beantworten , und die Herzogin begab sich mit Stanloff , welcher einige Tage abwesend gewesen war , nach ihren Zimmern . Was bringst Du uns für Nachrichten , Stanloff , sprach die Herzogin und setzte sich abgewendet von ihm in einen Sessel ; warst Du glücklich in Deinen Nachforschungen ? Euer Durchlaucht zu Befehl , erwiederte Stanloff , alle Nachforschungen , die ich anstellte , treffen mit den Einzelheiten in der Geschichte der jungen Dame überein ; es muß das Schloß der Gräfin von Buckingham sein , aus dem sie entflohen . Gründe , Gründe ! rief die Herzogin , Gründe will ich wissen . - Sie sind in meiner Erzählung . Ich begab mich zu Pferde dahin und erreichte den großen parkartigen Wald , in dessen Mitte das Schloß liegt , am Mittage des dritten Tages . Den Park umgiebt , nach der Landstraße zu , eine Meierei . In dieser sprach ich ein und fand dort eine zahlreiche Familie , die verheiratheten Kinder der noch lebenden Eltern , die sich in die Herrschaft des Hauses und in die Geschäfte getheilt hatten . Man hatte sich bei meiner Ankunft um eine große Tafel gelagert , um zu Mittag zu essen , und mir ward ohne weitere Bemerkungen an derselben ein Platz angewiesen , der mir Muße gab , eine Unterredung über die Bewohner des Schlosses anzuknüpfen . Doch war dies nicht leicht ; meine Frage , ob die Herrschaft gegenwärtig , beantwortete man mit Nein und fuhr sogleich fort , unter sich über eigene Angelegenheiten zu sprechen . Schnell war die Mahlzeit von den jüngeren Leuten geendet ; sie standen auf , um sich an die verschiedenen Stellen zu vertheilen , die ihrer Sorgfalt übergeben waren , und die Eltern blieben allein zurück . Ich fragte aufs Neue , ob das Fieber diese Gegend auch verheert habe , und die alte Frau nannte nun sogleich als das einzige dieser Krankheit gefallene Opfer die Gräfin von Buckingham . Weniger glückte es mir , über andere Dinge Auskunft zu erhalten , und noch bleibt es mir ungewiß , ob Unkunde oder andere Gründe dies so erschwerten . Den jetzigen Besitzer des Schlosses kannten sie nicht ; sie gaben zu , daß es der Bruder sein könne ; dagegen bestätigten sie , Gersem zu kennen ; ob er aber lebe oder todt sei , wußten sie nicht . Von dem Feuer jedoch sprachen sie , daß es den alten Theil des Schlosses verheert habe ; daß Jemand zu Schaden gekommen sei , verneinten sie . Meine Fragen nach der frühern Lebensweise der Gräfin , die ich in der Hoffnung einleitete , dann zu den Gästen des Schlosses übergehn zu können , beantworteten sie blos mit dem großen Lobe ihrer Wohlthätigkeit und Güte ; doch Gäste , behaupteten Beide , seien nie auf dem Schlosse gewesen , die Herrschaft habe jedoch öfter Reisen gemacht . Ich suchte nun von ihnen los und in den Park zu kommen , und erreichte so das Schloß selbst , wovon nur ein kleiner Theil , der in einem ganz versteckten Hofraume lag , vom Feuer gelitten hatte , dessen Spuren überall deutlich zu sehen waren , ohne daß , wie es mir schien , man irgend Sorge getragen hatte , sie zu beseitigen . Ich näherte mich dem Eingange des völlig einsamen Schlosses , aber meine Bemühungen , hinein zu dringen , waren umsonst . Ich wollte eben zurückkehren , als eine kleine Thür unter einer Treppe aufschlug und ein junges Mädchen in ländlicher Tracht herausflog , in der Richtung über den Hof laufend , in der ich mich befand . Sie stand vor mir , ehe sie mich sah , schrie jetzt laut auf und wollte entfliehn , ich hielt sie aber mit sicherer Hand fest und bat sie , mir Einlaß in das Schloß zu verschaffen . Um Gott , Herr ! was denkt Ihr ? Es darf Niemand hinein , Alles ist verschlossen , und der Herr Aufseher verreiset . - Ist das Gersem ? fragte ich schnell . Gersem ? wiederholte das Mädchen , sichtlich erschreckend ; nein , Herr , sprecht nicht so , laßt mich los , ich darf Euch nichts von Gersem sagen , kein Mensch darf von ihm sprechen ! - Gut , ich will Dich nicht quälen ; aber das darfst Du mir doch sagen , ob er im Schlosse ist ? - Gersem ? O Herr , laßt mich , ich bin des Todes , wenn Ihr mich nicht los laßt ! - Nun , sagte ich , ich will Dich gleich los lassen , so wie Du mir sagst , ob ich nicht die Frau Hanna sprechen kann ? - Mistreß Hanna ? Großer Gott , sie will täglich sterben . Kein Mensch darf zu ihr , und sie erkennt Niemand ; nein , Herr , das geht um die Welt nicht . - Ich ließ sie jetzt und habe mich vorläufig damit begnügt , Euch diese Nachrichten zurück zu bringen , da mir Euer Durchlaucht Befehle nicht weiter zu gehen schienen . - Ich weiß genug ! sagte die Herzogin , winkte ihm , sich zu entfernen , und blieb in ihrem Stuhle sitzen , daß , wer sie einige Zeit lang beobachtete , in ihr kein lebendes Wesen zu sehen gewähnt hätte . Doch ward sie bald genöthigt , sich an dem Leben langsam wieder aufzurichten . Pons flog herein , den Grafen Archimbald zu melden , der so unmittelbar hinter ihm eintrat , und mit so sichtlichen Zeichen von Gemüthsbewegung , daß die Herzogin nur eines mühsam auf ihn gelenkten Blickes bedurfte , um von der Ahnung neuer Leiden ergriffen zu sein . Ihr erster Gedanke wendete sich auf Richmond , diesen letzten Hafen , in dem sie Ruhe und Schutz hoffte , diesen Balsam auf die brennenden Wunden ihres Herzens . Es schien ihr gewiß , ihm mußte etwas begegnet , auch in ihm sie noch verwundet worden sein , und sie