geziert , womit man sie zieren konnte . Was Schloß Plaue von Bilderschätzen besitzt , beschränkt sich übrigens keineswegs auf die beiden großen Säle , – die Görnesche Zeit hat Sorge getragen für Bilderausschmückung des Schlosses überhaupt . Ganze Zimmerreihen sind geradezu überfüllt , und rechnet man alles , was einen Rahmen trägt , so werden sich wohl tausend Nummern zusammenfinden . Aber freilich , nur wenig ist da , was nach irgendeiner Seite hin , ein besonderes Interesse in Anspruch nehmen könnte . Voran steht ein getäfeltes Zimmer , in dessen Felder allerlei Arbeiten aus der kurzen Glanzzeit der Plauer Porzellanmanufaktur eingelassen wurden , Arbeiten , die der Vandalismus von Anhalts aus nicht aufgeklärten Gründen zu schonen für gut fand . Es sind das , bunt durcheinander , chinesische Karikaturen , mythologische Figuren , Arabesken , Blumensträuße , groteske Tierformen und Lieblingsgestalten aus dem italienischen Lustspiel , – alles überaus wirkungsvoll zusammengestellt . Es heißt , die Gesamtheit dieser Dinge rühre von David Bennewitz , dem Direktor der Fabrik , her , dessen Erfindungs- , Zeichen- und Kompositionstalent gleich groß war . Außerdem sind Brustbilder der Gemahlin Friedrich Wilhelms I. und der drei ältesten Prinzessinnen : Wilhemine , Friederike und Ulrike , samt den Porträts ihrer Hofdamen , in die Täfelung eingelassen , woraus man schließt , daß dies das Zimmer sei , das , bei den sich öfters wiederholenden Besuchen Friedrich Wilhelms I. in Plaue , von diesem mit Vorliebe bewohnt zu werden pflegte . Fest steht nur , daß Kronprinz Fritz eben hier von seinem Vater zum Kapitän ernannt wurde . Dies geschah auf der Rückkehr von einer in Magdeburg abgehaltenen Revue , Donnerstag nach Kantate , wo der König mit dem Kronprinzen bei Minister von Görne zu Mittag speiste . Von dem , was sonst noch an Kunstwerken im Schlosse vorhanden ist , nenne ich an dieser Stelle nur noch zwei Porträts , in Öl und in Pastell , des preußischen Ministers von Struensee , Bruders des unglücklichen Grafen Struensee in Kopenhagen . Das Pastellbild gilt für wertvoll . Auch von der Gräfin Aurora von Königsmarck , der der Ahnensaal verschlossen blieb , sind in den Nebenzimmern zwei Bildnisse vorhanden : eines aus ihrer Schönheitszeit mit einem Diamanthalbmond auf dem Haupte , das andere aus ihren alten Tagen als Äbtissin von Quedlinburg . Zu dieser Bilderausschmückung gesellen sich überall Bannerträger , Wappen und Inschriften , unter welch letzteren die mehrfach wiederkehrende Devise » Noblesse oblige « besonders hervorleuchtet . Auch eines Söllers oder Balkons sei noch gedacht , von dem es heißt , daß er , seitens des 1876 verstorbenen Grafen Hans Karl Albert von Königsmarck , in einer durch den Blick über die Havel und den Plauenschen See wachgerufenen Erinnerung an Konstantinopel erbaut worden sei . Wenn dem wirklich so sein sollte , so wird es freilich auch von dem begeistertsten Anhänger märkischer Landschaft kaum bestritten werden können , daß damit ebenso dem Aussichtsbalkone wie der Havel selbst eine ziemlich schwierige Aufgabe gestellt worden war . 6. Kapitel 6. Kapitel Schloss Plaue gegenüber Eine schwere Aufgabe – so schloß unser voriges Kapitel – war damit dem Königsmarckschen Aussichtsbalkone gestellt , denn von der andern Havelseite her blickte , statt Konstantinopel und des Halbmondes von der Hagia Sophia , nur das Storchnest einer Ziegelscheune herüber . Demungeachtet war das Ufer drüben eine » hübsche Stelle « , der ich es , wenn ich sie so nenne , noch nicht einmal anrechne , daß just auf ihr die Schanze stand , von der aus 1414 die » große Büchse « des Burggrafen ihre Steinkugeln gegen Schloß Plaue schleuderte . * Wie wenn es gestern gewesen wäre , steht der Tag vor mir , zu dem ich » in großer Kumpanei « zum ersten Male auf diese Schloß Plaue gegenüberliegende Ziegeleistelle zufuhr . Eine lange Wagenreihe , die Damen in eleganter Toilette , so kamen wir , um Pfingsten , die staubige Sommerchaussee von Brandenburg daher , und ehe Mittag heran war , hielten wir – unmittelbar vor der Plauer Brücke links einbiegend – auf einem Vorplatz , zu dessen einer Seite sich die vorgenannte Storchenscheune , zur anderen ein primitives Wohnhaus erhob . In der Haustür aber stand ein alter Herr , in leichter sommerlicher Tracht , mit hoher Stirn und hohen weißen Vatermördern , dazu von breitem Bau und mit noch breiteren Lippen und begrüßte seine Gäste , während herzueilende Dienstleute sich der Reisetaschen und Köfferchen bemächtigten und mit ihnen in einem unmittelbar angrenzenden , weinumrankten Logierhause verschwanden . Bald danach schlenderten wir in dem die Villa samt ihren Annexen umgebenden Parkgarten umher und lugten , von diesem Spaziergange heimkehrend , in die Fenster eines großen , erst neuerdings angebauten Gartensaals , wo sich schon die Vorbereitungen zu festlicher Bewirtung zeigten . Und abermals eine Stunde später und wir saßen in eben diesem Saale zum Dejeuner nieder , an lang gedeckter Tafel , an der der alte Herr jetzt präsidierte . Die Gänge wechselten , die Rheinweine lösten sich untereinander ab und der silbernen Weinkühler auf dem Tisch wurden immer mehr . Trinkspruch reihte sich an Trinkspruch . Der Sieg der Wahrheit , der Sieg » der guten Sache « wurde proklamiert , alles unter der Fahne » Similia similibus « , und nachdem schließlich der Kaffee von allen Seiten her als das Hauptgift der Menschheit festgestellt worden war , schritt man dazu ihn einzunehmen . Die Stunden enteilten und mit ihnen zuletzt auch wieder die Gäste . Nur ich und ein Freund , der mich eingeführt hatte , waren als › Logierbesuch ‹ zurückgeblieben . Wer aber war der Wirt ? Wer der Einsiedler in diesem Sanssouci ? Karl Ferdinand Wiesike geb . 24.Dezember 1798 , gest . 11.Oktober 1880 Nun denn , der alte Herr , der uns mit so viel Liebenswürdigkeit zu begrüßen und mit so viel Gastlichkeit zu bewirten wußte , war Karl Ferdinand Wiesike , geb . den 24. Dezember 1798 zu Brandenburg a. H. Er war Schul- und Altersgenosse von