Köpfchen und sagte mit einem Tone , in dem die ganze Süßigkeit ihres kindlichen Gemütes lag : „ Nein , mein Moritz , Du hattest Recht ! “ „ Siehst Du , Mama , das ist das echte Weib wie es aus der Hand des Schöpfers hervorging , wie es sein soll , um den Mann , dem es gehört , zu be ­ glücken “ , rief Moritz und preßte die reizende Gestalt an seine Brust . Die Staatsrätin stand schweigend neben dem Paare , ihr Auge ruhte mit unaussprechlicher Liebe auf ihrem Kinde und sie sah es mit einem selt ­ samen Gemisch von Freude und Sorge an dem Herzen dieses eben so zärtlichen , als herrischen Gat ­ ten ruhen . „ Diese Bräutigamsleidenschaft ist schön — aber wenn sie dereinst verraucht , — dann bleibt für das zarte Wesen nur noch der Gebieter übrig und sie ist eine unglückliche Sklavin , wie sie jetzt eine glück ­ liche ist ! “ Solche Gedanken zogen durch die Seele der Mutter und hoben ihre Brust zu einem tiefen Seufzer . Mittlerweile hatte Johannes leise mit Heim und Hilsborn gesprochen und einen Brief gelesen , den Jener ihm gab . „ Also , Väter Heim “ , sagte er , „ es bleibt dabei . “ Die Staatsrätin wandte sich ihm zu und fragte : „ Was hast Du da ? “ „ Einen Brief der Hartwich an Onkel Heim , Mutter ! “ Johannes reichte ihr das Blatt und die Staats ­ rätin las : Herr Geheimerat ! Ich weiß nicht , ob Sie sich eines kleinen Mädchens Namens Ernestine Hartwich erinnern , dem Sie einst das Leben gerettet ; aber ich weiß , daß Sie , auch wenn dies nicht der Fall wäre , einer Hilfesuchenden beiständen . Ich habe mich an die hiesige Universität gewandt , um Kolleg zu hören . Ich tat dies hinter dem Rücken meines Vormundes , denn er mißbilligte den Plan . Ich wünsche daher , die einleitenden Schritte in dieser Sache geheim zu halten , bis ich einen Erfolg errungen , der ihn mit meiner Handlungsweise ver ­ söhnen würde . „ Sehr rücksichtsvoll ! “ schaltete die Staatsrätin ironisch ein : „ doch weiter . “ Meine Bitte ist nun die , hochgeehrter Herr , dafür zu sorgen , daß die Antwort der Fakultät ohne Wissen meines Oheims an mich gelange und zwar durch Sie selbst . Ich bedarf auch Ihres ärztlichen Beistandes , denn ich fühle mich krank , und mein Vormund gestattete mir nie , einen Arzt zu rufen . Ich gehorchte ihm , bis ich erfuhr , daß Sie in meiner Nähe leben . An Sie aber wende ich mich mit dem alten Vertrauen . Kann man mir helfen , so werden Sie es tun . Ich muß Sie jedoch an einem Tage bei mir sehen , wo Leuthold von Hause entfernt ist , wenn ich nicht Auftritte der peinlichsten Art herbeiführen will . Jeden Mittwoch und Sonn ­ abend fährt er Geschäfte halber in die Stadt . An einem solchen Tage bitte ich Sie , mich zu besuchen . Hochachtungsvoll ! Ernestine Hartwich „ Nun das ist wenigstens kürzer und bündiger , als man es von einem Blaustrumpf erwarten sollte “ , meinte Moritz . Die Staatsrätin blickte trübe sinnend in den Brief : „ Er ist kalt und trocken , — kaum höflich — geschweige denn herzlich , wie ihr einstmaliger Wohltäter es von ihr verlangen konnte . “ „ Bedenken Sie , liebe Freundin , daß etwa zwölf Jahre seit jener Zeit verflossen , für ein so junges Mädchen eine lange Zeit ! “ begütigte Heim . „ Ach , Onkel Heim “ , rief Angelika — „ ich habe Dich jetzt , wo Du meinen Knaben auf den Knien wiegst , noch eben so lieb wie damals , wo Du meinen Puppen dieselbe Ehre antatest . Mir sind diese Jahre vergangen wie ein Traum ! “ „ Du bist von anderer Art als die Hartwich , mein Kind “ , erwiderte Heim . „ Ja , Gottlob ! “ bestätigte Moritz . Die Staatsrätin legte den Brief zusammen : „ Ich kann mir nicht helfen , dieses Schreiben ist herz ­ los , ich habe kein besseres Wort dafür . Und dabei ein Gemisch von Feigheit und Trotz in ihrem Be ­ nehmen ihrem Onkel gegenüber , das aus jeder Zeile hervorgeht . “ „ Ein Beweis , wie diese starke Natur von dem Schurken geknechtet wird “ , bemerkte Johannes warm . Die Mutter sah mit sorgenschwerem Blick auf ihren Sohn : „ Wie konnte sie sich , wenn sie ein edles starkes Weib ist , von einem solchen Menschen knechten lassen ? “ „ Warum nicht , beste Mutter ? “ erwiderte Johannes begütigend , „ und wenn auch noch so edel und stark , — so ist und bleibt sie ja doch immer nur ein Weib ! “ In diesem Augenblick donnerte und rasselte etwas unter dem Fenster vorbei . Alle blickten hinaus . „ Die Worronska ! “ „ Die wilde Gräfin “ , rief Moritz , „ das ist ein Prachtexemplar von einer Amazone . Wie schön sie wieder ist ! Wie sie die vier Rappen lenkt und dabei heraufschaut . Ich wette , Johannes , die hat ’ s auf Dich abgesehen — sieh nur , sie lächelt Dir zu ! “ „ Da würde ich am Ende gar dem Kollegen Her ­ bert ins Gehege kommen ! “ lachte Johannes ; „ denn ich hörte ja , er macht ihr den Hof ! “ „ Was , Herbert — der Worronska ? “ rief Moritz . „ Wie kommt denn der dazu ? “ „ Ei nun , er war ja so lange Hofmeister bei einem Freunde des Grafen in Petersburg . Daher wird er sie kennen “ , erklärte Johannes . „ Na , das wäre so ein Schwiegertöchterchen für Sie , liebe Staatsrätin “