Haar breit weniger gefährdet . Kronbergs Verhältniß zur hübschen Spanierin war eben bekannt geworden , es war dem alten Freund höchst widerwärtig . In einem andern Augenblicke würde er es leichter genommen haben , jetzt aber erklärte er es für eine franche bêtise , welche Annen einem Abgrund zustoße . Und dann il n ' y avait pas regardé de près ! denn die Spanierin war dem Grafen untreu , das schien nun St. Luce nicht des Spektakels werth , den die alberne Geschichte machte , und gar unwerth der kleinsten Thräne seines Lieblings . Kronberg fühlte sein Unrecht auch , aber um so mehr trieb ihn die innere dämonische Gewalt , darin zu beharren . Was hätte er dagegen nicht um eine einzige Thräne Annens gegeben , wie theuer wäre ihm der Ausdruck der erwachenden Eifersucht , des Schmerzes in ihren Zügen gewesen ! Ihre sanfte , würdige Haltung empörte ihn - gerade weil er sie billigen mußte . Ihm fiel ein Stein vom Herzen , als während Gotthards Abwesenheit ein unangenehmer Vorfall ihn Annen gegenüber in Vortheil setzte und ihm eine ganz neue , mit jenen Empfindungen durchaus nicht in Verbindung stehende Ursache zur Misbilligung und Unzufriedenheit mit ihr gab . Anna trug die Trauer um ihren Vater , der sanft und ohne alle Leiden seiner Frau in ' s Grab gefolgt war . Ihre beiden Brüder , von denen der eine vier Jahre , der andere um eines älter war , als sie , hatten , nachdem sie mit der Generalin Geiersperg ihre Heimat verlassen , die schon früher gewählten Lebenseinrichtungen festgehalten : der ältere war Militär , der jüngere Kaufmann geblieben . Unglücklicherweise aber war der erste , durch Verwendung und Rath eines jungen Verwandten verleitet , in ein preußisches Regiment eingetreten , und als es später zum Offiziersexamen kam , fand man ihn unfähig , dasselbe zu machen . Das Nachstudiren , zu welchem ihn Vater und Freunde mit wohlmeinendem Rath anhielten , wollte dem bereits über die eigentliche Lernzeit hinaus Gewachsenen nicht schmecken , im Ueberdrusse des Mislingens wandte er sich dem praktischeren Artilleriedienst zu und ward endlich Unteroffizier und Feuerwerker . In einer kleinen schlesischen Grenzstadt vergingen ihm nun mehrere Jahre , ohne irgend eine Spur in Herz oder Gemüth zu hinterlassen Bei Gelegenheit einer ernstlichen Krankheit , die ihm eine Unvorsichtigkeit beim Manoeuvre zugezogen , lernte er die Tochter seines Hauswirths , eines ehrsamen Bäckermeisters , näher kennen . Er gewann das frische , hübsche Mädchen lieb und sie erwiderte seine Liebe . Die im jetzigen Bürgerstande leider etwas leichter gewordenen Sitten begünstigten ein Verhältniß , dessen allzugroße Vertraulichkeit den jungen , durchaus nicht unredlichen Mann zu einer Verlobung zwang . Das Mädchen war nicht ganz arm , auch Louis hatte etwas Vermögen zu hoffen , die Einwilligung der Militärbehörde fand mithin keine Schwierigkeit ; der alte Bürgermeister dagegen verweigerte die seine aufs Bestimmteste und Hartnäckigste . Er erklärte sehr ruhig seinem Sohne , daß seiner Ueberzeugung nach kein Mann eher heirathen solle und dürfe , als bis er eine Frau unabhängig zu ernähren im Stande sei , könne mithin Louis nicht ohne den Theil seines Vermögens auskommen , den er , der Alte , noch selbst zum Weiterleben bedürfe , so könne von dieser Verbindung vorläufig keine Rede sein ; wenn jedoch der Soldatensold und die Mitgabe der Braut ausreiche , werde er ihm sein Jawort nicht versagen ; freiwillig dazu beitragen , daß ein Paar unvorsichtige Menschen sich in ' s Elend stürzten , wolle er nicht . Im Hintergrunde der Weigerung lag freilich noch der Umstand , daß der Katholicismus der in Schlesien wohnenden Braut dem alten Lutheraner zuwider war . In dieser peinlichen Verlegenheit - denn er hatte das Mädchen wirklich lieb - wandte sich Louis an seine Schwester . Als auch ihre Fürbitten beim Vater nichts fruchteten und Brief auf Brief ihr die traurige Lage des Mädchens schilderten , bei deren Eltern der junge Mann bereits angehalten , versprach sie ihm ohne Kronbergs Vorwissen bis zum Tode des Vaters einen bestimmten Beitrag zu seiner Wirthschaft , den sie ihrem sehr reichen Nadelgelde entnahm . So weit war Alles gut . Die jungen Leute heiratheten und der Vater gab , obschon widerstrebend , seine Einwilligung , weil kein gerichtsgültiger Grund vorlag , sie zu versagen ; auch würde die ihm eigene Art Aengstlichkeit den öffentlichen Widerspruch immer gemieden haben . Einige Jahre gingen ungetrübt , ohne besondere Ereignisse den Eheleuten vorüber ; Annen führten sie nach Wien . - Louis ' Erstgeborenem hatte sich ein Schwesterchen zugesellt ; er lebte zufrieden mit seiner jungen Frau , ihre Verhältnisse blieben kleinbürgerlich , was bei seiner Stellung und der Unbedeutendheit des Städtchens nichts auf sich hatte . Da ward plötzlich das Regiment nach Glatz verlegt und nun reichte das Einkommen nicht mehr . Die Schwiegereltern thaten das Möglichste , denn die Tochter wollte ihren Mann nicht verlassen , sie kehrten jeden Pfennig um , sparten sich ' s am Munde ab , vergebens ! In der größeren Stadt , ohne den Beistand der Mutter , unter den ihr wildfremden Leuten , verstand das arme junge Weib die kleine Wirthschaft nicht so vortheilhaft zu führen , als daheim . Louis ärgerte sich , schalt sie , wenn sie weinte und lamentirte , wurde heftig , grob ; auch in ihr traten die Mängel der Erziehung ihres niedern Standes vor : es ward ganz ernstlich schlimm und mußte doch getragen werden , denn die ärmeren Classen denken nicht so leicht an Scheidung , Katholiken nun gar nicht . Da starb der Bürgermeister . Louis erhielt Urlaub , seine Angelegenheiten zu ordnen , und eilte nach Thüringen , die ihm zugefallene Erbschaft in Empfang zu nehmen . Aber , ach ! des Alten kleines Vermögen , in drei Theile getheilt , zeigte sich an Ort und Stelle weit geringer , als er vermuthet . Der zweite Bruder , der unterdessen in der kleinen Stadt , in welcher er in Condition gestanden , auch