Obdach , kam zuletzt an die Reihe . Man mußte sehr vertieft sein in das Reinigungswerk , denn als die Einziehenden den Hof betraten , da bellte nur Sultan wie besessen zur Begrüßung und die Truthühner kamen anstolziert , sonst aber ließ sich kein lebendes Wesen sehen . Erst als der Gutsherr mit seiner Braut den Hausflur betrat , da flog die Wohnstubentür auf , und Frau Griebel kam herausgepoltert , hinterdrein Luise . » Eine schöne Bescherung ! « rief die kleine dicke Mama . » Um ein Haar hätte ich den Willkomm versäumt , und hab ' mir doch die allerschönste Rede eingeübt ! Aber der ist daran schuld ! « – Sie schlenkerte den verloren gewesenen Henkeldukaten am langen Samtbande durch die Luft . » Ja , da ist er , der Sapperloter ! Hinter die Kommode hat er sich verkrochen , Herr Markus – wie wir die wegrücken , um Ihren Schreibtisch hinzustellen , da klingelt der Ausreißer auf die Dielen ' runter ! Und Hanne behauptet , den habe Rose , das abscheuliche Ding , dahinter versteckt , nur damit wir denken sollten , der arme Bursch , den wir von der Landstraße heimbrachten , sei ein Spitzbube gewesen ! Sollte man ' s denn für menschenmöglich halten ? – Der arme Kerl hatte ihr auf der Gotteswelt nichts zuleide getan ! « » Er war kein Dieb – ich wußte es wohl ! « sagte Luise . » Er war stolz und brav . Solche gute blaue Augen – « Sie verstummte plötzlich und wurde feuerrot . Unter der Haustür , kaum drei Schritt entfernt , sah sie einen hohen , schlanken , etwas schmalschulterigen jungen Mann stehen ; er war gut gekleidet , sah fein und vornehm aus , und auf seinem unbärtigen , schmalen Gesicht schien in diesem Augenblick der Widerschein der Röte zu flammen , welche die Wangen des kleinen , blonden Mädchens bedeckte . Er hatte den Amtmann die Türstufen heraufgeführt . Der alte Herr verschnaufte einen Augenblick , ehe er in den Hausflur trat ; dann kneifte er Luischen in die Wange , und der » Frau Mama « stellte er den ein wenig scheu und verlegen blickenden jungen Herrn an seiner Seite als seinen lieben Sohn vor , der eine weite , herrliche Reise zu seiner Belehrung gemacht habe – wie es sich für einen jungen Mann von Stande schicke – und erst gestern direkt von Bremen angekommen sei ... Gleich darauf rollte auch der Fahrstuhl drunten vor die Stufen . Der Forstwärter hatte es sich ausgebeten , die kranke Frau Amtmann fahren zu dürfen . Nun nahm er » das schmächtige Weibchen « in der Tat wie ein Kind auf den Arm und trug es die Treppe hinauf in das Erkerzimmer , wo ein festlich hergerichteter Eßtisch die Ankommenden erwartete . Von diesem Tage an begann ein schönes Zusammenleben im Gutshause . Selbst der Amtmann , die große Wandlung in seinem Dasein wohl empfindend , mäßigte möglichst seine Streitsucht und Rechthaberei – bei seinen unvermeidlichen prahlerischen Auslassungen drückten die anderen mild schweigend ein Auge zu ; er wäre sonst wohl erstickt an dieser unverbesserlichen Leidenschaft ... Sein heimgekehrter Sohn aber ging völlig auf in seinem neuen Beruf . Er ging noch einmal in die Lehre bei dem einfachen , wackeren Gutspächter . Von früh bis spät war er in Feld und Wald und arbeitete wie ein Knecht , und Peter Griebel meinte , nun werde das Vorwerk freilich » ein ander Gesicht kriegen « . Unter diesem Sonnenschein des Glückes lebte auch die alte Frau , die so lange in dumpfer Stube an das Krankenbett gefesselt gewesen war , neu auf – der Arzt verhieß ihr völlige Genesung . Abends versammelten sich alle Lieben , zu denen jetzt auch Peter Griebel mit Weib und Kind gehörte , um ihren Lehnstuhl im Erkerzimmer – da wurde musiziert und geplaudert , und gar manchmal funkelten noch um Mitternacht die hellen Fenster des Gutshauses in das feierliche Waldesschweigen hinein . Herr Markus verschob seine Abreise von Woche zu Woche , und die kleine Luise wünschte mit rührender Offenherzigkeit , daß die Schulstube im Institut niemals fertig werden möchte . Sie spielte keine Märsche mehr – Mendelssohns » Lieder ohne Worte « und dergleichen waren an die Reihe gekommen : noch lieber aber sang sie mit ihrer süßen , keuschen Stimme » Ich schnitt ' es gern in alle Rinden ein « – und was sonst noch der große Tondichter an sehnsüchtigen Wünschen und heimlicher Liebe in seine hinreißenden Klänge gebannt hat ... Daß diesem harmonischen , beglückenden Zusammenleben viel Geheimnisvolles vorausgegangen war , schien niemand zu denken , es wurde mit keiner Silbe berührt ... Auch der Forstwärter , der fast täglich aus und ein ging – der Gutsherr hatte ihm zu seinem Entzücken alle Schätze der Bücherstube zur Verfügung gestellt – er war auf seiner Hut , und nie entschlüpfte ihm eine Bemerkung über die Zeit , wo er den schwerkranken Jugendfreund in seinem Hause verpflegt hatte ... Herr Markus lachte im stillen über die kluge , brave Dicke , die stets behauptete , » nicht von gestern « zu sein – diesmal waren die scharfen blauen Äuglein doch recht blöde gewesen , und die Mama konnte es hinsichtlich der Einfalt getrost mit ihrer sechzehnjährigen Einzigen aufnehmen ... Es war aber am Abend vor der nunmehr endgültig festgesetzten Abreise des Gutsherrn – er mußte heim , um alles Unerläßliche zu seiner Verheiratung vorzubereiten . Sie waren alle oben im Erkerzimmer versammelt . Der Amtmann , seine Frau und Peter Griebel spielten Whist mit einem Strohmann ; die schöne Braut hatte sich für einen Augenblick hinter die Teemaschine gestellt , und Frau Griebel strich an einem Seitentische Butterbrötchen , während Luise am Klavier saß und mit innigem Ausdruck sang : » Meine Ruh ' ist hin , mein Herz ist schwer . « – Der junge Franz lehnte seitwärts an der Wand , so daß er dem reizenden blonden Mädchen