habe kostbare Edelsteine im Grunde des Brunnens gefunden und sei von Berthold herabgestürzt , um dies zu verheimlichen , er werde es künftig schon herausarbeiten . Niemand sagte ihm so etwas wieder , daß er die Wahrheit hätte offenkundig machen können . Die Lüge wandte immer mehr Herzen von ihm , aber er war zu übermächtig durch seinen Reichtum , durch die große Zahl von Arbeitern , die er beschäftigte , als daß irgend ein Bürger eine Anklage gegen ihn gewagt hätte . Faust mehrte den Zorn der Leute , in seiner Trunkenheit sagte er seltsame Dinge von Bertholds Heilung durch Blut , wovon er , wenn er nüchtern , nichts wissen wollte . Um diese Zeit liefen aber so viele Klagen gegen Faust ein , daß Berthold , seines ärgerlichen Wandels überdrüssig , ihn zur Stadt hinaus führen ließ . Da sagte Faust ganz vernehmlich : Es solle dem Bürgermeister noch gereuen ; wenn er den Anton nur erstechen könne , so wäre er auch des Todes , und dazu werde sich schon einer finden . Aber auch davon erfuhr Berthold nichts , er wurde immer noch von den Seinen wie ein krankes Kind gegen jedes unangenehme Lüftchen bewahrt . Schnell ordneten sich die Steine um den Brunnen zu seinem Rande und zu Sitzen umher , sein Abfluß wurde sanft und ein kleiner Ausschnitt leitete den Überfluß durch ein Gitter ab . Am sogenannten Polterabend vor der Hochzeit , wo bei den Ärmeren alles Gerät abgesondert , die alten Töpfe zerschmissen werden , um ein neues Leben anzufangen , war der Brunnen am Abend fertig und trocken und erst jetzt entdeckte sich allen seine Anlage . Die Sitze waren hinlänglich gehöht , um über die Mauern nach dem Remstale hinzublicken , so daß die sinkende Sonne in ihrem abendlich gesättigten Rot aus dem Spiegel des gewundnen Flusses mit dem Scheine mannigfaltiger Inseln blickte ; unter den Mauern sangen dazu die Chöre der Bleicher auf den grünen Wiesen , Berthold wurde überrascht und überraschte zugleich , die beiden Frauen zierten den Brunnen mit einem Blumennetze , das sie heimlich bereitet hatten und auf bunten Stangen über die Mitte des Brunnenrads stellten , daß es mit Duft und Farbenspiel sie wie ein Zelt umgab und die Aussicht erhöhte , indem es zuweilen sie unterbrach . So saßen sie ruhig , und Anna fühlte einmal gar keine Eifersucht , daß Berthold die Mutter mit seinem andern Arm umfaßte , sie sprachen wenig und blendeten sich an dem Abendrot . Der Brunnen war zwar teuer erkauft , aber er gewährte dem glücklichen Berthold das stolze Gefühl , daß ihn diesmal nichts geschreckt habe ; die andern wußten nichts von dem armen Bergmann . Da hörte Anna von einer Seite einen Atemzug , wo keiner der Ihren stand , sie blickte um sich und sah einen alten Mann in rostiger Rüstung , sie fragte Berthold mit leichtem Schreck : » Wer ist der fremde Mann ? Er sieht aus , als ob eines von unsern alten Steinbildern am Hause zu uns herabgestiegen wäre . Er hat mehr Züge im Gesicht , als zwei gewöhnliche Menschen . Er schiebt jetzt einen Kasten heran , es kommen mehrere , die ihm helfen , alle gerüstet wie er , alle von bleichem steinernen Angesicht . Sie gehen schweigend zurück , er bleibt . « Achte Geschichte Das Hausmärchen Frau Hildegard , die sich zugleich mit Berthold umsah , stieß diesen vergebens an und flüsterte ihm zu , er möchte sich fortbegeben , es sei einer der Kronenwächter , den sie sonst schon oft abgewiesen habe . Berthold fühlte einen Mut in sich , dem Alten zu begegnen , und fragte ihn , was er wolle , warum er sich ihnen so heimlich genaht habe ! - » Heimlich ? « antwortete der Alte mit tiefer heiserer Stimme , als ob die böse Witterung eines Jahrhunderts darin sich verkrochen hätte , » heimlich war nicht nötig , ihr saht und hörtet nichts ! Mein Name ist Kronenhelm , bin Ehrenhalt auf dem Schlosse Hohenstock , wurde viel hin und her geschickt in Ernst und Spiel , habe Turnier ausgerufen , Fehde verkündet , Schlösser aufgefordert , habe im Zweikampf Sonne und Schwerter gemessen , besprochene Waffen losgesprochen , die Hexerei mit ritterlicher Ehre gebrochen , kann blasen auf dem Ehrenhorn hoch und tief , und wenn einer sieben Jahre schlief , ich weck ihn und schreck ihn , doch wenn einer lustig ist , bin ich auch ein guter Christ , und zu Eurem Polterabend komm ich über die Heide trabend , Euch Gruß zu bringen , Eure Hand zu schwingen , Geschenk und Gaben , die sollt Ihr haben , buntes Glas , wie bald bricht das darum nehmt ' s wohl in acht , es hat ein Vorfahr gemacht . Seht her seht hin , seht die Sonne darin , wie ' s flimmt , wie ' s flammt , alles vom Lichte stammt . « - Bei diesen Worten hob er aus einem Kasten , den ihm einige Leute nachtrugen , länglichte Glasfenster , oben als Spitzbogen geschnitten , und stellte sie in die leeren Räume zwischen den mit Blumen umwundnen Stangen gegen die untergehende Sonne , daß die Farbenpracht des Glases in seinem Durchscheinen in dieser vollsten aller Lichtfüllungen jedes andre denkbare Bild überstrahlte . - Berthold grüßte den Mann und in der Meinung , er sei von den Frauen geschickt , drückte er den beiden Frauen die Hand und dankte ihnen für die seltne Freude , die sie ihm bereitet hätten , er schwöre ihnen , kein Baumeister hätte je so etwas Schönes ersonnen . Dieses Blumenzelt solle in feinem Marmorstein ausgeführt werden und die Glasfenster haltend umschließen , daß der Brunnen eben so leicht frei , als geschlossen nach Witterung und Stimmung genutzt werden könne , zum kalten Bad für die heiße Zeit , als warmes Bad im Winter , auch zum sichern Mittagsschlaf beim Rauschen des Gewässers . Er rühmte Almen