sagte , Albert , laßt Euch nur zuweilen vor den Regisseuren und dem Obermaschinisten sehen . Faßt nur hie und da ein Tau an und thut , als wenn Ihr was schafftet . Haltet Euch dabei immer nur an meinen Sohn Richard , der reißt Euch schon durch . Und im Grunde ist es ja ganz einerlei , man thut damit der Theaterkasse keinen Abbruch , denn Richard arbeitet für zwei . « » Ich bin ihnen sehr dankbar dafür , « erwiderte der Kranke , » denn wie sollte ich existiren , wenn man mich als untauglich entließe ! Da wäre mein letztes Brod gebacken und ich müßte gerade Hungers sterben . Sie haben überhaupt schon so viel an mir gethan , daß ich gar nicht weiß , wie ich es wieder gut machen soll . - Ach ! wer würde mich als Taglöhner nehmen ! « » Ja , es ist eigentlich ein prekäres Geschäft , so von seiner Händearbeit im Taglohn leben zu müssen , « sagte Herr Wander . » Ich habe das oft mit angesehen , wenn man sechs Tage schafft , so hat man sechs Tage Lohn ; aber nun kommt der Sonntag , der doch zur Ruhe und zur Freude für Menschen und Vieh geschaffen ist , und an dem ist nichts da zu beißen und zu nagen , wenn man nicht von den paar Kreuzern der Wochentage sich etwas aufhebt . Das ist schlecht eingerichtet . « » Und wenn man erst krank wird , « versetzte Albert , indem er langsam den Kopf erhob ; » ich sage es noch einmal : wenn ich von euch keine Hülfe hätte , ich wäre mit Weib und Kindern ein verlorner Mann ! « » Dafür sollte dem , für den man schafft , auch die Verpflichtung obliegen , Einen zu unterhalten , wenn man keine Hand mehr regen kann , « meinte der junge Hammer . » Das wäre nicht so übel , « sagte nachdenkend der Schneider . » Und ich will dir was sagen , Richard , das kannst du haben . Da mußt du dich schwarz anstreichen lassen und zu die Geschlafen gehen ; da hast du ' s , wie es dein Herz begehrt : du arbeitest da ziemlich hart , das ist wahr - « » Bah ! « erwiderte der junge Zimmermann , » was das harte Arbeiten anbelangt , davon kann unsereins auch erzählen . Ich will am Ende nicht einmal vom Theater sprechen ; aber man sollte einmal so ein Dutzend lumpige Neger , die sich in ihrem Baumwollenfeld bei ihrem Schaffen und ein Bischen Prügel beklagen , man sollt ' die sein thuenden Hallunken auf einmal auf einen Zimmerplatz hinaus thun , so wo es gilt , mit achtziger Balken zu arbeiten , namentlich im Spätherbst , wenn ein Dach aufzusetzen ist , und wo jeden Morgen das helle Glatteis auf den Balken sitzt . Da hat man immer sein Todtenhemd an ; und was die Prügel anbelangt , da braucht man nur einen jähzornigen Obergesellen zu haben , der ein Lattenstück gut anzugreifen versteht ; da fliegen die Funken davon , das kann ich euch versichern . « » Aber dafür seid Ihr ein freier Mann , « meinte Herr Wander , indem er seine Spritze vorsichtig auf den Boden stellte , und eine Prise aus der dargebotenen Dose des ersten Maschinisten nahm . » Ein freier Mann ! « lachte der Andere . » Ja , Ihr versteht ' s ! - Jetzt bin ich frei , dachte auch der Esel eines Tages , an welchem er die Säcke abgeworfen , und sagte das dem Wolf einen Augenblick vorher , ehe dieser ihn auffraß . « » Der Richard hat nicht ganz Unrecht , « sagte leise Herr Schellinger . » So ein Geschlaf hat ' s gar nicht schlecht ; ich möchte auch eins sein . So ein Kerl sitzt in seiner Hütte , ißt den ganzen Tag die theuersten Früchte , nährt sich von Reißbrei und jungen Hühnern , und wenn er einmal nicht schaffen will , so gibt er Bauchschmerzen vor und bleibt zu Hause . « » Das kannst du auch thun , « bemerkte Schwindelmann . » Ja , aber nicht unter den vorhin angegebenen Bedingungen , « entgegnete der Schneider . » Wo bleibt dann der Reißbrei und die Früchte ? « » Pfui , Schellinger ! « sagte lachend Herr Wander , » du bist eine knechtisch gesinnte Natur ! Was nutzt dich das Bischen Essen und Trinken , wenn du dafür von allem Erhabenen und Schönen , was die Freiheit bietet , nichts erreichen kannst ? « » Was habe denn ich armer Schneider je Erhabenes und Schönes zu erreichen gehabt ? « » Wenn du ein Geschlaf bist , « entgegnete lachend Richard , » so kannst du dir kein eigenes Vermögen erwerben , kein Haus besitzen . « » O , das wäre schade ! « grinste der Schneider . » Ja - a , ja - a ! « sprach der erste Maschinist , » und könnte niemals Abgeordneter oder Stadtrath werden . « » Wozu ich als freier Mann freilich hier alle Aussicht habe , « meinte höhnisch Herr Schellinger . » Aber Spaß bei Seite ! « warf der Schwindelmann dazwischen , indem er seinen Nachbar verstohlen an die Seite stieß , » über das Geschlafenleben kann uns Niemand besser aufklären wie der Schellinger . Nicht wahr , du bist ja da hinten in Südamerika gewesen , und hast den Onkel Tom besucht ? « » Es ist das schon lange her , « entgegnete kopfnickend und träumerisch der Schneider ; » ich glaube so an die zwanzig Jahre , aber ich erinnere mich seiner noch recht gut . - Unter uns gesagt , der Onkel Tom « - damit schob er wichtig die Unterlippe vor , zog die Augenbrauen in die Höhe und schüttelte mit dem Kopfe -