die große Puppe , die grad auf der Wiese lag , und wie der Blitz wieder in seine Kutsche hinein und heidi vorwärts über den Sturzacker und die Stoppelfelder , immer grad aus bis England . « Ich tat noch allerlei Fragen , alles indessen , was sie mir antwortete , war eigentlich nur Wiederholung . Es zeigte sich deutlich , daß die Geschichte von dem Briefwechsel und dem Duell , und mehr noch die Geschichte von der Entführung der kleinen Miß Elliot einen Eindruck auf sie gemacht hatte ; der Rest aber war vergessen oder blieb im Dunkel . Eine Stunde später schied ich von Hoppenrade , fest entschlossen , das Dunkel nach Möglichkeit zu lichten . Aber es wollte nicht glücken . Die Memoiren aus jener Zeit , soweit sie mir damals bekannt und zugänglich waren , ließen mich im Stich , und die Rheinsberger Gegend , in der im allgemeinen die Prinz-Heinrich-Traditionen immer noch frisch und lebendig sind , gewährte mir fast noch weniger , als die Prinz-Hein rich-Literatur . Ich gab es schließlich auf und hatte meinen ersten Besuch in Hoppenrade fast schon vergessen , als ein glücklicher Zufall mich erfahren ließ , daß auf einem alten Knyphausenschloß , und zwar auf Schloß Lützburg in Ostfriesland , eine Familienchronik existiere , darin sich in bezug auf Elliot und Knyphausen alles finde , was ich nur irgendwie wünschen könne . Die Reise dahin schob sich jedoch abermals hinaus , bis ich schließlich für alles Warten und alle Mühe reichlich belohnt wurde . Was ich in folgendem gebe , besonders in den mittleren Kapiteln , ist zu wesentlichem Teile der erwähnten Lützburger Chronik entnommen . Andres stammt aus Briefen und Prozeßakten , noch andres aus den mir erst neuerdings zu Händen gekommenen Thiébaultschen » Souvenirs « . Auch in Hoppenrade selbst habe ich noch allerlei kleine Züge für diesen Aufsatz und seine Heldin einzusammeln vermocht . So viel zur Einleitung . Ich beginne nunmehr damit , über das bisher nur andeutungsweis Gesagte hinaus , in nachstehendem festzustellen , wer die Krautentochter und was das Krautenerbe war . 2. Kapitel 2. Kapitel Wer war die Krautentochter ? Und was war das Krautenerbe ? Es ist also von der Krautentochter und dem Krautenerbe , das ich in nachstehendem erzählen will . Aber das Krautenerbe ( der wahre Nibelungenhort in dieser Geschichte ) war eher da , weshalb ich mit ihm beginne . Was war das Krautenerbe ? Das Krautenerbe , das eigentlich ein Bredowerbe war , umfaßte das in der Südostecke des jetzigen Kreises Ruppin gelegene , mit einzelnen Begüterungen auch in den uckermärkischen Kreis Templin übergreifende » Land Löwenberg « . Dies aus drei Hauptteilen , aus dem eigentlichen Löwenberg , aus Liebenberg und drittens und letztens aus Hoppenrade bestehende » Land Löwenberg « gehörte seinerzeit den Bischöfen von Brandenburg und wurde von einem derselben , unter gleichzeitiger Ausstellung einer Belehnungsurkunde , dem Hans von Bredow aus der Friesacker Linie verkauft . Das war 1460 . Von dieser Zeit an ( 1460 ) war das Land Löwenberg etwa hundertundfünfzig Jahre lang in unausgesetztem Besitze der Bredows . Sie gingen bei den Bischöfen von Brandenburg und später , nach der Säkularisation , bei dem Landesherrn zu Lehn . Erst im siebzehnten Jahrhundert änderten sich diese Verhältnisse . Kurz vor dem Dreißigjährigen Kriege kam das eigentliche Löwenberg und kurz nach demselben auch Liebenberg in fremde Hände , so daß , von etwa 1652 ab , die Bredows an eben dieser Stelle nichts anderes mehr besaßen , als den verhältnismäßig kleinen Anteil Hoppenrade . So verblieben die Dinge geraume Zeit , bis der Abschluß einer reichen Heirat einen plötzlichen Wandel zum Guten und fast bis zur Wiederherstellung ehemaligen Glanzes schaffte . Dies war 1715 . In diesem Jahre vermählte sich Joachim Heinrich von Bredow , Dompropst zu Havelberg , Erb- und Lehnsherr auf Hoppenrade , mit Konstanze Amalie Sophie von Kraut , Tochter des Geheimen Finanzrats und Nichte des Ministers von Kraut , und gelangte dadurch in den Besitz eines so bedeutenden Vermögens , daß der Rückkauf des eigentlichen Löwenberg , das stets den Hauptteil des sogenannten » Landes Löwenberg « ausgemacht hatte , stattfinden konnte . Von diesem Zeitpunkt ( 1724 ) an , war » Land Löwenberg « – mit alleiniger Ausnahme der ein für alle mal abgetrennten Liebenberger Anteile – wieder in Bredowschen Händen , und nur in einem wichtigen Punkte hatten sich die Verhältnisse geändert : aus dem großen Löwenberger Anteil , i.e. Loewenberg proprium , war , infolge der Verkaufs- und Rückkaufsprozeduren , ein seiner ehemaligen Lehnsguts-Eigenschaften entkleideter Besitz geworden , aus welcher immerhin wichtigen Umwandlung das resultierte , daß das gesamte » Land Loewenberg « nunmehr einen gemischten , juristisch und erbrechtlich ungleichen Güterkomplex darstellte , dessen kleinerer Teil , Hoppenrade , Lehnsgut geblieben , dessen größerer Teil aber , das eigentliche Löwenberg , Allod oder ein frei verfügbarer Besitz geworden war . Aus dieser , allem Anscheine nach , damals als gleichgültig oder wenigstens unwichtig angesehenen erbrechtlichen Verschiedenheit , ergaben sich , wie wir im weiteren ersehen werden , arge Verwicklungen , in betreff deren freilich anerkannt werden muß , daß sie vielleicht ausgeblieben wären , wenn die Verhältnisse dem gesamten » Löwenberger Land « oder , was dasselbe sagen will , dem großen Bredowerbe gestattet hätten , ein Bredowerbe zu bleiben . Die Verhältnisse führten aber umgekehrt zu dem Versuche ( der denn auch glückte ) , das Bredowerbe durch Testamentsbeschluß in ein Krautenerbe zu verwandeln . Uns aber erübrigt es nunmehr , in nachstehendem zu zeigen , worin die direkte Veranlassung zu solcher Umwandlung lag . Die Veranlassung dazu lag in einem häuslichen Unglück , von dem sich das dompröpstlich Bredowsche Paar , nachdem demselben zwei Söhne geboren worden waren , betroffen sah . Beide Söhne wurden geisteskrank , und als sich nach längerer Zeit ihre Geisteskrankheit als unheilbar herausstellte , war für die Dompröpstin von Bredow , geborene von Kraut , die Notwendigkeit gegeben , über das Erbe , das von ihren