sollst Du es verweisen und das recht tüchtig . Diese ganze Geschichte kann zwar sehr zufällig und nicht so bedeutend sein , als sie hier auf dem Papier Dir wiedergegeben ist , auch hast Du vielleicht Dein Vertrauen seitdem beschränkt , von dessen Mitteilung zu der niedrigsten Klasse kein großer Schritt ist , sie selbst mag sein wie sie will , sie darum zu verwerfen , wäre unmenschlich , aber überhaupt in eine vertraute Freundschaft mit ihr zu geraten , ist sehr töricht . Du siehst nun , ob die Brüder und Anverwandten keine Ursache haben , mit Dir und mir unzufrieden zu sein , wenn sie solche Dinge von uns erfahren sollten ; ich glaube , sie haben keine Ursache , unsern Umgang zu ehren , wenn Offenbacher Juden sich über ihn unterhalten . Werde nicht traurig über diese Geschichte , sondern nehme Dich in acht mit Deinem Vertrauen . Es kommt am Ende der Verdruß auf mich und mit Recht , warum habe ich Dich nichts Besseres gelehrt . Ich habe unlängst den Franz gebeten , Dich nach Frankfurt zu nehmen ; er täte es gern , nur macht er mancherlei Einwendungen , er begehrt , daß Du der Toni gehorchen , reinlich , fleißig und häuslich sein sollst , das ist nun freilich in etwas gegen Deinen Freiheitssinn , der in Dir von der Großmutter ordentlich erzogen wurde , aber das wirst Du ihm doch nicht verdenken , bei der großen Ausbreitung des Familienzirkels im Hause kann er nur wünschen , daß ein so junges Mädchen wie Du sich an ihn und Toni anschließe , dies ist eine notwendige Folge seines treuen Gemüts . - Du wünschest nicht in Frankfurt zu sein , so wie Du jetzt bist , ist es Dir viel angenehmer , weil Wald und Flur Dir vor der Tür entgegenlachen , weil Musik und alles und die Einsamkeit Dir dort teilweise geraubt werden und auch der Umgang der Großmutter Dir dort fehlen wird . Aber wär es vielleicht nicht besser und zuträglicher für Deine ganze Zukunft , wenn Du Dich mit Geist und Seele in einen ganz andern Zirkel stelltest ? - Du würdest eine schöne Mühe anwenden , Dich dem Franz gefällig zu machen , Du wirst selbst nach und nach Dich mehr der Gesellschaft anderer Menschen , der das Weib nie entgehen soll und darf , anpassen , und mit viel größerer Freude und Ruhe wirst Du Dich selbst und die innere Bildung Deiner Seele fortsetzen , wenn Du siehst , daß die Menschen Dich lieben . Es wäre selbst das schönste Unternehmen , mit Mühe daran zu arbeiten ( ohne doch deswegen es merken zu lassen ) , die Geselligkeit und Freundlichkeit unseres Hauses unter Deinem heimlichen Schutzrecht gedeihen zu machen , und ich zweifle nicht daran , daß es Dir möglich wäre , wenn Du recht wolltest . - Sieh , das sind alles fromme Wünsche , und ich weiß kaum , ob die Momente , an die sie sich knüpfen , wirklich eintreten werden , und ob es möglich sein wird , je auf einem solchen Parterre des Witzes und des Extraordinären einen freundlich häuslichen Garten anzulegen , wo jeder gern sein möchte . Ich habe nie Gemüter angetroffen , die so warm lieben und zugleich sich schämen , diese Liebe zu äußern . So trifft der Spott immer die Innigkeit , und ist keiner da , der sie auslacht , so lacht sie sich selber aus . - Übrigens weiß ich bei allem dem nicht , ob man damit übereingekommen ist , Dich nach Frankfurt zu nehmen ; mein Wunsch wäre es beinah , daß Du mehr in den gewöhnlichen Frankfurter Schlendrian kämst , damit Du das Auffallende in Deinem Betragen etwas unterdrücktest , denn durch dies Auffallende kannst Du leicht einstens noch viel Verdruß haben , nicht als wäre es deswegen schlecht an sich , nein , es ist nur hinderlich und steht oft und bei dem Weibe fast immer im Wege , Gutes zu wirken . Die Sitte kann keinem Menschen erlassen werden ; sie ist eine Art Allerweltsprache , ohne die man nie verstanden wird ; doch soll der Mensch in sie ebensowenig von Jugend auf hineingeleimt werden , als er ganz unfähig für sie werden darf . Aber schön ist , wenn sie der Mensch mit freiem Willen ergreift , sie durch die schöne Eigentümlichkeit seines Daseins veredelt und so allen andern in dieser allgemeinen Sprache sich selbst liebenswürdig und verständlich macht . Jede gänzliche Verschließung des Menschen ist verderblich und hat etwas Fürchterliches und Unnatürliches , um so mehr , wenn sie nicht ganz freiwillig , sondern durch eine äußere schmerzliche Berührung mit der Welt hervorgebracht ist , die aus Unfähigkeit und Unbildung entstand ; denn in dem Zusammenhang besteht die ganze Größe der Welt , und an ihr können wir uns allein stärken und bilden . Wer sich diesem Zusammenhang entzieht , muß ein großes reiches Leben zurückgelegt haben , das er nun ausbilden und verarbeiten will , oder er muß sich von seinen Wunden heilen wollen , so kann er zu entschuldigen sein , wenn er zurücktritt . Aber jener , der durch Ungewohnheit und Ungeschicklichkeit im Umgang mit Schmerz und Sehnsucht nach eben der Welt , der er sich nicht anpassen kann , sich zurückzieht und auf sich selbst reduziert , der verdient bei allen übrigen Verdiensten doch von dieser Seite für einen unvollkommnen ungeschickten Menschen gehalten zu werden und wird mit Recht ausgelacht , wenn er seiner Unbeholfenheit den Namen der Zurückgezogenheit oder der Betrachtung geben will . Solange , liebe Bettine , als die Einsamkeit Dir noch anklebt als Widerwillen gegen die Gesellschaft , mußt Du Dich nach den Menschen umsehen und alle Mittel anwenden , Dich von allen Menschen geliebt zu machen . Das Leben des Weibes ist fester und unbeweglicher als das Leben des Mannes , das Weib berührt die Menschen näher und muß Segen über ihre Umgebung verbreiten . Was frommt es Dir ,