, das tief in einer vom Meere ausgespülten kleinen Bucht verborgen war . Ein Mann , der der Länge nach im Boote ausgestreckt lag , erhob sich bei der Ankunft Alicens und nahm die Ruder zur Hand . - Du bist lange geblieben - sagte er , mit einem kräftigen Stoß das gebrechliche Fahrzeug in das Meer hineinschleudernd , so daß die Wellen hoch aufspritzten . - Ich war bange um Dich . Hättest Du mir nicht ausdrücklich verboten , Dir zu folgen , so hätte ich Dich aufgesucht . - Guter Ralph ! - sagte Alice mit Wehmuth - nicht wahr , Du verräthst weder mich noch das Vaterland ? ! Ralph sah sie erstaunt an . - Weißt Du , mit wem ich ein Rendezvous gehabt ? - Wie soll ich ' s wissen ! - Mit Gilbert . Das Ruder entsank seiner Hand , als er diesen Namen hörte . - Und Du hast ihm nicht den Dolch ins Herz gestoßen ? - Pfui , wer wird gleich so unhöflich sein ! - Du hast recht - sagte lachend Ralph - wer Pech angreift , besudelt sich . Wohin fahren wir ? - Nach dem Schlosse . - - - Ich muß Herrn von W. noch eine Visite machen . - Es ist ja nahe an Mitternacht ! - bemerkte Jener . Alice beantwortete diese Worte nicht . Sie war in tiefes Sinnen versunken . Nach einer kurzen Zeit landete das Boot . Alice stieg aus . - Erwarte mich , Ralph - sagte sie , den Weg nach dem Schlosse einschlagend . Ralph streckte sich wieder in seinem Boote aus und starrte , von der lauen Sommernacht angefächelt , zu dem blauen Sternenhimmel hinauf . Das Schloß des Kammerherrn von Stehmann , der durch die wiederholten Brandschatzungen der Dänen zu einem eifrigen Verfechter der Schleswigschen Unabhängigkeit geworden , war , theils um den edlen Kammerherrn gegen dänische Ueberfälle zu schützen , theils weil in diesem Augenblicke der General von Wrangel darin sein Hauptquartier aufgeschlagen hatte , in eine kleine Festung verwandelt worden . Die dem Meere zugekehrte Seite war zwar offen , indeß mit einer starken Wache versehen , die andern drei Seiten waren durch hohe Wälle ziemlich geschützt . Außerdem standen vor dem Hauptthor des Schlosses zwei Zwölfpfünder . Alice wurde auf ihr Verlangen , den General zu sprechen , sogleich durch einen der wachhabenden Soldaten in das Schloß geführt und dem General gemeldet . Obgleich es schon spät war , so wurde sie dennoch vorgelassen . Der General saß an einem mit Papieren und Karten bedeckten Tisch . Sein runzliches , gelbes Gesicht mit dem kurzen , borstenartigen Schnurrbart , wie ihn die Militairs aus den » Freiheitskriegen « zu tragen pflegen , seine halbgeschlossenen Augen und das graue , kurze Haar bildeten ein Ensemble , das den lebendigen Typus eines » preußischen gedienten Soldaten « darstellte , in diesem Augenblicke aber der eintretenden Alice trotz ihrer ernsten Stimmung ein Lächeln abnöthigte , da der General die Folie , auf welcher das Bild erst seinen eigentlichen Charakter erhält , nämlich die preußische Uniform abgelegt hatte und wegen der großen Hitze in einem Leinwandrocke da saß . Alice war dem General nicht unbekannt . - - General ! - begann sie , ihren Chef militairisch begrüßend - ich komme , Ihnen eine wichtige Nachricht mitzutheilen . Um 9 Uhr 35 Minuten Abends hat sich eine dänische Fregatte vor dem Apenrader Hafen gelegt . - Was Sie sagen ! - rief der General erstaunt aus . - Ihre Nachricht beruht auf keinem Irrthum ? - Sie können sich selbst davon überzeugen . Unten liegt mein Boot . Wenn ' s Ihnen beliebt , steuern wir hinaus , den Gast in der Nähe zu besehen . Der General erhob sich und ging einige Mal , die Hände auf den Rücken gelegt , das Zimmer auf und ab . Endlich blieb er vor Alicen stehen . - Sie sind zur glücklichen Stunde gekommen , liebe Tochter - sagte er . - Einige Minuten später und es wäre zu spät gewesen . - - - - Es ist sicher , man hat parlamentirt , um unter der Hand einen desto sichern Schlag auszuführen . Obgleich er die letzten Worte mehr im Selbstgespräch an sich selbst als an Alicen richtete , so glaubte diese dennoch darauf antworten zu müssen . - Ich glaube nicht , General - sagte sie . - Was glauben Sie nicht ? - fragte er rasch . - Daß der Däne den Hafen forciren wird . - Und woraus schließen Sie das ? - Der Capitain hat eine geheime Instruktion , die es ihm verbietet . - Eine geheime Instruktion , von der Sie Kenntniß haben ? - fragte er , ungläubig lächelnd . - So ist ' s , General . Sie glauben mir nicht , so will ich Ihnen den Beweis geben , daß ich gut unterrichtet bin . Man trifft Vorbereitungen zu einem Waffenstillstande , vielleicht zu einem Friedensschlusse ; Vorbereitungen , die bisher an Ihrem Widerstande gescheitert sind . Da hat man Sie auf die republikanischen Tendenzen hingewiesen , die sich in den unter Ihrem Oberbefehl stehenden Truppen kund gegeben und daraus die Nothwendigkeit abgeleitet , besonders die süddeutschen Truppen zu entlassen . Morgen hätten Sie sich entschieden , und zwar für den Waffenstillstand entschieden . Deshalb bin ich gekommen , um Ihnen zu sagen , daß das Ganze eine abgekartete Verrätherei ist , der sich als Werkzeug zu leihen für einen braven Soldaten keine Ehre sein kann . Das Erstaunen des Generals wuchs . - Der dänische Capitain hat deshalb ausdrücklichen Befehl , sich völlig passiv zu verhalten , um Sie nicht zum aktiven Widerstande gegen ihn und dem zufolge auch gegen den Waffenstillstand zu reizen . Ich meine , daß Sie keine Ursache haben werden , dies Alles für bloße Träumerei zu halten . - - Denken Sie daran , General , daß Sie in diesem Augenblicke die höchste militairische