Jetzt weiß er nimmer , wo aus und wo ein . Ja , ja , es ist eben ein ganz anders Leben da drunten als bei uns . Die Leut sind dort viel alerter und aufgeweckter , und wenn auch bei manchem nicht viel dahinter ist , so ist ' s eben doch unsereinem , wie wenn er der Garnichts dagegen wär . « » Das glaub ich « , sagte der Chirurg , » das kann solch einem trutzigen , stutzigen Schwabenkopf spanisch vorkommen . « » Ich bin ja selbst auch schon drunten gewesen « , fuhr der Sonnenwirt fort . » Ja was ! Bis unsereiner sich nur besinnt , was er sagen soll , haben die dem Teufel ein Ohr weggeschwätzt . Es mag sein , daß wir im Schreiben und sonst in mancherlei Solidität mehr sind als sie , wenigstens gibt man sich bei uns in der Schul mehr Müh , aber nachher müssen wir ihnen weit nachstehen , sie sind viel zu geschwind für uns . Mein Sohn ist gewiß keiner von den Langsamen im Geist , aber ich steh dafür und kann ganz ins Feuer sehen , daß sie ihm gleich über den Kopf gewachsen sind . Und dann machen sie gar keine Umständ , wie man ' s bei uns macht . Sie sind eigentlich doch auch wieder fadengrad wie wir , und noch mehr als wir . Bei uns , da tut man einen Besuch jeden Tag , den er da ist , gleichsam mit dem Seilstumpen anbinden , damit er ja sieht , daß man ihn nicht fortlassen will . Mein Bruder aber , der gar kein Schwab mehr ist und in dem Klima ganz die Art angenommen hat , wie die andern auch sind , der hat wahrscheinlich ein einzigs Mal gesagt : Du bist willkommen , Vetter , und bleib , solang du magst ; und dann hat der Bub natürlich bald gemeint , man sei seiner überdrüssig , weil man ' s ihm nicht zehn-und zwanzigmal gesagt hat . Es hätt aber nichts zu sagen gehabt , denn wenn sie einen loswerden wollen , so wissen sie schon den Schnabel aufzutun . Nun , jetzt hat er auf einmal einsehen gelernt , daß die Welt größer ist als sein Kopf , und kommt aus der Fremde wie der Schneck , wenn er die Hörner einzieht und wieder in sein Haus zurückgeht . « » Der Herr Vater ist also der Meinung , ihn wieder anzunehmen ? « fragte der Chirurg . » Was bleibt sonst übrig ? « antwortete der Sonnenwirt . » Ich wüßt nicht , wo ich ihn in der Geschwindigkeit hinschicken sollt . « » Dann kann er gleich den alten Tanz wieder anfangen « , sagte die Sonnenwirtin . » Dafür kann man ihm tun « , entgegnete er . » Eh er nicht ausdrücklich versprochen hat , daß er sich mit der Person weder mündlich noch schriftlich mehr einlassen will , kommt er mir nicht ins Haus . « » Ich will ihm das nach Plochingen schreiben « , erbot sich der Chirurg . » Braucht nichts zu schreiben « , versetzte der Sonnenwirt . » Zuerst muß man ja doch mit dem Amtmann reden , daß der seiner Heimkunft keine Schwierigkeit in den Weg legt , nachdem er nun einmal die Hand in der Sach hat . Dann ist ' s überhaupt besser , man gibt dem Buben gar keine Antwort und läßt ihn zappeln , er wird dadurch nur um so mürber . « » Wart , du wirst eine schöne Rechnung vom Plochinger Bärenwirt kriegen « , lachte die Sonnenwirtin . » Ich hab ihn nicht heißen in den Plochinger Bären hinliegen . « » Irgendwo muß er aber doch sein « , bemerkte die Frau des Chirurgen schüchtern . » Warum ist er nicht gleich hierhergekommen ? « entgegnete der Sonnenwirt . » Wenn ich ihn auch nicht ohne weiters angenommen hätt , so hätt man doch dafür sorgen können , daß er eine Weile wo unterkommen wär . « » Mir scheint ' s auch das nötigste , daß man sich zuerst mit dem Amt verständigt « , sagte der Chirurg . » Das übrige wird sich finden . Er hat Verwandte hier und in der Gegend und wird nicht im Bären bleiben , denn er weiß , daß das den Herrn Vater verdrießen muß . « » Wenn nur auch der Herr Amtmann seinen Konsens gibt « , bemerkte der Krämer , der die Notwendigkeit fühlte , im Familienrat endlich etwas