nur Bonaventura war ... Die Herzogin lag eines Morgens noch in ihren Hauskleidern auf einer Ottomane und blätterte in den französischen Zeitungen , die in Rom verboten sind , vom Cardinal aber gehalten und nach alter Gewohnheit , wenn sie benutzt waren , noch an sie abgeliefert wurden ... Sie las um so lieber in ihnen , als die einheimischen Blätter fast von nichts als von Festen und großen Ceremonieen berichteten , zu denen sie nicht mehr geladen wurde ... Auch bei einem großen Ereigniß , das vier Wochen nach Olympiens Hochzeit statthatte , bei der wirklich erfolgten Einkleidung des Paters Vincente - zum Cardinal hatte sie gefehlt ... Sie hatte gefehlt bei einem Fest , das wiederum Rom in Bewegung setzte ... Bei einem Fest , wo Olympia und Lucinde die üblichen Honneurs des ersten Cardinalempfanges machten ... Bei einem Feste , das eine Woche dauerte und alle Zeitungen erfüllte ... Der neue Cardinal Vincente Ambrosi fand sich voll Demuth , aber ganz gewandt in seine neue Würde ... Unmuthig warf die Herzogin die einheimischen Blätter fort ; wieder auch war im Gebirg eine große Kirchenfestlichkeit gewesen , bei der die junge Fürstin Rucca als erster Stern am Himmel der Gnade und Wohlthätigkeit geglänzt haben sollte ... Schon ergriff sie die Feder und wollte dem Cardinal schreiben , sie bedürfte Unterhaltung ... Sie bäte , wollte sie sich in ihrer Bitterkeit ausdrücken , um einige Einlaßkarten für den Tag , wo die Räuber guillotinirt werden würden , deren man als Complicen Grizzifalcone ' s allmählich viele aufgegriffen hatte - Die Mission des Bruders Hubertus war ihr durch die vorläufig erfolgte Befreiung des Bischofs von Macerata bekannt geworden ... Sie wollte ihrem Schreiben hinzufügen , der Cardinal vergäße seine Weine , die in ihrem Keller lagerten ; es waren unversteuerte ... Sie grübelte Ceccone ' s Intriguen nach ... Benno ' s letzter Brief lag vor ihr , in dem dieser auf Anlaß des von Lucinden an Bonaventura eingesandten Briefs der beiden deutschen Flüchtlinge und eines inhaltreichen Couverts , das sie hinzugefügt , geschrieben : » O fände sich doch dieser Wanderer nach Loretto ! Wäre es der , den mein Freund seit fast dreiviertel Jahren sucht ! Er wird es nicht sein ... Die Dominicaner haben ihre anderen Gefangenen herausgeben müssen - diesen schickten sie nach Rom , wo ihre Gefängnisse unzugänglicher sind , als hier ... Ceccone verweigerte bisjetzt die Genehmigung , die Kerker des heiligen Officiums untersuchen und den Dominicanern einen Beweis von Mistrauen geben zu lassen ... Fra Federigo schmachtet in ihren Händen wie Galiläi , Bruno , Pignata und so viele andere Opfer der Unduldsamkeit ! « ... ... Daß schreckenvolle Dinge in Rom möglich waren , wußte die Herzogin ... Sie wußte , daß Ceccone mit dem Meisten , was er that , eine andere Absicht verband , als die man voraussetzte ... Zwischen dem alten Rucca und dem Cardinal war es zu einer andauernden Spannung gekommen , seitdem Hubertus zwar durch eine List den Bischof ans Tageslicht gebracht hatte , aber von einer Entdeckung des Pilgers nichts hören und sehen ließ , ja seit einiger Zeit von sich selbst nichts mehr ... Schon war das Gerücht verbreitet , daß die Carabinieri der Grenzwache vorgezogen hätten , statt den römischen Abgesandten in seinen Bemühungen zu unterstützen , ihn - todt zu schlagen ... Sie sah überall Gewalt und Intrigue ... Sie kannte Ceccone ' s Ansichten über die Zeit und die Menschen ... Menschenleben kümmerte ihn wenig , wo durchgreifende Zwecke auf dem Spiele standen ... Durch einen der Verwandten Sarzana ' s , eine der von ihm beförderten Creaturen , hatte Ceccone alle Häfen auch der Nordküste in seiner Obhut ... Wer konnte wissen , was aus dem Rucca ' schen Sendboten geworden war ... Jenseits der Apenninen , am Fuß des Monte Sasso , an der Grenze der Abruzzen war jede Controle abgeschnitten ... Dorthin hatten sich in der That die letzten Wege des kühnen deutschen Mönches spurlos verloren ... Die Zeitungen waren » mit ihren Lügen « , wie die Herzogin vor sich hin sprach , durchflogen ... Es war gegen Mittag ... Sie konnte an den Besuch einer Messe denken ... Da bemerkte sie , daß im Hause laut gesprochen wurde ... Sie wollte klingeln ... Marco war beim Pantheon auf den Gemüse- und Fleischmarkt , um ein Mittagsessen einzukaufen ; die Dienerinnen waren an der Arbeit ... Schon hörte sie Schritte ... Schon unterschied sie die Stimme Olympiens ... Dann war wieder alles still ... Die Herzogin glaubte sich getäuscht zu haben ... Schon öfter war ihr geschehen , daß ihre aufgeregte Phantasie Menschen nicht nur hörte , sondern deutlich vor sich sah , Menschen , die mit ihr sprachen ... Sie brauchte nur ihren geheimen Schrank aufzuschließen , brauchte nur Angiolinens blutiges Haar aus einem großen Pastell-Medaillon des Herzogs von Amarillas zu nehmen , dies Haar nur eine Weile vor sich hinzulegen - und sie sah Angiolinen sich langsam an ihren Tisch begeben und hörte sie laut mit ihr sprechen . Benno trat in dieser Art jeden Abend in ihr Zimmer ... Sie hatte nach ihm die Sehnsucht einer Braut - eine Sehnsucht voll Eifersucht ... Aber kein Madonnenbild mehr konnte sie sehen in dieser madonnenreichen Stadt , ohne voll Zärtlichkeit an Armgart von Hülleshoven zu denken , die ihr Lucinde als ihres Cesare Ideal bezeichnet hatte ... Die Stimmen kamen wieder näher ... Diesmal rief wirklich Olympia : Da nicht ! Nein , nein ! ... Dort geht der Kamin entlang ! ... Die Hitze ist für ein Bett unerträglich ... Was will - die Mörderin meiner Tochter ? fuhr die Herzogin auf ... Weiß sie wirklich noch , wo ich wohne ? ... Will sie wol wieder zu mir ziehen oder was soll - das Bett - von dem sie spricht ? ... Man rückte nebenan die Möbel ... An einer andern Stelle des Hauses hörte man ein so starkes Hämmern , als sollten Mauern eingeschlagen