in die Residenz käme , die ihm wenig Trost bieten würde . Einen Tag bin ich hier und dieses Chaos von Anmaßung und Lüge ! Ich halte Sie auf ! Kommen Sie zu mir , Armand ... Gegessen ist auch bei mir schon . Aber einen Kaffee können wir noch brauen ! Frau Schievelbein , Mokka , Java , Cheribon ! Was sich findet ! Aber schwarzen ! Denn , Louis , wir trauern . Damit schloß Dankmar die Thür der bescheidenen , noch warmen Wohnung auf , rückte Bücher , Skripturen vom Tisch und rief noch einmal der Wirthin , die aus ihrem Mittagsschlafe schwer zu wecken war . Während er selbst die Vorbereitungen zu einem Kaffee in seiner blechernen Maschine machte , Spiritus anzündete und endlich von der gähnenden Wirthin unterstützt wurde , einmal häuslich und gemüthlich einen Nachmittag nicht im Kaffeehause , sondern daheim zuzubringen , sprach er vom Tode seiner Mutter , vom Leben überhaupt , vom Geheimniß der Weltschöpfung , vom Gegensatz zwischen Materie und Geist , Himmel , Hölle , Erde , Lampendocht , Spiritus , Filtrirmaschinen und schloß seine aus Schmerz und Scherz gemischte Plauderei mit der Bemerkung : Ja , lieber Armand , seit wir unter dem Kreuze in dem Rathskeller saßen , ist Manches geschehen ; aber was ich auch erlebte und das Schlimmste ist allerdings der Leichenstein-Strich über ein theures Dasein , das ich noch für viel Glück aufgespart glaubte , Alles hat mich gelehrt : Wenn man die Grenze des Daseins fühlt , wenn man sieht , wie Alles endet und enden muß , ohne Ausnahme , dann , mein Freund , nimmt man das Schwerste im Leben leichter und setzt mit größrer Lust sein Leben auch an das Traurigste . Ich bin nicht etwa entmuthigt , wie Sie mich hier sehen . Aber ergrimmter bin ich , entschloßner , gleichgültiger um diese schönen Fratzen , die uns locken und schmeicheln wollen mit Worten : Ach , wie süß ist dies Leben ! Schick ' dich in diese Lügen ! Dulde diese Irrthümer ! Laß diese Narren regieren ! Laß diese Welt gehen , wie sie geht ! Der Tod meiner Mutter war so voll Überredung für mich , an ein Jenseits zu glauben . Ihre Gesichtszüge waren verklärter , nachdenklicher , strenger als je im Leben . Man konnte glauben , der im Schauen begriffene Geist ließe noch Spuren auf dem theuren Antlitz zurück . Wie ich sie in die Grube senken sah , wie Alles um mich her Tod und doch Unsterblichkeit auf dem Friedhofe flüsterte , da empfand ich Liebe für die Geschiedenen , Haß für die Lebenden . Vermessene Thoren , rief es in mir , die Ihr Euch einbildet , das Leben beherrschen zu können ! Wer seid Ihr denn , Ihr zufällig Reichen , Ihr angemaßt Mächtigen , Ihr eingebildet Weisen ! Hier ist Alles gleich , hier unter diesen welken Trauerpappeln ist die ganze Komödie aus und da drüben jagt , hetzt Ihr Euch mit Euern Leidenschaften und sinnlichen Interessen durcheinander ! Glauben Sie mir , Louis , man muß das Leben verachten , um dem Leben eine große That zu hinterlassen . Ich würde mich nicht mehr bedenken , mein Haupt zu opfern , wenn ich glaubte das Rechte getroffen zu haben , um einer göttlichen Wahrheit in unserm Leben ihre Geltung zu verschaffen . Louis war von der Aufregung , in der er seinen Freund und Gönner wiederfand , erschüttert ... Wie geht es mit Ihren Hoffnungen auf ... Er stockte , das Wort : die Erbschaft , auszusprechen ... Ich bin im Begriff , sie auch in zweiter Instanz zu verlieren , sagte Dankmar und habe dann nur noch das Urtheil vom Obertribunal revidiren zu lassen . Meine Hoffnung , der Welt zeigen zu können , wie wir mit ererbten Rechten verfahren sollen , wird sich nicht erfüllen . Indessen setz ' ich Alles daran , wie ein Flügelroß bis an die Stelle zu steigen , wo es immerhin todt niedersinken möge . Sie können sich denken , welche Entbehrungen ich leide . Die Kosten des Prozesses wachsen in ' s Unglaubliche . Das kleine Vermögen , das sich nun noch von der Mutter aus uns ergeben wird , ging theils im Begräbniß , theils in der Ordnung ihres Nachlasses schon hin . Den Rest werfen wir in jenen Abgrund , der uns keine Ergebnisse bringen wird , ich mag auch noch so viel in diesen Büchern studiren ! Jetzt vollends , wo meine Hoffnung , daß mindestens der eine Concurrent , der Staat , die Ungehörigkeit seiner Ansprüche einsehen würde , sich betrogen sieht und durch Egon ein neues Leben in diese Angelegenheit kommt ... Durch Egon ? Wissen Sie Das ... Von ihm selbst . Sie sprachen ihn ? Kürzlich auf der Staatskanzlei , wo ich mir eine Audienz vom Premierminister erbat . Zum Menschen Egon geh ' ich nicht . Sie geben ihn auf ? In meinem Sinne , ja ! Wie war er gegen Sie ? Kalt , zurückhaltend ? Im Gegentheil ; er war offen und suchte die inzwischen durch seine Maßnahmen so weit gerissene Kluft zwischen uns durch entgegenkommende Freundlichkeit zu verbergen ... Sie machten dieselbe Erfahrung wie ich ... Mein Freund , sagte Dankmar , geben Sie diese Anknüpfung auf ! Ich denke mit Wehmuth zurück , wie ich Egon fand , wie er mir die Freundschaft auf offnen Händen entgegentrug , wie er mir den Brudernamen aufdrängte . Dennoch muß ich gegen ihn gerecht sein . Ich entsinne mich , daß wir mehr in ihn hineingelegt haben , als wozu wir berechtigt waren . Wir hörten ihm zu und fühlten da schon die innere Trennung . Da wir ihn aber lieb hatten , wollten wir nicht sehen . Nun ist die chemische Probe gekommen . Wer verdenkt ihm , daß er uns entgegnet : Ihr habt mich wie Eure Puppe behandelt , mit Euern Ideen mich ausgeputzt ! Die Zeit des