um dich zu bekümmern . Ich bin jetzt dein Vormund und ich befehle es . « Willenlos ließ ich mich mitziehen . Ich saß am Abend geduldig neben Frau v. Bendeleben und ließ mir erzählen von Hanna , und daß Ruth einen prächtigen Jungen besitze . Vorläufig sei nur noch ein großer Streit um die Vornamen . Ruth wolle , er solle Stanislaus heißen und Eberhardt habe gesagt , er werde dem Pastor schon die Namen aufschreiben . Der Baron bestimmte die Tage in der Woche , an denen ich auf dem Schlosse erscheinen sollte . » Ich werde mich erkundigen , Gretchen « , fügte er hinzu , » ob dein Grund ein stichhaltiger ist , wenn du einmal nicht kommst . Du darfst dich deinem Schmerz nicht so hingeben , dazu bist du noch viel zu jung , das ganze Leben liegt noch vor dir . « Das ganze Leben ! Ich erschrak förmlich – und das sollte ich so weiterleben ? Entsetzlicher Gedanke ! Läge ich doch da drunten bei meinen Eltern ! Das ganze Leben – wie lang ist so ein Menschenleben ! Unser Leben währet siebenzig Jahre – und ich war eben zwanzig gewesen . Aber Gott ist barmherzig , dachte ich , es kann ja nicht so lange dauern ! Ich war folgsam , ich kam pünktlich auf das Schloß , ich spielte mit dem Baron Schach und las die Zeitung vor , und am Tage saß ich unten im Dorf , pflegte Kathrin und leitete meine kleine Wirtschaft . Ich tat alles , aber ohne Freude , mit totem Herzen . Eines Abends war ich wieder oben im Schloß und bemühte mich , aufmerksam einen langen Bericht über Kartoffelernte anzuhören , da horchte Frau v. Bendeleben auf . » Es kommt Besuch « , sagte sie und legte ihre Arbeit hin , indem sie aufstand . Es wurden schon Stimmen laut , die Tür öffnete sich , und herein trat Ruth , gefolgt von ihrem Manne . Ich konnte nicht mehr fliehen , wie angewurzelt blieb ich stehen und sah ihn an . Auch er erblaßte leicht , als er mich erblickte , während die schöne Frau keine Notiz von mir zu nehmen schien und hastig , ihren Samtmantel abwerfend und die Mutter umarmend , fast unwillig ausrief : » Mamachen , du mußt einen Streit schlichten . Denke dir , die alte Gräfin Satewski in Wien ist gestorben . Man hat mir geschrieben , es sei wünschenswert , daß ich der Eröffnung des Testaments beiwohne – ich muß , ich will nach Wien , und mein teurer Gatte « – hier wendete sie sich zu Eberhardt , der die Lippen aufeinandergebissen hatte – » erklärte es für unnötig und wünscht , daß ich nicht reise , anstatt mir seine Begleitung anzubieten . « » Na , setzt euch nur erst « , unterbrach der Baron die Rede der jungen Frau , » dann können wir überlegen . Was hast du für Gründe dagegen , Wilhelm ? « fragte er seinen Schwiegersohn , der seinen Sessel möglichst aus dem Lichtkreise der Lampe geschoben hatte . » Tausend Gründe für einen « , sagte er ; » die Hauptsache aber ist , daß der Kleine kränkelt , er bekommt wahrscheinlich Zähnchen und weint den ganzen Tag . Auch weiß ich nicht , inwiefern Ruths Anwesenheit dort so unerläßlich notwendig sein soll , es leuchtet mir nicht ein , und ich finde ihre Gegenwart bei dem Kinde viel nötiger als bei der Testamentseröffnung . Das Resultat , wenn ' s überhaupt eins für sie gibt , kann ihr hierher mitgeteilt werden . « Seine Stimme klang ruhig und leidenschaftslos , mich traf sie bis ins innerste Herz . Ich wollte aufstehen und hinausgehen . » Nichts da ! « rief der Baron , » willst du schon wieder ausrücken ? Hiergeblieben ! « und er zog mich in den Sessel . Niemand außer ihm konnte ahnen , mit welchen Qualen ich dort saß . » Ich muß gestehen , Ruth « , fuhr der Baron fort , » dein Mann scheint recht zu haben . Möglicherweise hast du Unannehmlichkeiten in Wien zu erwarten . Mit den Verwandten deines ersten Gatten hast du dich so gut wie gar nicht gestanden . Ich würde lieber hierbleiben , abgesehen davon , daß das Unwohlsein des Kleinen schon einen triftigen Grund bietet . « » Es ist gar nicht so schlimm , Eberhardt übertreibt wie immer « , fuhr sie auf , und die Augen blitzten zornig zu ihm hinüber . » Die Amme ist eine ausgezeichnete Person , und außerdem kann er ja so lange hier bei Mama sein . « » Die Luft ist aber zu rauh , um eine solche Fahrt mit dem Kinde zu machen , bedenke das ! « sagte Frau v. Bendeleben . » So gern ich mein Enkelchen hier hätte , ich mag nicht zureden . « » Aber ich sag ' es euch , ich muß nach Wien ! « rief sie , und ein paar zornige Tränen blitzten in den Augen . » Ich muß ! « » Gut , mein Kind , reise – ich werde so lange Mutterstelle bei deinem Kind vertreten « , unterbrach sie Eberhardt , ebenso kühl wie vorhin . » Wer hat dir denn geschrieben , Ruth , daß deine Gegenwart so nötig ist ? « fragte der Baron . » Das ist ' s ja eben « , antwortete Eberhardt statt ihrer . » Sie sagt , sie habe einen Brief aus Wien – aber von wem ? das hat man mir nicht anvertraut . « Die schöne Frau sah plötzlich verlegen zu Boden . » Genug , daß dem so ist « , erwiderte sie . » Es ist mir geschrieben worden , und ich werde reisen – auf jeden Fall . – Papa , darf ich morgen meinen Reisewagen einmal ansehen ? Er steht noch von damals hier . Hoffentlich ist