widerlegte , aber sie hielt ihn von sich und suchte mit leuchtenden Blicken die Antwort ihm abzufragen . » So weit ist es zwar noch nicht , mein geliebtes Kind , « sprach er sanft und traurig , » doch soll uns ein redlicher Freund , wie dieser , Trost und Rath ertheilen , und wir werden durch seinen Beistand leichter das Rechte finden . « » O thut das , « sagte sie innig und tief bewegt , » o thut das ! Seid uns ein redlicher Freund und lehrt uns , wie wir es machen müssen , um uns nicht zu trennen , denn das thut weher - weher , als der Tod ! « - Der Marquis konnte kaum das Zucken der Achseln hindern , womit er dies ihm so jämmerlich erscheinende Schäferspiel vor seinen Augen gern begleitet hätte , und er verzeichnete nur zwei Dinge in seinem Gedächtnisse , ihre romantische Schönheit und Crecy ' s unverkennbar große Leidenschaft für sie - Hoffnung genug , ihm durch die Ansprüche , die feindlich dieser Richtung entgegen traten , die Sicherheit des Glücks zu entreißen . - » Der Graf Crecy weiß , daß ich erst hier von dem Vorgefallenen unterrichtet ward - die Frau Gräfin hat keine Ahnung von dem Vorgefallenen , und ich kann nicht verhehlen , daß ihr vielleicht diese Nachricht mehr unerfreulich scheinen möchte , da sie bisher an das treue und vollständige Vertrauen ihres Sohnes gewöhnt war . « » Ach , « sagte Fennimor tief seufzend , » da sprecht Ihr ein wahres , verständiges Wort ! Das hat mir immer vorgeschwebt - aber ich wußte es nicht zu sagen , und muß mich jetzt recht wundern , daß es Dir und dem Vater nicht eingefallen ist . Die arme Mutter ! Das hat gewiß keine Mutter verdient , und Deine Mutter am wenigsten . « - Sie hatte sich während dessen in das Moos gesetzt , und unwillkürlich thaten es beide Männer ihr nach . Wie tief bekümmert sah sie aus , und der Marquis war zu guter Menschenkenner , um nicht zu wissen , sie war die Betrügerin nicht ; also der Vater - schloß er sicher weiter . » Die Umstände , « erwiederte der Graf ernst , » haben Schritte nöthig gemacht , die , wenn sie auch der Abweichung von einer ehrwürdigen Pflicht sich scheinbar schuldig gemacht haben , doch ihre innere Rechtfertigung nicht entbehren . Ich hoffe meine Mutter hievon zu überzeugen , um so mehr , da sie einsehen wird , daß ich mir ein so seltenes Glück , als Gott mir in Deinem Besitze zuführte , nur sichern konnte , wenn ich die ehrenvollsten und sichersten Mittel zu Deinem Schutze aufrief . Als meine Gattin kann ich Dich selbst allein stehen lassen , wenn meine nächsten Pflichten dies vorerst nöthig machen , und dieser Rang wird Dir Freiheit geben , mir überall zu folgen , und mir das süße Recht , überall Dein Beschützer zu sein . « » Ach , « sagte Fennimor , erquickt durch diese Worte - » das wird gewiß Deine liebe , herrliche Mutter eben so einsehen ; denn , wenn Du sprichst , dann fühle ich immer , daß Du Recht hast , und bin um Alles ruhig . Nur das Eine , nur , daß wir uns trennen sollen , das , hoffe ich immer , wird nicht geschehen , weil es so sehr unnatürlich ist . Glaubt Ihr das nicht auch , Herr Marquis , und wollt Ihr uns nicht Rath geben , wie wir Alles thun können , was nöthig ist , um dies Unglück zu vermeiden ? « - » Es stimmt vollkommen mit Eurer Unschuld und mit der völligen Unkenntniß der Verhältnisse der Welt , wie mit den besonderen des Grafen Crecy zusammen , daß es Euch so schwer fällt , einzusehen , in welche Schwierigkeiten derselbe sich durch sein Verhältniß zu Euch gestürzt hat . - Seiner Liebe zu Euch , scheint es , ist es zu schwer gefallen , sie Euch aufzudecken , und vielleicht ist darum meine Ankunft eine rettende Auskunft zu nennen , wenn ich Euch Eure wahre Lage enthülle , deren geringe Zugeständnisse Ihr dann bald einsehen werdet - oder doch unfehlbar Euer Vater , der wohl schwerlich aus Unkenntniß der damit herbeigeführten Schwierigkeiten die rasche Handlungsweise meines Freundes zulassen konnte . « » Ich muß Euch bitten , Marquis , « hob hier der Graf mit beleidigtem Stolz an , » meine Gemahlin nicht unnütz mit den Thorheiten der Welt bekannt zu machen und ihre reine Seele durch die Ansichten zu trüben , die dort als wichtig hervortreten ; sie soll von ihnen nicht getrübt werden , und ich werde das Glück meiner Verbindung nicht eher aussprechen , bis ich ihr dort die Wege geebnet und sie sicher gestellt habe gegen die abweichenden Anforderungen , von deren dort geltender Wichtigkeit sie , Gottlob , eben so wenig , als ihr verehrungswürdiger Vater eine Ahnung hat ! « » Nicht zu läugnen , daß diese naive Unkenntniß aller Verhältnisse Euch bei dieser Dame und ihrem eben so unwissenden Vater ein leichtes Spiel gaben ! « sprach der Marquis mit absichtlich kaum verhehltem Lächeln . - » Meint Ihr mit diesem Ausdrucke meine Vermählung mit Miß Lester ? wodurch sie für Alle , die es wissen , rechtmäßige Gräfin Crecy ist ? « - Der Marquis verneigte sich bloß , wie Jemand , der nichts erwiedern will , und als auch Leonin ungeduldig aufstand , sprach Fennimor ruhig und zutrauensvoll : » Wir wollen zum Vater gehen - denn er versteht Alles am Besten , und wenn Ihr nicht einig seid , wie mir scheint , wird er Euch angeben , wir Ihr das machen müßt . « » Ich weiß nicht , « sprach der Marquis frostig , » ob es dem Herrn Grafen gemäß scheinen wird , einen so unwillkommenen Gast , als mich , dort einzuführen