mein Sohn nicht mehr ! « Der Bediente trat ein . » Was gibt es für Geräusch im Schlosse ? « fragte die Gräfin . » Seine Gnaden , der Herr Graf Magnus , ist so eben angekommen , und bittet den gnädigen Herrschaften seine Aufwartung machen zu dürfen . « Bei diesen Worten trat Magnus in ' s Zimmer . Drittes Kapitel . Vater und Sohn . Ein zertrümmernder Erdstoß hätte keine größere Wirkung auf die kleine Theegesellschaft hervorbringen können , als die unerwartete Erscheinung des jungen Grafen . Erasmus wendete langsam sein todtenbleiches stolzes Gesicht nach dem frechen Sohne , ihn mit flammendem Blick betrachtend . Herta stand auf und verbeugte sich leicht vor dem Vetter , der mit zarter Anfmerksamkeit an die Gräfin herantrat und ihr ehrfurchtsvoll die Hand küßte . Nur von der Seite streifte sein Blick den alten Vater , dessen Aussehn und finstre Miene ihm sagte , daß er kein willkommener Gast sei . Dies hinderte ihn jedoch nicht , sein Auge mit brennender Lüsternheit auf der untadelichen Gestalt seiner schönen Cousine ruhen zu lassen . Magnus trug seinen alltäglichen modischen Reitrock und war überhaupt eben so fein als elegant gekleidet . Nur sein linkes Auge und die Schläfe waren jetzt mit einem feinen schwarzseidenen Tuche umwunden , was ihm ein lauerndes Ansehen gab . Der kecke Schlag Röschens mit dem silbernen Leuchter hatte diesen Verband nöthig gemacht . Da Niemand Anstalt traf , den Sohn des Hauses freundlich zu begrüßen , und selbst die Mutter nur einen » guten Abend , lieber Sohn ! « zu flüstern wagte , schwellte der Zorn seine Adern . Er trat hart an den Lehnstuhl des Vaters und fragte höflich-kalt : » Sollte ich vielleicht einen wichtigen Familienrath stören , mein Vater , so bin ich erbötig , mich zurückzuziehen und zu gelegnerer Stunde um eine Unterredung mit Ihnen zu bitten . « » Kommst Du als reuiger Sohn , so werde ich Dich gern anhören , « versetzte der Greis , » willst Du aber Deine neueren Thaten mit gleißnerischen Worten beschönigen , dann wirst Du wohl thun , Dich so lange von meinem Zimmer fern zu halten , bis ich als Leiche darin liege . « » Man hat mich verleumdet , wie ich sehe ! « fuhr Magnus auf . » Es wird mir doch gestattet sein , nach dem Namen meines Verleumders fragen zu dürfen ? « » Das habe auch ich behauptet , « sagte die Gräfin , dem Sohne beitretend . » Du hast dem Mädchen ein zu leichtgläubiges Ohr geliehen . « » Also meiner liebenswürdigen Cousine bin ich für diesen unfreundlichen Empfang zu Dank verpflichtet , « entgegnete Magnus mit teuflischer Grazie , und das verschüchterte Mädchen mit einem furchtbaren Blicke überflammend . » Nimm einstweilen die Versicherung meiner innigsten Erkenntlichkeit für diese Aufmerksamkeit . « » Magnus , « nahm jetzt der alte Graf das Wort , » ich will mich noch einmal bemühen , ruhig und liebreich wie ein Vater mit Dir zu reden , aber ich bedinge mir aus , daß Du Herta mit all der Achtung behandelst , die ein tugendhaftes Mädchen von Dir fordern darf . « » Ich werde mich anstrengen , Ihren Befehlen nachzukommen . « » Ich wollte , Du hättest es stets gethan , dann hätten wir beide nicht so viele traurige Stunden zu beklagen . Doch laß uns dieses Gespräch endigen und sage , was Dich zu so ungewohnter Stunde zu uns führt ? « Diese Frage hatte Magnus erwartet . Er richtete sich stolz auf und versetzte : » Hätte mein gnädiger Vater mich weniger unfreundlich empfangen , so würde er in meinen Nachrichten erkannt haben , daß kindliche Gefühle meinem Herzen nicht fremd sind . « Er stützte sich jetzt mit dem linken Arm auf die Lehne eines Sessels und nahm eine nachlässige , aber leichte und gefällige Stellung an . Dann fuhr er fort : » Mein Vater , die Folgen der revolutionären Bewegungen in Frankreich fangen an auch in Deutschland einen Wiederhall zu finden . Unsere Bauern , unsere Leibeigenen werden widerspänstig und wagen es , einen eigenen Willen haben zu wollen . « » Dies ist ein Pröbchen , welchen Nutzen die Verbreitung neuer Ideen stiftet , « bemerkte die Gräfin mit einem Seitenblick auf Herta . » Sprichst Du aus eigener Erfahrung ? « fragte der Graf . » Seit einigen Tagen murren meine Knechte , « versetzte Magnus . » Sie weigern sich , dem Voigte , einem rechtlichen , strengen Manne , zu gehorchen und zeigen sogar mir unzufriedene Mienen . Ich kann und will das nicht dulden , und weil ich weiß , daß mein Vater niemals der Willkür das Wort geredet hat , wende ich mich zuerst an Sie und ersuche , ja flehe Sie , mit mir vereint diesen aufrührerischen Trotz zu beugen , den frechen Uebermuth elender Sclaven empfindlich zu strafen ! « » Ich erwarte Deine näheren Angaben , « sagte Erasmus vornehm gelassen . » Vielleicht wissen Sie nicht , mein Vater , daß der Heerd der Unzufriedenheit unmittelbar am Fuße Ihres Stammschlosses zu suchen ist ? Ihre Milde , Ihre Güte , Ihre Herablassung hat diese Rotte armseligen Volkes kühn gemacht . Meine schöne Cousine - Sie vergeben mir , mein Vater , daß ich mit aller Achtung vor Schönheit und Herzensgüte den Ankläger machen muß - meine schöne Cousine sät täglich wild fortwucherndes Unkraut durch ihre Besuche in den schmutzigen Hütten der Leibeigenen . Sie behandelt diese Auswürflinge wie gesittete Menschen ; sie spricht mit ihnen , als wären sie ihres Gleichen , und fabelt ihnen von bessern Tagen , von einer gerechten Freiheit und Gleichheit der Gesetze vor . Kurz meine liebenswürdige Muhme predigt mit dem besten Erfolge die schmachvollen Lehren der französischen Jakobiner ! Sie erlauben mir , mein Vater , daß ich meine Behauptungen durch Thatsachen beweisen darf . Vor einigen Wochen schrieb ich eine Gesindeschau auf meinen Ortschaften aus