senden , den er ja auch gleich mit Vollmacht versehen könne , die Trauung zu vollziehen und , nach altem schönem Herkommen , gestiefelt und gespornt den Bettsprung zu unternehmen . Der Prinz schrieb zurück : » Ich komme selbst , mein Fürst ! « - Dem Fürsten war das nicht recht , er hielt die Trauung durch einen Bevollmächtigten für schöner , erhabner , fürstlicher , hatte sich im Innersten auf das Fest gefreut und beruhigte sich nur damit , daß vor dem Beilager ein großes Ordensfest gefeiert werden könne . Er wollte nämlich das Großkreuz eines Hausordens , den sein Vater gestiftet hatte , und den kein Ritter mehr trug , nicht tragen durfte , dem Prinzen umhängen auf die solenneste Weise . Prinz Hektor kam also nach Sieghartsweiler , um die Prinzessin Hedwiga heimzuführen und nebenher das Großkreuz eines verschollenen Hausordens zu erhalten . Es schien ihm erwünscht , daß der Fürst seine Absicht geheimgehalten , er bat vorzüglich rücksichts Hedwigas , in diesem Schweigen zu verharren , da er erst der vollen Liebe Hedwigas versichert sein müsse , ehe er mit seiner Bewerbung hervortreten könne . Der Fürst verstand nicht recht , was der Prinz damit sagen wollte , und meinte , daß , soviel er wisse und sich erinnere , diese Form , was nämlich die Versicherung der Liebe vor dem Beilager beträfe , in fürstlichen Häusern niemals üblich gewesen sei . Verstehe der Prinz aber darunter weiter nichts als die Äußerung eines gewissen Attachements , so dürfe das vorzüglich während des Brautstandes wohl eigentlich nicht stattfinden , könne aber , da doch die leichtsinnige Jugend über alles , was die Etikette gebiete , hinwegzuspringen geneigt , ja in der Kürze abgemacht werden , drei Minuten vor dem Ringewechseln . Herrlich und erhaben wär ' s freilich , wenn das fürstliche Brautpaar in diesem Augenblick einigen Abscheu gegeneinander bewiese , leider wären aber diese Regeln des höchsten Anstandes in neuester Zeit zu leeren Träumen geworden . Als der Prinz Hedwiga zum erstenmal erblickte , flüsterte er seinem Adjutanten in den andern unverständlichem neapolitanischen Dialekt zu : » Bei allen Heiligen ! Sie ist schön , aber unfern des Vesuvs geboren , und sein Feuer blitzt aus ihren Augen . « Prinz Ignaz hatte sich bereits sehr angelegentlich erkundigt , ob es in Neapel schöne Tassen gebe , und wieviel davon Prinz Hektor besitze , so daß dieser , durch die ganze Tonleiter der Begrüßungen durchgestiegen , sich wieder zu Hedwiga wenden wollte , als die Türen sich öffneten und der Fürst den Prinzen einlud zu der Prachtszene , die er durch die Zusammenberufung sämtlicher Personen , welche nur im mindesten was Hoffähiges an und in sich trugen , im Prunksaal bereitet . Er war diesmal in dem Auswählen weniger strenge gewesen als sonst , da der Zirkel in Sieghartshof eigentlich für eine Landpartie zu achten . Auch die Benzon war zugegen mit Julien . Prinzessin Hedwiga war still , in sich gekehrt , teilnahmlos , sie schien den schönen Fremdling aus dem Süden nicht mehr , nicht weniger zu beachten als jede andere neue Erscheinung am Hofe und fragte ziemlich mürrisch ihr Hoffräulein , die rotwangige Nannette , ob sie närrisch worden , als diese nicht aufhören konnte , ihr ins Ohr zu flüstern , der fremde Prinz sei doch gar zu hübsch , und eine schönere Uniform habe sie zeit ihres Lebens nicht gesehen . Prinz Hektor entfaltete nun vor der Prinzessin den bunten prahlenden Pfauenschweif seiner Galanterie , sie , beinahe verletzt durch den Ungestüm seiner süßlichen Verzücktheit , fragte nach Italien , nach Neapel . Der Prinz gab ihr die Beschreibung eines Paradieses , in dem sie als herrschende Göttin wandelte . Er bewährte sich als ein Meister in der Kunst , zu der Dame so zu sprechen , daß alles , alles sich gestaltet als ein Hymnus , der ihre Schönheit , ihre Anmut preist . Mitten aus diesem Hymnus sprang aber die Prinzessin heraus und hin zu Julien , die sie in der Nähe gewahrte . Die drückte sie an ihre Brust , nannte sie mit tausend zärtlichen Namen , rief : » Das ist meine liebe , liebe Schwester , meine herrliche süße Julia ! « als der Prinz , etwas betroffen über Hedwigas Flucht , hinzutrat . Der Prinz heftete einen langen seltsamen Blick auf Julien , so daß diese , über und über errötend , die Augen niederschlug und sich scheu zur Mutter wandte , die hinter ihr stand . Aber die Prinzessin umarmte sie aufs neue und rief : » Meine liebe , liebe Julia « und dabei traten ihr die Tränen in die Augen . » Prinzessin , « sprach die Benzon leise , » Prinzessin , warum dieses krampfhafte Benehmen ? « Die Prinzessin , ohne die Benzon zu beachten , drehte sich zu dem Prinzen , dem wirklich über alles das der Strom der Rede versiegt , und war sie erst still , ernst , mißmutig gewesen , so schweifte sie beinahe jetzt aus in seltsamer krampfhafter Lustigkeit . Endlich ließen die stark gespannten Saiten nach , und die Melodieen , die nun aus ihrem Innern heraustönten , waren weicher , milder , jungfräulich zarter . Sie war liebenswürdiger als jemals , und der Prinz schien ganz und gar hingerissen . Endlich begann der Tanz . Der Prinz , nachdem mehrere Tänze gewechselt , erbot sich , einen neapolitanischen Nationaltanz anzuführen , und es gelang ihm bald , den Tanzenden die volle Idee davon zu geben , so daß sich alles gar artig fügte und selbst der leidenschaftlich zärtliche Charakter des Tanzes gut hervortrat . Niemand hatte aber eben diesen Charakter so ganz begriffen als Hedwiga , die mit dem Prinzen tanzte . Sie verlangte die Wiederholung , und als der Tanz zum zweitenmal geendet , bestand sie , des Mahnens der Benzon , die auf ihren Wangen schon die verdächtige Blässe wahrnahm , nicht achtend , darauf , zum drittenmal den Tanz