wie sie , sagte : » Seh ' ich im Leben diesen Signore d ' Asselyno wieder und er verräth , daß ich Wahnwitzige ihm in zwei Tagen meine ganze Seele zum Geschenk gegeben , so laß ' ich die Erde aus der Stelle ausschneiden , die sein Fuß berührte , und hänge sie - in den Schornstein ! ... « Um Jesu willen ! hatte die Herzogin erwidert , du wirst solche Sünden unterlassen ! ... Sie wußte , daß ein solcher Zauber einen Abwesenden langsam zum Tod dahinsiechen läßt ... Olympia war nach dem ersten Rausch der Flitterwochen und den vorauszusehenden Zankscenen mit ihren Schwiegerältern ins Sabinergebirg gezogen ... Dort und im Albanergebirg besaßen die Ruccas und Ceccone prächtige Villen ... Der welt- und menschenkluge Cardinal hatte zur Zähmung des wilden Charakters der jungen Fürstin angerathen , sie zu beschäftigen ... Er hatte ( schon von der ihm immer vertrauter werdenden Lucinde ) einige anonyme Briefe an sie schreiben lassen , in denen von Unterschleifen in der Verwaltung dieser Güter die Rede war ... Das wurde dann ein Feld für die erste unruhige Thatenlust der jungen Ehefrau ... Einige Wochen hindurch , vielleicht einige Monate konnte man Hoffnung hegen , daß sie sich auf diese Art in ihrer neuen Stellung als Fürstin und Gattin gefallen würde ... Bis dahin hatte sie ohne Zweifel mit den Aeltern vollständig gebrochen , hatte das Personal in der Rucca ' schen Verwaltung umgewandelt , hatte soviel Scenen des Zanks , soviel angedrohte Dolchstöße , auch Fußfälle und Handküsse erlebt , daß sie vollauf damit beschäftigt war ... Lucinde und der Cardinal stimmten ganz in dem Serlo ' schen Wort überein : » Die Seele des Menschen will gefüttert werden , wie der Magen « ... Die Herzogin erzürnte den Cardinal immer mehr durch ihre Festigkeit , Lucinden als Mitbewohnerin ihrer Behausung abzulehnen ... Lucindens neuliches Wort von ihrem » Briefwechsel mit Benno « war beim Begegnen nicht wiederholt worden ... Der Schrecken über den gleichzeitigen Ueberfall durch die Räuber konnte ein Misverständniß veranlaßt haben ... Das sagte sie sich zu ihrer Beruhigung ... Die » Abenteurerin « , wie sie in der That Benno mehrmals genannt hatte , wurde auch auf Villa Torresani , einem Erbgut der alten Fürstin Rucca , wo die junge Fürstin wohnte , abgelehnt ... Lucinde wohnte mit der alten Fürstin beim Wasserfall von Tivoli , in einer andern Rucca ' schen Villa , Villa Tibur ... Niemand kam nun noch zur Herzogin , da der Cardinal nicht kam ... Seltener und seltener kam sie auch selbst aus ihrem Palast heraus , in dem es gespenstisch öde und einsam wurde ... Wie mußte sie bereuen , ein Wesen von so gefährlicher Schmiegsamkeit in die Kreise ihres bisherigen Einflusses gezogen zu haben ! ... Lucinde wurde immer mehr die Seele in dem alten und dem jungen Rucca ' schen Kreise ... Und wenn sie sich geirrt hätte ! Wenn Lucinde wirklich von einem Briefwechsel zwischen ihr und Benno gesprochen ! ... Dann fehlte nur noch das eine Wort : Benno von Asselyn ist ja dein Sohn ! und ihre Niederlage war entschieden ... Olympia würde , erfuhr sie das von Lucinden , gesagt haben : Nun versteh ' ich alles ! Du , du warst es , die den Angebeteten von mir entfernt gehalten hat ... Daß den Cardinal , von dem sich die junge Fürstin nicht minder wie von ihr zu befreien suchte , eine Leidenschaft für die fremde Abenteurerin ergriffen hatte , wurde immer mehr ein öffentliches Geheimniß ... Und bei alledem konnte niemand die Huldigung des Grafen Sarzana begreifen ... Hätte es sich um eine Scheinehe gehandelt , die die Schulden eines leichtsinnigen Cavaliers decken sollte , so würde man in Rom , in der Stadt der Heiligung des Priestercölibats , dies Benehmen Don Agostino ' s begriffen haben ; denn diese Arrangements kamen hier zu oft vor , um aufzufallen - wenn auch die Contracte nicht in die Archive der Curie niedergelegt wurden ... Don Agostino war aber keiner der Leichtsinnigsten unter den » Achtzig « ... Da er Kenntnisse besaß und sie zu vermehren liebte , galt er seinen Kameraden für einen Pedanten ... Die Wartung seiner Uniform , seines Pferdes , noch mehr seiner kleinen Häuslichkeit war bis in die minutiösesten Dinge sauber und zierlich ... Seine Familie war verwildert , das wußten alle , die Umstände hatten die Creaturen geistlicher Würdenträger aus ihr gemacht , deren Unregelmäßigkeiten sie decken mußte ... Graf Sarzana würde die Hand keiner Dame auch nur zweiten oder dritten Ranges in Rom haben ansprechen können ... Aber eine Geliebte des Cardinals zu nehmen zwang ihn nichts ... Noch weniger begriff man seine Leidenschaft , wenn sie eine aufrichtige war . Lucinde konnte die Capricen des ermüdeten Alters reizen , sie konnte die Vorstellung einer Vernunftehe durch eine darum noch nicht ausgeschlossene Möglichkeit jugendlicher Reminiscenzen mildern ; was war sie aber einem jungen , noch in Lebensfrische befindlichen Krieger ? ... Sie besaß freilich Geist , Belesenheit , Koketterie ... Fesselte ihn das ? ... Seine Kameraden pflegten ihn mit seinem Einsiedlerleben , das der Lectüre gewidmet war , zu necken und sein wärmster Freund sogar , der Herzog von Pumpeo , hatte ihm den Beinamen des » Küsters vom Regiment « gegeben ... Bei alledem ließ es sich immer mehr dazu an , daß die Herzogin den Palast würde zu verlassen und - dem jungen Ehepaar Sarzana einzuräumen haben ... Ihrem Julio Cäsare schrieb die Mutter von allen diesen ihren Leiden und Befürchtungen nichts - nichts von den Gefahren , die ihr durch Lucinden drohten ... Einestheils wollte sie Benno ' s bei solcher Mittheilung leicht vorauszusehende Absicht ihr zu helfen nicht früher hervorrufen , als nöthig war ; anderntheils vermochte es ihr Stolz nicht , Befürchtungen auszusprechen , die sie mit dem größten Zorn erfüllten , so oft sie nur an sie dachte ... Benno hatte ihr die Versicherung gegeben , daß der einzige Vertraute ihres Briefwechsels