aber gehört er in seiner für märkische Verhältnisse merkwürdigen Mischung von finanzlicher und philosophischer Spekulation , von Pfadfinder und Sokrates , von Diogenes und Lukull , zu den interessantesten Figuren , die mir auf meinem Lebenswege begegnet sind . 7. Kapitel 7. Kapitel Rückblick Wir nehmen Abschied von Schloß Plaue , das der Wandlungen durch ein halbes Jahrtausend hin so viele sah : Georg von Waldenfels erhob den kurfürstlichen Brückenzoll und der alte Zollwächter Gerimsky jagte , vierhundert Jahre später , den Handwerksburschen auf seinem Klepper nach und nahm ihnen als Pfand die Mütze vom Kopf ; Friedrich von Görne schuf das Plauer Porzellan und Wilhelm von Anhalt tanzte Contre und Kegelquadrillen und ließ die Stadt Plaue durch den Nachtwächter als Dorf ausrufen . Dann kamen die Königsmarcks und gründeten ihrem Ruhm ein Ruhmesmuseum , und beinah gleichzeitig erschien K. F. Wiesike dem Schlosse gegenüber und schuf an eben der Stelle , wo die » große Büchse « gestanden hatte , das unfruchtbare Sand- und Sumpfland in ein Garten – Eden um und machte seine Studierstube zur Kultusstätte für Hahnemann und Schopenhauer . Aber alles ist vergessen oder wird vergessen sein , wenn die Geschichte noch immer von dem Ersten an dieser Stelle , von Johann von Quitzow erzählt , der den Mecklenburger Herzog in das Burgverlies warf und den das Wiehern seines Rosses verriet , als er sich auf der Flucht im Havelröhricht verbergen wollte . Das Kleine vergeht , das Große bleibt . Denn ein Großes war es , als unter dem Hinschwinden einer willkürübenden Adelsmacht die Gesetzlichkeit hier einzog und mit dieser Gesetzlichkeit eine neue Zeit begründete . Hoppenrade 1. Kapitel 1. Kapitel Erster Besuch in Hoppenrade . Die Legende von der Krautentochter Es sind jetzt zwanzig Jahre , daß ich , gleich bei Beginn meiner Arbeiten über Ruppin und Rheinsberg , zum ersten Male nach Hoppenrade kam . Ein Freund , der es schon oberflächlich kannte , hatte für jenen Tag die Führung übernommen , und nicht ohne Neugier und Erregung war es , daß ich nach dem » verwunschenen Schlosse « hin aussah , als wir in unserer hin- und herschwankenden und noch altmodisch in C-Federn hängenden Halbchaise die große Rüsterallee hinauffuhren . Aber der Gegenstand unserer Neugier verbarg sich bis zuletzt , und wurd ' erst sichtbar , als wir unmittelbar vor ihm hielten . Er lag da wie herrenloses Eigentum . » He , Holla ! « Und der Kutscher knipste begleitend mit der Peitsche . Niemand aber kam uns zu begrüßen , freilich auch niemand uns den Zutritt zu wehren , und so halfen wir uns denn schließlich selbst , öffneten die nur angelegte Tür und stiegen an einer mit Silber und Schildpatt ausgelegten alten Fluruhr vorbei , die breite , flachstufige Treppe hinauf , deren schöngeschnitztes und noch wohlerhaltenes Geländer uns auf den Reichtum hinwies , der dies alles einst ins Leben gerufen . Auf den Reichtum und den guten Geschmack . Und nun waren wir oben und gingen von Zimmer zu Zimmer . Alle standen auf , und in jedem einzelnen erkannten wir immer wieder dasselbe Durcheinander von Glanz und Verfall , das uns schon unten im Erdgeschoß entgegengetreten war . Überall Deckenbilder und Holzgetäfel , Supraporten und Ledertapeten , aber dazwischen Spinnweb und abgefallener Kalk oder im unausgesetzten Sonnenbrand trüb und buntglasig gewordene Fensterscheiben , aufgerissene Dielen und durchgeregnete Stellen an Fries und Decke . Ganz zuletzt erst kamen wir in einen großen saalartigen Raum , durch den die Drähte verschiedener Klingelzüge gezogen waren , aber die Drähte hatten ihre Spannung verloren und hingen entweder schlaff und schräg an der Wand hin oder lagen einfach am Fußboden entlang . Einige Neugierige , die hier vor uns ihren Besuch gemacht haben mochten , hatten sich drin verfitzt und auf die Weise das Bild der Unordnung und Wirrnis nur noch gesteigert . In eben diesem Saale lag auch eine tote Schwalbe , die mutmaßlich durch den Rauchfang gekommen war und den Ausgang nicht hatte finden können . Ich fragte , wer das alles gebaut und bewohnt habe ? Der Freund aber zuckte mit den Achseln und setzte zu vorläufigem Troste hinzu : » Vielleicht , daß wir ' s unten von den Wänden lesen . « Und damit stiegen wir wieder treppab und gingen ein paar lange Korridore hinunter auf einen entfernteren Schloßflügel zu , darin sich die Schloßkapelle befinden sollte . Hier aber , während im oberen Stock alles aufgestanden hatte , fanden wir die Türe sorglich geschlossen , und mußten , im Fall uns wirklich an einem Einblicke lag , einen Meier oder Verwalter oder sonstigen Majordomus von Schloß Hoppenrade zu finden suchen . Und wir fanden ihn auch in Gestalt eines auf einer Parkwiese mit Grasmähen beschäftigten Tagelöhners , der sich schließlich , nach einigem Parlamentieren , mit jener dem Märker eigentümlichen Mischung von Geneigtheit und Abgeneigtheit bestimmen ließ , uns ins Schloß zu folgen und die Kapellentür aufzuschließen . Die Kapelle selbst hatte den Umfang und fast auch das Ansehen eines Rokokosaales . Pfeiler und Decke waren weiß und golden und reiche Stuckornamente dazwischen . Unmittelbar über dem Altar befand sich die Kanzel , was auf Calvinismus deutete , sonst aber erschien alles katholisch und zwar katholisch im zopfigsten Jesuitenstil , am meisten ein paar schrankartige , schräg ins Eck gebaute Chorstühle , die mit ihrem Gitterwerk und einem dahinter angebrachten Sitzplatze genau wie Beichtstühle wirkten . Ein elfenbeinernes , anscheinend italienisches Kruzifix steigerte noch diesen Eindruck und wenn nicht das Kruzifix selbst , so doch der Ebenholzkasten , auf dem es stand , in dem nach Reliquienart ein Stückchen Seidenzeug lag mit einem Pergamentstreifen daran und der Inschrift : » De vestemento Mariae . « Dicht hinter dem Kruzifix mündete von oben her der konsolartige Kanzelfuß und an eben dieser Stelle war auch ein Doppelwappen angebracht , eines davon das Bredowsche . Sonst fand sich nichts , was ein Interesse hätte wecken können , ausgenommen ein Deckenbild in der Sakristei , das zu dem Calvinistischen und