den leeren Gestellen , zwischen kahlen Brettern einher , und suche den Herbst mit seinen langen , glühenden Abendlichtern , dem goldenen Blätterdach und purpurnen Wolkenbergen . Wie reich war die Natur ! welche Fülle des Daseins strömte die warme , lieblich scheinende Sonne zuletzt noch in unsere frohen Herzen ! Als ich jetzt hier eintrat - ich sank in den nächsten Stuhl und weinte , weinte ohne aufhören zu können . Ich habe auch meiner Seits versprochen , Sie nicht hier zu sehen , Hugo ! Welch ' wahnsinnige Gewalt übt der Mißverstand über die Freiheit Anderer aus ! Und zu was ? Ich könnte über die Täuschung lachen , daß es nur die Hohlspiegel der Augen sind , die einen Gegenstand sehen ! Aber ich lache nicht mehr . Es bedeutet mir nichts Gutes . Ich lachte im vorigen Herbst so viel , und nun hat die junge Frühlingssonne solchen blassen , fahlen Wasserring ! Mein allerliebster Georg kränkelt seit einiger Zeit . Er kann den Caplan nicht gewohnt werden . Der fremde , schüchterne Mann ängstigt das arme Kind unbeschreiblich . Wenn er zu ihm gehen , bei ihm bleiben soll , schlägt das liebe kleine Herz so bange und heftig , daß ich weinen möchte . Und doch ist Tavanelli gut mit dem Knaben . Er verzärtelt ihn fast zu sehr . Was ist es denn , das die Liebe hier erschreckt und nicht rührt ? Weshalb zieht sich die unbestochene Natur davor zurück ? Ach , es bleibt zu wahr , auch die himmlischen Mächte reden nur durch irdische Organe zu uns , und was diese bedingt , und wie sie uns fremd oder verwandt berühren , davon hängt Verstehen oder Mißverstehen ab . Einige Tage später . Hören Sie , Hugo , hören Sie , was ich Ihnen zu sagen habe ! Meine Seele ist voll davon . Es war eine erschütternde Stunde ! fast zu gewaltig für das beschränkte Erdenleben ! Aber , Ruhe ! Ruhe ! Sie sollen Alles wissen . Sie vor Allen , müssen es erfahren . So lassen Sie sich denn erzählen : Georg schien mir kränker . Er sah erhitzt aus , und war ungewöhnlich aufgeregt . Ich erschrack . Eine Krankheit geliebter Menschen , steht gleich wie ein Unglück bringendes Gespenst vor mir . Ich nahm das unruhige Kind in meine Arme , trug es auf mein Bette , suchte es durch Lieblingsgeschichtchen zum Schweigen , vielleicht auch zum Schlafen zu bringen . Bei zugezogenen Vorhängen , bei einer kleinen Lampe setzte ich mich auf den Rand des Bettes . Ich erzählte langsam und flüsternd , alte , tausendmal wiederholte Histörchen . Es war fast ganz dunkel um uns . Der Kleine nahm die Bilder mit in seine Träume , und schlummerte , mit halbgeschlossenen Augen , eine Weile fort . Allein sein Schlaf war unruhig . Er warf sich hin und her , sprach , nannte fremde Namen , schrie hell : » Tavanelli ! fort ! fort ! « lachte dann wohl dazwischen , kurz , erfüllte mich mit Todesangst . Ich weckte ihn . Er blieb in dem nämlichen Taumel . Ich schickte jetzt eilig nach der Stadt zu Eduard , zum Arzt . Indeß vergingen ein paar Stunden auf dieselbe Weise . Den Caplan hatte ich gleich anfangs entfernen müssen . Seine Nähe reizte den Unwillen des Kindes . Neun Uhr Abends war unter wachsender Besorgniß herbeigekommen . Ich lauschte am Fenster auf den rückkehrenden Boten . Da fuhr ein Wagen in den Hof . Der Vater ! dachte ich , mit dem Doktor ! In der Erwartung öffnete ich leise die Thür , und trat in den Vorsaal . Ich hielt die Lampe in der Hand . Ihr schwacher Schein erhellte nur einen kleinen Theil des Gemachs , doch gerade den , in welchem ich den Eintretenden entgegen sah . Urtheilen Sie von meiner Ueberraschung , als Emma mit schnellen Schritten auf mich zueilte . Ich weiß nicht , war es Verlegenheit oder Ueberspannung des Geistes ? daß ich in demselben Augenblicke ausrief : » Wie gut , daß Sie kommen , Sie finden mich in großer Bestürzung . « Ich habe nachher über die Worte , und was ich damit meinte , nachgedacht . Als ich sie sagte , wußte ich nichts davon . Sie gingen mir wie ein Seufzer über die Lippen . Emma schloß meine Hände in die ihrigen . Weich und seelenvoll , wie ein Engel , entgegnete sie : » Ich habe es schon draußen gehört , Georg ist krank . Arme Elise ! Und gerade , nun sie hier auf dem Lande sind ! « Ich sagte ihr , daß ich nach Hülfe geschickt hätte . Wir waren indeß zurück an das Bett des Kleinen getreten . Sie beugte sich über ihn . Ich hielt die Lampe so , daß sie dem Kinde ins Gesicht sehen konnte . Sie blieb eine Weile in der Stellung ; darauf erhob sie sich , ohne etwas zu sagen , aber ihr Auge fiel mit einem Blick auf mich , in welchem ich deutlich las : » So reich bist Du , Glückliche ! und dennoch ! « Es durchlief mich heiß vom Scheitel bis zur Zehe . Wir setzten uns auf einen kleinen Sopha , ganz im Winkel , nahe bei Georg . » Ich komme zu einer unbequemen Stunde ? « brach Emma endlich das Schweigen . » Aber , « fuhr sie fort , » man muß die Zeit nehmen , wie sie sich uns giebt . « Sie hielt inne . Vielleicht erwartete sie meine Antwort . Allein mir zog sich die Brust beklommen zusammen . Wir hatten uns lange nicht gesehen . Jetzt saßen wir mit verschlungenen Händen einander so nahe , rings um uns die unsichere Dämmerung . In meinem Herzen , Sorgen um mein Kind , überall ängstliche Erwartung , ich fand keinen deutlichen Gedanken in mir . Ich drückte ihr leise die