dem als Reichstagsabgeordneten vielgenannten und vielgefeierten Oberbürgermeister Ziegler , dem er , bis an das Ende seiner Tage , mehr ein Interesse als eine besondere Bewunderung entgegenbrachte . Schulkameraden kennen sich zu gut , um gegenseitig an einen Glorienschein recht glauben zu wollen . Noch berühmtere haben das erfahren müssen . K. F. Wiesikes Knaben- und Jünglingsjahre verliefen durchschnittsmäßig ; er war ein guter Schüler , ohne sich gerade hervorzutun , lernte die Handlung im Hause seines Vaters und ging dann nach Berlin , um daselbst in das bekannte Heylsche Geschäft , an der Ecke der Leipziger- und Charlottenstraße , einzutreten . Hier las er viel , studierte und musizierte ( seine Gabe für Musik war hervorragend ) und kehrte Anfang der zwanziger Jahre nach seiner Vaterstadt zurück , woselbst er bald danach , 1823 wenn ich nicht irre , das dem Schloß Plaue gegenübergelegene , trotz der weiten Entfernung aber zu Stadt Brandenburg gehörige Wiesenterrain pachtete . Frühere Pächter waren hier gescheitert , weil diese beständig der Havelüberschwemmung ausgesetzte » Wische « nur zu zwei Prozent rentiert hatte . K. F. Wiesike ließ sich aber diese Dinge , die man ihm warnungshalber erzählte , wenig anfechten , begann vielmehr sofort mit Drainierungen und Eindeichungen und schritt , nachdem er seinen Besitz auf diese Weise sichergestellt hatte , des weiteren dazu , ihn für die Zukunft auch fruchtbar zu machen . Zu diesem Behufe schloß er mit den Kasernenverwaltungen der Potsdamer Kavallerieregimenter Kontrakte ab und ließ den Dünger in großen Havelkähnen heranfahren . Daß dies alles von den Um- und Anwohnern Plaues als weggeworfenes Geld , als Übermut und Unsinn bezeichnet und belacht wurde , bedarf selbstverständlich keiner Versicherung . Wann wär ' es anders gewesen ? Das Lachen aber war bald auf Wiesikes Seite . Hand in Hand mit den Meliorationen ging ein Ziegeleibetrieb und Torfstich , wozu das ziemlich ausgedehnte Terrain ebenfalls das Material hergab , und ehe die vierziger Jahre heran waren , er wiesen sich halb unwirtbare Strecken , die seit Menschengedenken für so gut wie wertlos gegolten hatten , als ein wertvoller Besitz . 1844 löste Wiesike den auf dem Grund und Boden lastenden Kanon ab und hatte vier Jahre später ( 1848 ) infolge veränderter Gesetzgebung das Glück , das bis dahin bloß in Erbpacht gehabte Stück Land sich als freies Eigentum zufallen zu sehen . K. F. Wiesike selbst aber ließ , als seine Bemühungen bis zu diesem Punkte gediehen waren , nach Vorbild des Königs von Thule » alles seinen Erben « und spann sich , von etwa 1853 an , immer fester in das schon erwähnte , primitive Wohnhäuschen ein , von dem aus er , durch alle zurückliegenden dreißig Jahre hin , seine Meliorationen unternommen hatte . Da saß er nun , weltabgeschieden , und begann als ein Fünfundfünfzigjähriger – der sich übrigens längst vorher mit der 1808 zu Berlin ( Breitestraße ) geborenen Julie Tannhäuser verheiratet hatte – sein eigentliches Leben , ein Leben , das von diesem Zeitpunkt an nur noch drei Dingen gewidmet war : der Schöpfung eines Parks , der Homöopathie Hahnemanns und der Philosophie Schopenhauers . Zunächst der Park . Wiesike fing um das genannte Jahr ( 1853 ) an , sich in die Schönheit der Natur liebevoll zu versenken , was doch wieder etwas anderes war , als das Urbarmachen von Sand und Sumpf zu rein praktischen Zwecken . Ein den Boden bestellender Landmann ist in vielen Stücken mehr als ein Gärtner , aber das Verhältnis , in das der letztere zur Natur tritt , ist doch ein intimeres : er nimmt jeden Zoll breit Erde in Pflege und während in der Landwirtschaft das Einzelne und Kleine wenig bedeutet , bedeutet es in der Gartenbeschäftigung alles . Das Terrain , auf dem jetzt , Schloß Plaue gegenüber , ein Park entstehen sollte , war das denkbar schlechteste , der findige Kopf aber , der an eben dieser Stelle fruchtbare Ländereien und schließlich ein Freigut herzustellen gewußt hatte , konnte bei dem vergleichsweise Leichteren , das jetzt vorlag , nicht wohl scheitern . Erde wurde herangefahren , ein Wasserturm errichtet , Hecken und Gräben gezogen , und siehe da , ehe ein Jahrzehnt um war , gab es hier Anlagen mit Rondellen und Schlängelwegen , mit Rosen- und Verbenenbeeten und auf demselben Ufervorsprunge , wo , 1414 , neben der » großen Büchse « die zu schleudernden Steinkugeln gelegen hatten , lagen jetzt Melonen oder reiften Reinetten und pfundschwere Birnen an dem am Boden sich hinziehenden Spalier . Dazwischen standen Pfirsich- und Aprikosenbäume und in den Flieder- und Goldregenbosketts schlugen die Nachtigallen . Alsbald lagen sich Schloß Plaue und die zur » Villa Wiesike « umgewandelte ehemalige Lehmkate gegenüber , und wenn das eine lange Front bildende Schloß durch den Blick auf das Idyll und seine Gartenanlagen gewann , so gewann das Idyll durch den Blick auf das Schloß mit seinen in der Sonne blinkenden Fensterreihen und seinen historischen Erinnerungen . So viel über die Schöpfung eines Parkes . Nebenher aber lief , wie schon angedeutet , des alten Wiesike Beschäftigung mit der Homöopathie , zu deren begeisterten Anhängern er freilich schon um viele Jahre früher gehört hatte , jedenfalls früh genug , um bei Schilderung dessen , was er auf diesem Gebiete tat , fast bis auf die Tage seines ersten Erscheinens in Plaue zurückgreifen zu müssen . Schon in den zwanziger Jahren entschloß er sich , gleichviel ob um Heilungs oder Unterweisungs willen , eine Reise nach Köthen , dem damaligen Wohnsitze Hahnemanns , zu machen und kehrte von diesem Ausfluge nicht nur als ein enthusiastischer Anhänger , sondern auch als ein ausübender Adept der neuen Lehre zurück . Die Kunde davon drang in alle Kreise , namentlich zu den Armen ( denn alles war unentgeltlich ) und Haus Wiesike wurde nunmehr ein Wallfahrtsort für die Kranken und Gebrechlichen des Havellandes , die zu vielen Hunderten kamen und auf Flur und Treppenstufen und , als ihrer immer mehr wurden , auch wohl im