schwer beherrschte , so zog er vor , eine Weile auf sein Zimmer zu gehen und dem Alten Zeit zu lassen , sich inzwischen gründlichst auszutoben , was auch geschah , diesmal sogar mit Fremdwörtern aus dem Lexikon seiner gebildeten Ehehälfte . Eine Woche ging so hin . Louis lebte zurückgezogen . Er suchte nur Dankmar auf und fand ihn nicht . Zum Major Werdeck wagte er sich nicht . Über Murray ' s Schicksal wurde ihm keinerlei Beruhigung . Der Drang , ihm zu helfen , die im Forsthause vorgekommenen Dinge in einem Lichte darzustellen , wo alle Schuld nur auf ihn falle , war so mächtig in ihm , daß er anfangs an Egon ' s Beistand dachte . Allein war Das noch sein Egon ? Er war ' s im Tone , in der Behandlung noch gewesen ; er hatte ihn nicht lieblos empfangen , ihm täglich sein Haus angeboten . Aber eine Kluft hatte sich zwischen Beiden aufgethan , weiter , als der natürliche Abstand der Geburt . Die Romantik war vorüber , das praktische Leben hatte begonnen . Louis entschuldigte Egon , klagte sich an , zieh sich selbst der Eitelkeit , daß er von dem Freunde Egon , der einst in Lyon seine Schwester liebte und mit ihr wie mit seinem Weibe lebte , jemals die später entdeckte Fürstenwürde nicht trennte . Er fand es natürlich , daß Alles so kam , wie es jetzt gekommen ; aber ihm lästig fallen , eine Audienz erbitten , ihm schreiben , eine Bitte vorlegen ... dazu war er zu stolz , zu verletzt , zu eingeschüchtert . Dann fiel ihm bei , ob nicht Dankmar Wildungen als Jurist helfen könnte und eben so schmeichelte sich ihm die Vorstellung ein , ob er nicht wagen sollte , den mehrfach genannten Otto von Dystra aufzusuchen und ihm die Lage eines Mannes vorzustellen , der aus einem fernen Welttheile ihm nicht unbekannt sein sollte . Es war wieder Mittag . Die Arbeiter zerstreuten sich . Als sich Louis nach einem bescheidenen Mahle in einer nahgelegenen Wirthschaft in der Voraussetzung , vielleicht nun heute endlich Dankmar Wildungen und den von Murray erwähnten Gönner , Otto von Dystra , aufzusuchen , besser anzog und in seinen Geräthschaften ordnete , fielen ihm die Gegenstände auf , die er im Forsthause damals an sich genommen hatte . Es war ein Gesangbuch , ein Blumenstrauß und ein zierlicher Mädchenkamm . Er hatte diese Dinge an sich genommen , weil die von Ursula daran geknüpften Reden ihm so auffallend klangen , daß er glaubte , vielleicht enthielten sie Thatsachen , die sich auf Murray ' s Sohn bezogen ... Der Kamm war von Schildpatt und zeigte mit Elfenbein ausgelegt die Buchstaben H.D. Das Gesangbuch führte auf bestimmte Namen . Es war in schwarzes Leder gebunden und enthielt auf dem Deckel die Notiz über die Geburt und die Verlobung eines jungen Mädchens , von dem Louis wußte , daß es eines Sonntags an der Sägemühle verunglückte . Heunisch , sagte er sich , hat sicher diese Gegenstände , auch den Blumenstrauß , den sie grade trug , aufbewahrt und die Alte sie eingeschlossen , um durch ihren steten Anblick ihn nicht zu traurig zu stimmen . Das Gesangbuch , der Kamm , der welke Blumenstrauß wurden Louis fast unter der Hand zu Tönen und Klängen und Reimen eines Gedichtes ... Wie er den welken Strauß , der krampfhaft zusammengeballt schien , auseinanderfaltete , hörte er ein Klingen , wie von einem fallenden metallnen Gegenstande . Am Boden sah er einen zerbrochenen Goldreif blinken . Er hob ihn auf . Sicher hatte dieser Ring in dem Gewirr des welken , heuartig gewordenen Blumenstraußes schon lange versteckt gelegen . Der Verlobungsring des unglücklichen Mädchens ! dachte er . Wo ist nur die zweite Hälfte ? Er suchte und fand sie nicht . Wer weiß , dachte er , durch welchen Zufall dieser Ring zerbrach ! Die Treue hat ihr Heunisch wirklich gehalten ... Louis wollte den Ring mit den übrigen Gegenständen bei Seite legen , als ihm doch noch einfiel , nach einer möglichen Gravirung innen zu sehen . Er erstaunte , nicht die Buchstaben zu finden , die auf Heunisch ' s Geschichte paßten . Er las in dem Ringe P. und die ersten Züge eines kleinen v. , die ohne Zweifel auf einen adligen Namen schließen ließen . Auch sah er jetzt , daß er keinen Trau- oder Verlobungsring , sondern einen einfachen goldnen Reifen , dessen Kopf durch einen Stein verziert gewesen sein mußte , vor sich hatte . Die adlige Bezeichnung des Ringes ließ ihm als wahrscheinlich erkennen , daß er einen Theil jenes Ringes vor sich hatte , von dem ihm Murray einst erzählt hatte . Und so steckte er dies Fragment behutsam zu sich und gedachte , ihn dem unglücklichen Gefangenen bei erster Gelegenheit , wo er hoffte , ihn sprechen zu dürfen , zu übergeben . Die übrigen Gegenstände verschloß er wieder . Mit einem alten Mantel , den er über seinen gewählten Anzug warf , ging Louis aus , um auf ' s Neue zu versuchen , Dankmar Wildungen zu treffen . Wie groß war seine Freude , als er grade beim Eintritt in das von den Freunden bewohnte Haus den Gesuchten die Stiege herabkommen sah ! Wär ' es Siegbert gewesen , so hätt ' er ihn umarmt . Dankmarn schüttelte er die Hand und freute sich der herzlichen Erwiderung . Seit wann sind Sie zurück ? Über eine Woche . Wir verfehlten uns . Auch ich fragte nach Ihnen . Wie geht es meinem Bruder ? Er sehreibt so selten . Ich verließ ihn wohlauf , heiter und fröhlich ... Heiter ? Empfing er - Es erfolgte jetzt die Verständigung wegen der Trauer . Dankmar sprach über das erlebte Leid . Es waren Worte , die in Kürze die schmerzliche Thatsache zusammenfaßten . Er wünschte , daß Siegbert , wenn er auf dem Lande Zerstreuung hätte , nicht