Ihr habt Euch nicht geschämt , herabzusteigen in eines armen Juden Hütte , zu sehen unsre Armuth , unsre Leiden . « » Gott ! « spracht Ihr beim Scheiden halb vor Euch hin : » kann man denn Menschen so in den Staub treten ? « und eine Handvoll Gold ließt Ihr auf meinem Schmerzenslager zurück . » Herr ! Mensch unter ' m Herzogshute ! Aus Euerm Beispiele hab ich gelernt , daß es gibt edle Christen . Herr ! von Euch habe ich ererbt Vertrauen auf die dunkle Vorsehung ; Herr ! Euer Gold hat mir gebracht Segen , hat mich gemacht reich , und bei dem Haupte meines Vaters gelobe ich ' s Euch : Euer ist auch Alles , was mein ist auf der Erde . « Ben David schwieg erschöpft , und küßte des Herzogs Stiefel , daß Friedrich empört zurücktrat , und halb gerührt , halb unmuthig ausrief : » So steh doch auf , aberwitziger Ebräer ! Du wirst mich böse machen mit dem übertriebnen Gewäsche . So seyd Ihr aber , leichtsinniges Volk . Dem Erlöser sangt ihr Hosianna , und habt ihn dann getödtet . « Ben David richtete sich langsam und bekümmert auf . » Gnädigster Herzog , « sprach er , gänzlich ablenkend : » mein Vater , der seine hundert Jahre zählt , hat viel des Guten gethan auf der Welt , und keinen Lohn davon getragen , als ein schneeweißes Haupt und schwache Glieder . Belohnt mich an seiner Statt , edler Fürst , oder sorgt , daß der Kaiser es thue . « Der Herzog sah ihn befremdet an . » Wie soll ich das verstehen ? « fragte er : » Wie käme denn ich , wie der Kaiser dazu , Dich zu belohnen für die guten Thaten , die vielleicht Dein Vater verrichtet hat ? « Lächelnd schwieg Ben David eine Weile , trat dann in die vorige ehrfurchtsvolle Entfernung , und versetzte : » Euer Wort ist Wahrheit , Herr , aber ... wenn Ihr nicht an mir das Gute vergelten wollt , das mein Vater vor fünfzig Jahren that , warum laßt Ihr mir entgelten , was mein Volk vor anderthalbtausen Jahren Böses gethan ? - « Friedrich warf bei der unvermutheten Wendung den Kopf zurück , hielt aber an sich , biß sich in die Lippen , und bezwang seinen gereizten Stolz männlich und edel , wie es einem klugen und rechtlichen Fürsten geziemt , wenn die Wahrheit sein Vorurtheil besiegt . » Was ist aus Deinen Söhnen geworden ? « begann er leutseliger , als zuvor . Ben David legte die Linke auf die Brust , und seufzte . » Sie haben mir viel Herzeleid . gemacht ; « sprach er . » Der ältere lebt und ist doch gestorben für mich . Ich werde ihn nicht wiedersehen im Wohnort der Gerechten . Mein Bechor hat sich gerissen los von den Seinen , aus einem Sohn der Gebote ist er geworden ein Abtrünniger , ein Anhänger derjenigen , die sein Volk unterdrücken ! « » Ich verstehe ; « erwiederte Herzog Friedrich : » er ist klüger gewesen als Du , und ist , ein Reuiger , in den Schooß unsrer Kirche eingegangen . Ich muß ihn um dessentwillen loben . Es ist besser ein schlechter Christ seyn , als der beste Jude . « - » Als Ihr sprecht von Essen und Trinken und Bequemlichkeit , gebe ich ' s zu ; « versetzte Ben David ernst : » der heilige Gott möge ihm verzeihen . So viel ich weiß , lehrt er jetzt die hebräische Sprache zu Heidelberg an der hohen Schule . « - » Wohl ihm ; « setzte der Herzog hinzu : » was geschah aber mit dem Jüngsten ? « - » Auf seinem Gedächtnisse sey der Friede ! « murmelte der Vater mit zum Himmel gerichtetem Blicke : » Er sitzt oben in der Herrlichkeit Gottes ; vor vier Jahren wurde er zu Budweis erschlagen , da die Christen eine Judenhetze hielten daselbst . « Friedrich war betroffen . » Ein erbärmlich Schicksal ! « sprach er , und wandte sich zum Fenster , um den Ausdruck der Rührung auf seinem Gesichte zu verbergen . - - Ben David trocknete eine Zähre von der vernarbten Wange , und fragte unterthänig , mit welchen Diensten er dem Herzoge aufzuwarten vermöge . - » Ich werde vielleicht bald fünf- bis sechstausend Mark Silbers benöthigt seyn ; « antwortete Friedrich , ohne seine Stellung zu ändern , denn seine Bewegung war noch nicht vorüber : » ich habe meine Gründe , warum ich dieses Geld nicht von meinen Rechneimeistern eintreibe ; denn ich verlange strenge Verschwiegenheit . Kannst Du die Summe schaffen , sobald ich sie zu fordern veranlaßt seyn könnte ? « » Zu jeder Stunde soll sie liegen bereit ; « versicherte Ben David ohne Bedenken . » Wie hältst Du ' s mit Zinsen und Verschreibung oder Pfandschaft ? « fuhr Friedrich wie oben fort . » Von Euch nehme ich nicht Zinsen ; « entgegnete der Jude ruhig : » Euer Wort ist das beste Pfand ; und eine Schrift begehre ich nicht , seitdem Kaiser Wenzel uns gezwungen hat , alle Schuldbriefe edler Herren unentgeldlich auszuliefern . « » Was soll das , Jude ? « fragte der Herzog heftig sich umdrehend : » Was nimmst Du Dir heraus ? Ein Herzog in Österreich wird sich von einem Kammerknechte keinen Zins schenken lassen , und kein Darlehen empfangen ohne Brief und Siegel auszustellen , gleichsam als wär es eine Gabe . Oder hältst Du mich , den Habsburger , fähig , von der Armseligkeit , die damals der Luxemburger gegen Euch ausgeübt , Vortheil zu ziehen ? « » Ich will doch umkommen auf der Stelle , wenn ich Euch , gnädigster Herzog , habe beleidigen wollen ; « betheuerte der Jude : » nur so viel wollte ich sagen