der Liebe . Er schritt durch ein langes hochstaudiges Rosenfeld , das die Niederlassung und Pflanzstadt von Grasmücken und Nachtigallen schien , die aus den Büschen auf die wachsenden Grasbänke hüpften und vergeblich ausliefen nach Würmchen ; und die Lerche zog oben über diese zweite Welt für die frömmern Tiere und fiel hinter den Toren in die Saaten nieder . Berausche dich immer , guter Jüngling , und kette deine Blumen so ineinander wie der Knabe , dem du zueilst ! - Nämlich oben auf dem welschen Dache , vor dessen Brustgeländer Silberpappeln von breiten Rebenblättern umgürtet spielen , und das er in der Frühlingsnacht für eine Laube in Rosen angesehen , stand einkerniger herübergebückter Knabe , der eine Dotterblumenkette niederließ und dem zu kurzen grünen Ankerseile immer neue Ringe einsteckte . » Pollux heiß ' ich , « ( versetzt ' er frisch auf Albans sanfte Frage ) » aber meine Schwester heißet Helena62 , aber das Brüderchen heißt Echion . « - » Und dein Vater ? « - » Er ist gar nicht da , er ist weit draußen in Rom ; gehe nur hinein zur Mutter Chariton , ich komme gleich . « - An welchem schönern Tage und Orte , mit welchem schönern Herzen konnt ' er in des geliebten Dians heilige Familie kommen als an diesem Morgen und mit dieser Brust ? Er ging ins helle lachende Haus , das voll Fenster und grüner Jalousieladen war . Als er in die Frühlingsstube eintrat : so fand er Chariton , ein junges , schmächtiges , fast noch jungfräulichaussehendes Weib von 17 Jahren , mit dem kleinen Echion an der säugenden Brust , sich wehrend gegen die kränklich-lebhafte Helena , die , auf einem Stuhle stehend , immer aus dem Fenster eine vielblättrige Rebenschlinge hereinzog und die Hülle um die Augen der Mutter gürten wollte . Mit zauberischer Verwirrung , da sie zugleich aufstehen , mit der Linken die belaubten Fessel ohne Zerreißen abnehmen und den Säugling tiefer verhüllen wollte , trat sie dem schönen Jünglinge gebückt entgegen , kindlichfreundlich und feurig , aber unendlich schüchtern , nicht seiner standesmäßigen Kleidung wegen , sondern weil er ein Mann war und so edel aussah , sogar ihrem Griechen ähnlich . Er sagte ihr ! mit einer zauberischen Liebe auf dem kräftigen Angesichte , die sie vielleicht nie so herrlich gesehen , seinen Namen und den ! Dank , den sein Herz ihrem Gatten aufbewahre , und Nachrichten und Grüße von diesem . Wie loderte an der furchtsamen Gestalt das unschuldige Feuer aus den schwarzen Augen ! » War denn mein Herr « ( so nannte sie ihren Mann ) » sehr gesund und froh ? « Und so fing sie jetzt , unbefangen wie ein Kind , ein langes Verhör bloß über ihren Gatten an . Pollux sprang mit seiner langen Kette herein - Alban nahm den Trank vom Doktor scherzend aus der Tasche und sagte : » Das sollst du einnehmen . « - » Soll ichs gleich aussaufen , Mutter ? « sagte der Heros . Hier erkundigte sie sich ebenso unbefangen nach dem ausführlichen Rezepte des Doktors und so lange , bis der kleine Säugling am Busen rebellierte und sie in ein Nebenzimmer über die Wiege trieb . Sie entschuldigte sich und sagte , der Kleine müsse schlafen , weil sie mit Lianen spazieren gehe , auf die sie jede Minute aufsehe . Kinder lieben kräftige Gesichter ; Alban wurde zugleich von Kindern und von Hunden geschätzt ; nur konnte er auf dem kindlichen Spielplatze nie mit der kleinen springenden Truppe agieren , wenn erwachsene Logen dabei waren . » Ich kann sehr viel « , sagte Pollux ; - » ich kann auch lesen , Herr ! « versetzte dem Bruder Helena . » Aber doch nur deutsch ; ich aber kann lateinische Briefe prächtig herlesen , du ! « erwiderte ihr das junge Männlein und lief in der Stube nach Lektüre und Leseproben umher , aber umsonst . » Mann ! warte ein wenig ! « sagte er und lief die Treppe hinauf in - Lianens Zimmer und holte einen Brief von Lianen . - - 43. Zykel Albano wußte nicht , daß Liane ordentlich das obere , so blühend beschattete Zimmer für sich innenhabe , worin sie häufig - zumal wenn die Mutter in der Stadt zurückblieb - zeichnete , schrieb und las . Die kindliche Chariton , vom Liebestranke der Freundschaft begeistert , wußte gar nicht , wie sie nur der schönen liebreichen Freundin ihr Feuer so recht zeigen konnte ; ach was war ein Zimmer ! - In dieses immer offne kamen nun die Kinder , die Liane zuweilen lesen ließ ; und so konnte jetzt Pollux aus dem einsamen den Bogen holen , den sie an diesem Morgen geschrieben . Als Albano während des Holens so allein im Wohnzimmer des fernen Jugendfreundes neben dessen stiller , blasser Tochter saß , die bald auf ihn , bald auf eine ihm noch aus Lianens Morgenzimmer bekannte Spiel-Schäferei hinsah - als das Morgenwehen durchs kühle Fenster das herrliche Getümmel hereintrieb - besonders als im lichten Ausschnitte des Fußbodens die sinesischen Schatten des Wein- und Pappellaubes sich ineinander kräuselten - und als endlich Chariton den Säugling mit einem eiligern lautern Wiegenliede einsang , das ihm tönte wie ihr nachhallender Seufzer nach dem schönen Jugendlande : so wurd ' ihm das volle , vom ganzen Morgen angeregte Herz so wunderbar und - besonders durch das wankende Schattengefecht - fast bis zum Weinen bewegt ; und das Kind blickt ' ihm immer bedeutender ins Gesicht . Da kam Pollux mit seinen beiden Quartblättern zurück und setzte sich nun selber auf seine Leseprobe . Schon die erste Seite komponierte zu Albans innern Liedern die Melodie ; aber er erriet weder die Verfasserin noch das Datum des Briefes , außer später durch ein hin- und herspringendes Lesen . Die Blätter gehörten zu vorigen - nicht einmal Streusand bezeugte ihre junge Geburt ( denn Liane war zu