Kritik der Krauseschen Schriften cirka im Juli 1841 . Wenigstens könnten Sie daraus die Wahrheit muthmaßen , daß ich nämlich Einer bin dem großes Unrecht geschieht ( worunter Sie mitgelitten haben ) und daß ich es einmal überwinden werde . « Dann im weiteren Verfolge : » Wenn Sie sich zu einer zweiten Auflage entschließen , erbiete ich mich , falls Sie es für nöthig erachten , allem Honorar für beide Bände zu entsagen . Wahrlich keine Kleinigkeit . Aber mir liegt daran , die Wirksamkeit meiner Mühen zu erleben , und glauben Sie mir , das sind die echten Autoren , die so denken , und nicht sind es die auf Gewinn gerichteten . Im Falle Sie sich also dazu entschließen , werde ich an den vier Büchern des ersten Bandes nur wenige und nicht bedeutende Verbesserungen anbringen , hingegen den Anhang , welcher die Kritik der Kantschen Philosophie enthält , durch größere Änderungen und manche Zusätze um etwa einen Bogen vermehren . Ich kann Ihnen nur sagen , daß mein Buch nicht , wie die meisten , ein bloßes Scheinbuch , sondern ein wirkliches Buch ist , d.h. ein solches , welches bleibenden Werth hat , daher lange bestehen und viel Auflagen erleben wird , obgleich ich wohl weiß , daß Sie mir das nicht glauben werden . Am Ende kann es Ihnen auch gleichgültig sein . Denn Ihre Sache ist der Debit der nächsten Jahre und daß der rasch gehe , kann ich Ihnen nicht garantiren , sondern nur das Eine , daß , wenn es daran fehlt , dies nicht die Schuld des Buches , sondern des Publikums sein wird . « Und zum Schluß : » Dieser zweite Theil ist bei weitem wichtiger , als der erste und übertrifft ihn an Gründlichkeit und Reichthum der Kenntnisse unendlich , eben weil er die Frucht fünfundzwanzigjährigen Studiums und Nachdenkens und der reiferen Jahre ist . Mein System , welches der erste Band im Umriß giebt , tritt hier in der Vollendung auf , die ihm nur das Nachdenken und der Fleiß eines ganzen damit zugebrachten Lebens geben konnte . Denn , wenn in der ersten , noch unvollendeten Erscheinung desselben , nur Einzelne die Wichtigkeit und den Werth erkannt haben und es bei dem Gewirre der materiell interessirten Parteien nicht durchdringen konnte , so dürften wir doch hoffen , daß es jetzt in seiner vollendeten Gestalt und bei der schon eingetretenen Entlarvung der bloßen Spiegelfechtereien , endlich durchdringen wird . « So der Brief . All dies , ursprünglich in einer lesbaren Handschrift geschrieben , ist nichtsdestoweniger , und zwar um der fünf- und sechsfachen , an allen nur erdenklichen Stellen angebrachten Korrekturen willen , überaus schwer zu entziffern . Alle möglichen Zeichen stehen in seinem Dienst , Bojen oder Signallaternen , die den Weg zeigen sollen , aber so zahlreich sind , daß sie mehr verwirren als orientieren . Vielleicht der interessanteste dieser vier an Brockhaus beziehungsweise an die Brockhaussche Druckerei gerichteten Briefe , ist der , der die Überschrift trägt » An meinen Setzer « . Derselbe ( spezifisch schopenhauersch ) lautet : » Mein lieber Setzer . Wir verhalten uns zu einander wie Leib und Seele , müssen daher , wie diese , einander unterstützen , auf daß ein Werk zu Stande komme , daran der Herr ( Brockhaus ) Wohlgefallen habe . Ich habe hierzu das Meinige gethan und stets , bei jeder Zeile , jedem Wort , ja jedem Buchstaben , an Sie gedacht , ob Sie nämlich es auch würden lesen können . Jetzt thun Sie das Ihre . Mein Manuskript ist nicht zierlich , aber sehr deutlich , auch groß geschrieben . Die viele Überarbeitung und fleißige Feile hat viele Korrekturen und Einschiebsel herbeigeführt , jedoch Alles deutlich und mit genauester Hinweisung auf jedes Einschiebsel durch Zeichen , so daß Sie hierin nie irren können , wenn Sie nur recht aufmerksam sind und mit dem Vertrauen , daß Alles richtig sei , jedes Zeichen bemerken und sein entsprechendes auf der Nebenseite suchen . – Beobachten Sie genau meine Rechtschreibung und Interpunktion und denken Sie nie , Sie verstünden es besser : ich bin die Seele , Sie der Leib . – Habe ich , am Ende der Zeile , die in die Nebenseite hineingehenden Zusatzworte durch einen Haken der Zeile angeschlossen , so hüten Sie sich , solche für unterstrichen zu halten ! – Was mit lateinischen Buchstaben geschrieben , in eckigen Klammern eingeschlossen steht , sind Notizen für Sie allein bestimmt . – Wo Sie eine Zeile ausgestrichen finden , sehen Sie wohl zu , ob nicht doch ein Wort derselben stehen geblieben sei und überall sei das Letzte was Sie denken oder annehmen dieses , daß ich eine Nachlässigkeit begangen hätte . – Manchmal habe ich ein fremdartiges Wort , das Ihnen nicht geläufig wäre , am Rande , auch wohl zwischen den Zeilen mit lateinischen Buchstaben wiederholt und in einige Klammern geschlossen . Bedenken Sie , wenn die vielen Korrekturen Ihnen beschwerlich fallen , daß eben infolge derselben ich nie nöthig haben werde , auf dem gedruckten Korrekturbogen noch meinen Stil zu verbessern und Ihnen dadurch doppelte Mühe zu machen . Ich setze gern doppelte Vokale und das den Ton verlängernde h , wo es früher Jeder setzte . Ich setze nie ein Komma vor denn , sondern Kolon oder Punkt . – Ich schreibe überall ahnden , nie ahnen . – Ich schreibe › trübsälig , glücksälig ‹ usw. , auch › etwan ‹ , nie › etwa ‹ . Theilen Sie diese Ermahnung dem Korrektor mit . Ich wünsche , daß oben auf den Seiten die Überschrift des jedesmaligen Buches und Kapitels fortlaufend angegeben stehe , z.B. auf der Seite zur Linken : › Viertes Buch , Kap . 43. ‹ , auf der zur Rechten : › Erblichkeit der Eigenschaften ‹ u.s.f. Bloß das erste Buch ( nicht die andern ) zerfällt in zwei Hälften , die nicht gerade durch ein Titelblatt gesondert zu