wenn dieser Mann « ... » Sie bemerken , « unterbrach der Richter den Mönch , sich zu mir wendend , » daß man Sie für den Kapuziner Medardus aus dem Kloster in B. hält und daß man eben diesen Medardus schwerer Verbrechen halber angeklagt hat . Sind Sie nicht dieser Mönch , so wird es Ihnen leicht werden , dies darzutun ; eben daß jener Medardus ein besonderes Abzeichen am Halse trägt , - welches Sie , sind Ihre Angaben richtig , nicht haben können - gibt Ihnen die beste Gelegenheit dazu . Entblößen Sie Ihren Hals . « - » Es bedarf dessen nicht , « erwiderte ich gefaßt , » ein besonderes Verhängnis scheint mir die treueste Ähnlichkeit mit jenem angeklagten , mir gänzlich unbekannten Mönch Medardus gegeben zu haben , denn selbst ein rotes Kreuzzeichen trage ich an der linken Seite des Halses . « - Es war dem wirklich so , jene Verwundung am Halse , die mir das diamantne Kreuz der Äbtissin zufügte , hatte eine rote , kreuzförmige Narbe hinterlassen , die die Zeit nicht vertilgen konnte . » Entblößen Sie Ihren Hals « , wiederholte der Richter . - Ich tat es , da schrie Cyrillus laut : » Heilige Mutter Gottes , es ist es , es ist das rote Kreuzzeichen ! ... Medardus ... Ach , Bruder Medardus , hast du denn ganz entsagt dem ewigen Heil ? « - Weinend und halb ohnmächtig sank er in einen Stuhl . » Was erwidern Sie auf die Behauptung dieses ehrwürdigen Geistlichen ? « frug der Richter . In dem Augenblick durchfuhr es mich wie eine Blitzesflamme : alle Verzagtheit , die mich zu übermannen drohte , war von mir gewichen , ach , es war der Widersacher selbst , der mir zuflüsterte : » Was vermögen diese Schwächlinge gegen dich Starken in Sinn und Geist ? ... Soll Aurelie denn nicht dein werden ? « - Ich fuhr heraus beinahe in wildem , höhnendem Trotz : » Dieser Mönch da , der ohnmächtig im Stuhle liegt , ist ein schwachsinniger , blöder Greis , der in toller Einbildung mich für irgend einen verlaufenen Kapuziner seines Klosters hält , von dem ich vielleicht eine flüchtige Ähnlichkeit trage . « - Der Richter war bis jetzt in ruhiger Fassung geblieben , ohne Blick und Ton zu ändern ; zum erstenmal verzog sich nun sein Gesicht zum finstern , durchbohrenden Ernst , er stand auf und blickte mir scharf ins Auge . Ich muß gestehen , selbst das Funkeln seiner Gläser hatte für mich etwas Unerträgliches , Entsetzliches , ich konnte nicht weiter reden ; von innerer verzweifelnder Wut grimmig erfaßt , die geballte Faust vor der Stirn , schrie ich laut auf : » Aurelie ! « - » Was soll das , was bedeutet der Name ? « frug der Richter heftig . - » Ein dunkles Verhängnis opfert mich dem schmachvollen Tode , « sagte ich dumpf , » aber ich bin unschuldig , gewiß ... ich bin ganz unschuldig ... entlassen Sie mich ... haben Sie Mitleiden ... ich fühle es , daß Wahnsinn mir durch Nerv und Adern zu toben beginnt ... entlassen Sie mich ! « - Der Richter , wieder ganz ruhig geworden , diktierte dem Protokollführer vieles , was ich nicht verstand , endlich las er mir eine Verhandlung vor , worin alles , was er gefragt und was ich geantwortet sowie was sich mit Cyrillus zugetragen hatte , verzeichnet war . Ich mußte meinen Namen unterschreiben , dann forderte mich der Richter auf , irgend etwas polnisch und deutsch aufzuzeichnen , ich tat es . Der Richter nahm das deutsche Blatt und gab es dem Pater Cyrillus , der sich unterdessen wieder erholt hatte , mit der Frage in die Hände : » Haben diese Schriftzüge Ähnlichkeit mit der Hand , die Ihr Klosterbruder Medardus schrieb ? « - » Es ist ganz genau seine Hand , bis auf die kleinsten Eigentümlichkeiten « , erwiderte Cyrillus und wandte sich wieder zu mir . Er wollte sprechen , ein Blick des Richters wies ihn zur Ruhe . Der Richter sah das von mir geschriebene polnische Blatt sehr aufmerksam durch , dann stand er auf , trat dicht vor mir hin und sagte mit sehr ernstem , entscheidendem Ton : » Sie sind kein Pole . Diese Schrift ist durchaus unrichtig , voller grammatischer und orthographischer Fehler . Kein Nationalpole schreibt so , wäre er auch viel weniger wissenschaftlich ausgebildet , als Sie es sind . « » Ich bin in Krcziniewo geboren , folglich allerdings ein Pole . Selbst aber in dem Fall , daß ich es nicht wäre , daß geheimnisvolle Umstände mich zwängen , Stand und Namen zu verleugnen , so würde ich deshalb doch nicht der Kapuziner Medardus sein dürfen , der aus dem Kloster in B. , wie ich glauben muß , entsprang . « » Ach , Bruder Medardus , « fiel Cyrillus ein , » schickte dich unser ehrwürdiger Prior Leonardus nicht im Vertrauen auf deine Treue und Frömmigkeit nach Rom ? ... Bruder Medardus ! um Christus willen , verleugne nicht länger auf gottlose Weise den heiligen Stand , dem du entronnen . « » Ich bitte Sie , uns nicht zu unterbrechen « , sagte der Richter und fuhr dann , sich zu mir wendend , fort : » Ich muß Ihnen bemerklich machen , wie die unverdächtige Aussage dieses ehrwürdigen Herrn die dringendste Vermutung bewirkt , daß Sie wirklich der Medardus sind , für den man Sie hält . Nicht verhehlen mag ich auch , daß man Ihnen mehrere Personen entgegenstellen wird , die Sie für jenen Mönch unzweifelhaft erkannt haben . Unter diesen Personen befindet sich eine , die Sie , treffen die Vermutungen ein , schwer fürchten müssen . Ja selbst unter Ihren eigenen Sachen hat sich manches gefunden , was den Verdacht wider Sie unterstützt . Endlich werden bald die Nachrichten über Ihre vorgebliche