werden ... Indem öffnete sich die Thür und aus dem Empfangssalon trat die kleine Fürstin , in glänzend outrirter Toilette ; Lucinde , nicht minder gewählt gekleidet ; die Schwiegermutter , eine noch immer anziehende , jedenfalls gefallsüchtige Frau ; Herzog Pumpeo , der für ihren Liebhaber galt ; hinter ihnen zwei junge elegante , wohlfrisirte Prälaten ; zuletzt auch Graf Sarzana ... Alle schienen überrascht zu sein , die Herzogin zu finden ... Sie wollten sogleich , Olympia ausgenommen , wieder zurück ... Sie hatten die Herzogin nicht anwesend vermuthet oder thaten wenigstens so ... Olympia hielt sie jedoch fest , schritt weiter , achtete nicht im mindesten auf die am Tisch beim Sopha erstaunt Verharrende , sondern rief , das Zimmer durchschreitend : Hierher würd ' ich rathen , von jetzt an das Eßzimmer zu verlegen ... Oeffnen wir diesen Balcon , so hat man das beste , was dieser alberne Garten bieten kann , etwas Kühle ... Chrysostomo ! Wir nehmen hier ein Frühstück ! Setzen Sie sich , Lucinde ! ... Graf , Sie werden hungrig sein ! Kommen Sie doch ! Wir sind ja , denk ' ich , bei uns ! ... Mit Widerstreben und in offenbar ungekünstelter Verlegenheit war Graf Sarzana gefolgt , hatte sich stumm der Herzogin , die hier nicht mehr wohnhaft geglaubt wurde , verbeugt und trat in das Balconzimmer zu den übrigen , die unterdrückt kicherten - Lucinde ausgenommen , die von einem der Prälaten geführt wurde und scheu zur Erde blickte ... Die junge Fürstin , die kaum bis zum Thürdrücker , einem schönen bronzenen Greifen-Flügel , reichte , warf zornig die Thür zu ... Im ersten Augenblick hätte die Herzogin ihr nachspringen und sie zerreißen können ... Viper , Schlange , Basilisk ! zitterte es auf ihren Lippen ... Die Worte erstickten ... Sie hatte in diesem Augenblick keine andere Waffe , als ein lautes , gellendes Lachen ... Hahahaha ! schallte es nebenan zur Antwort ... Olympia erwiderte in gleichem Tone ... Dabei klirrten Gläser , Messer , Gabeln ... Olympia hatte hieher ein Frühstück beordert ... Der Mohr Chrysostomo wollte ihr durch eine andre Thür folgen ... Schon trug er ein Plateau voll Gläser und silberner Gefäße ... Die Herzogin ergriff wenigstens diesen und warf ihn zur Thür hinaus ... Dann schloß sie sämmtliche Thüren so hastig , als fürchtete sie , ermordet zu werden ... Nebenan lachte und sprach Olympia mit gellender Stimme fast immer allein ... Sie that wie jemand , der hier noch zu Hause war ... Demnach wurde die Herzogin , da sie nicht von selbst ging , zum Hause hinausgeworfen ... Hatte Olympia vielleicht erfahren , wer Benno war ? ... Verdankte die Herzogin diese Demüthigung Lucinden ? ... War diese wirklich in ihr Leben eingedrungen oder woher dieser plötzliche Angriff , diese Scene ohne jede Vorbereitung ? ... Die Herzogin besann sich , daß Olympia dergleichen Stücke auch ohne alle Veranlassung auszuführen liebte ... Es konnte ein momentaner Einfall sein ... Sie hatte sich wahrscheinlich für einige Tage mit ihrer Schwiegermutter ausgesöhnt , hatte von dieser vielleicht eine Anerkennung für einen neuen pariser Kleiderstoff gefunden ; daher ein gemeinschaftlicher » Carnevalsspaß « auf Kosten einer Person , » die der Lächerlichkeit zu verfallen « anfing ... Die Herzogin weinte ... Sie dachte an die Jahre , die sie an dies Wesen dahingegeben , an die sorgenvollen Stunden , wenn Olympia krank gewesen ... Sie hätte , da sie deren Natur entschuldigen und Ceccone dafür verantwortlich machen mußte , diesem an den Hals fahren und ihn erwürgen können ... Sogar Lucindens Haß auf sie ließ sie gelten ; denn sie hatte abgelehnt , der Deckmantel eines Verhältnisses zum Cardinal zu sein ... Aber auch Lucinde wieder versöhnt mit Olympia ? ... Olympia hatte damals diese Erklärung der Herzogin gebilligt . Die Herzogin hatte geglaubt , von Olympiens Eifersucht auf Lucinden Vortheil ziehen zu können ... Nun sah sie das Leben dieser Menschen des Müßiggangs und des Glücks , diese Zerwürfnisse , diese Versöhnungen um nichts ... Um irgend ein auf der Villa Torresani gesprochenes Schmeichelwort Lucindens war Olympia im Stande zu sagen : Was ist das nur mit der Herzogin ? Ihr Palast soll jetzt bald nur Ihnen und Sarzana gehören ! Machen wir doch kurzen Proceß ! ... Oder etwas dem Aehnliches war vorgefallen ... Männer waren zugegen , Priester ... Graf Sarzana sogar , der sie zwar immer kalt , aber doch höflich behandelt hatte ... Sich aus diesem Zimmer entfernen konnte die Herzogin nicht , da das ganze Haus sich belebt hatte ... Von den Köchen der jungen Fürstin war ein Frühstück überbracht worden ... Ein Troß von Dienerschaft schien aufgeboten ... Dabei arbeitete man im Nebenzimmer zur Linken , klopfte , hämmerte - Es waren Schreiner und Tapezierer ... Die Gardinen wurden abgenommen , die Tapeten abgerissen ... Das Ganze war eine Unterhaltung des Uebermuths ... Wer konnte so schnell hier einziehen wollen ? ... Die Declaration des Grafen Sarzana war doch wol noch in einiger Entfernung ... Vernichtet sank die mit Gewalt Verjagte auf ihr Kanapee ... Ihre Brust hob sich in hörbaren Athemzügen ... Sollte sie rufen : Megäre , lade noch deine Mutter zu deinem Gelage , die tolle Nonne drüben aus den Gräbern der » Lebendigbegrabenen « ! ... Was half das alles ! ... Sie hatte nicht einmal den Muth , dem alten Marco zu erwidern , der ihr am Schlüsselloch wisperte ... Sarzana , Sarzana ! sprach sie wiederholt vor sich hin ... Auch Er läßt die Mishandlung einer Frau zu und ißt und trinkt und stößt mit dem Teufel in Menschengestalt an ! ... Sie malte sich das alles wenigstens so aus ... Mit doppelt starker Stimme , damit die Herzogin nebenan nichts davon verlor , rief beim Mahle Olympia und fast immer allein sprechend : Wie viel Lösegeld würde wol damals Don Pasquale für Sie gefordert haben , Signora Lucinda ? ... Wie sagen Sie , Graf ?