ihn überhaupt unnötig machte . Zugleich erwarb er viel von dem , was sonst noch den Schopenhauerschen Nachlaß ausmachte , darunter Manuskripte , Bücher und ein großer , schwer vergoldeter Pokal , der dem Frankfurter Philosophen , bei Gelegenheit seines siebzigsten Geburtstages , von seinen Verehrern überreicht woren war . Unter diesen Verehrern hatte Wiesike mit seiner Beisteuer derart vorangestanden , daß wohl gesagt werden darf : » diese Verehrer waren er « , und so kam es denn , daß Wiesike den Pokal zweimal zu bezahlen hatte , erst als er ihn schenkte und zweitens als er ihn aus dem Nachlasse zurückerwarb . Über die Bücher – eine ganze Bibliothek von Werken , die sich sämtlich mit Schopenhauer und seiner Philosophie beschäftigten – ist an dieser Stelle wenig zu sagen , aber der damals noch vorhandenen Manuskripte muß hier ausführlicher Erwähnung geschehen . Das umfangreichste darunter bestand aus einhundertdreiundvierzig großen Blättern zum zweiten Bande der zweiten Auflage seines berühmten Werkes : » Die Welt als Wille und Vorstellung « , zugleich mit Inhaltsverzeichnis und Vorrede für das Ganze . Des weiteren gehörten zu diesen Manuskripten ein langer , essayartiger , an Sir Charles Eastlake , den Direktor der Londoner Kunstakademie , gerichteter Brief . Dieser Brief behandelt die Goethesche Farbenlehre und beginnt : » Sir . Allow me to hail and to cheer You as the propagator of the true theory of colours into England and as the translator of a work , which occupied its authors thoughts , during all his lifetime , far more , than all his poetry , – as his biography and memoirs amply testify . As to myself J am G ' .s personal scholar and first publicly avowed proselyte in the theory of colours . In the year 1813 and 14 he instructed me personally , lent me the greater part of his own apparatus and exhibited the more compound and difficult experiments himself to me . Accordingly You will find me mentioned in his : › Tag- und Jahreshefte ‹ under the year 1816 and 1819 . « Also in Übersetzung etwa : Gestatten Sie mir , hochgeehrter Herr , Sie als Verbreiter der richtigen Farbenlehre in England zu begrüßen , zugleich auch als den Übersetzer eines Werkes , das die Gedanken seines Autors mehr als alle seine poetischen Arbeiten ( wie seine biographischen Aufzeichnungen bezeugen ) beschäftigte . Was mich selbst angeht , so bin ich Goethes persönlicher Schüler und der erste , der sich , als ein Bekehrter , öffentlich zu seiner Farbentheorie bekannte . In den Jahren 1813 und 1814 unterwies er mich persönlich darin , lieh mir einen großen Teil seiner Apparate und erklärte mir die komplizierteren und schwierigeren Experimente . So werden Sie denn auch , hochgeehrter Herr , meiner in den » Tag- und Jahresheften « von 1816 und 1819 erwähnt finden . So interessant dieser essayartige Brief in seinem weiteren Verlaufe ist , so wird er an Interesse doch übertroffen von vier andern an Brockhaus , Firma und Druckerei , gerichteten Briefen beziehungsweise Briefentwürfen . Der erste derselben , in dem der Verfasser immer neue Anläufe nimmt ( was dann selbstverständlich zu Wiederholungen führt ) , lautet im wesentlichen wie folgt : » An Friedrich Brockhaus . Ew . Wohlgeboren werden es ganz in der Ordnung finden , daß ich mich zunächst an Sie wende , da ich den zweiten Band der › Welt als Wille und Vorstellung ‹ , den ich so eben vollendet habe , herauszugeben beabsichtige . Hingegen mag es Sie wundern , daß ich diesen erst nach einem Zeitraum von vierundzwanzig Jahren auf den ersten Band folgen lasse . Die Ursache ist jedoch ganz einfach diese , daß ich nicht früher fertig geworden bin , obwohl ich alle jene Jahre hindurch wirklich unausgesetzt daran gearbeitet habe , indem ich fortwährend die Gedanken niederschrieb und berichtigte , welche nun , in einer für das Publikum passenden Form , in diesem zweiten Bande von mir höchst sorgfältig und con amore dargestellt worden sind . Länger wollte ich es nicht anstehen lassen , abgesehen , daß ich so eben mein fünfundfünfzigstes Jahr zurückgelegt habe , ( wonach der Brief 1843 geschrieben sein muß ) , also in einem Alter stehe , wo schon das Leben anfängt , ungewisser zu werden , und selbst wenn ich noch lange leben sollte , ich alsdann darauf gefaßt sein muß , daß meine Geisteskräfte nicht die volle Energie behalten werden , in der sie jetzt noch stehn . Ich habe wirklich , unter beständigem Arbeiten an diesem Bande , die Schwelle des Alters erreicht , was ich freilich nicht voraussah . Aber was lange bestehen soll , braucht lange Zeit zum Werden und meine persönliche Wohlfahrt war nicht dabei betheiligt noch bezweckt . « Hier folgen nun einige undeutliche Stellen . Dann fährt Schopenhauer fort : » Schon 1835 hatten Sie nur wenige Exemplare übrig ; es kann also unmöglich viel mehr da sein . Ich wünsche sehnlichst , vor meinem Ende mein Werk in einer vollständig korrekten und würdigen Ausgabe zu sehen und es so zurückzulassen . Denn man wird gegen mich nicht immer so ungerecht sein , wie jetzt . Ich weiß , daß durch das planmäßig durchgeführte Sekretieren meiner Schriften , durch Schweigen darüber von Seiten der Professoren , deren Scheinphilosophie neben meiner ernstlich gemeinten nicht bestehen kann , auch Sie haben leiden müssen . Aber auf die Länge wird es nicht gehn . Es sollte mich wundern , wenn von den vielen Gelehrten Ihrer Bekanntschaft nicht Einer Sie über den wahren und verkannten Werth meiner Schriften aufgeklärt haben sollte . Einzelne starke Äußerungen darüber sind auch öffentlich gemacht worden , so z.B. in Rosenkranz ' Geschichte der Kantschen Philosophie , desgleichen in einem Aufsatz im › Pilot ‹ Mai 1841 : › Jüngstes Gericht über die Hegelsche Philosophie ‹ , sogar in den Halleschen Jahrbüchern ( denen ich doch als der stärkste Verdammer der Hegelei todt verhaßt bin ) und zwar in der