die Soldaten ihr Seitengewehr und die Offiziere ihre Tressen zurück . Die Schlacht bei Liegnitz hatte nur zwei Stunden gedauert . 39 Um fünf Uhr früh war alles vorüber . Um neun Uhr marschierte bereits die ganze Armee den Russen unter Tschernitscheff entgegen . Noch am selben Tage wurden drei Meilen zurückgelegt . Archenholz , dem die vorstehende Schlachtschilderung im wesentlichen entlehnt ist , tut des Regiments Prinz Ferdinand – dessen glänzende und Ausschlag gebende Beteiligung an der Liegnitzer Affäre historisch feststeht – nicht Erwähnung . Überhaupt gehört unser Ruppiner Regiment nicht zu denen , die seitens dieses trefflichen Geschichtsschreibers ( dessen Darstellung des Siebenjährigen Krieges ich bei dieser Gelegenheit erneut mit dem allergrößten Interesse gelesen habe ) bevorzugt worden sind . Die Regimenter Itzenplitz und Manteuffel , Schwerin und Winterfeldt , Prinz Heinrich und Anhalt-Bernburg , vor allem das Regiment Forcade werden wiederholentlich genannt , auch andere noch , aber dem Regiment Prinz Ferdinand ist nicht eine Zeile gewidmet . Die Billigkeit erheischt hinzuzusetzen , daß mit Ausnahme der Liegnitzer Schlacht die Aktion des Regiments nirgends eine hervorragende gewesen zu sein scheint . 1761 war es noch in Polen und Pommern , namentlich vor Kolberg tätig ; 1762 nahm es an der Belagerung von Schweidnitz teil . Dann kam der Frieden . Über das Garnisonsleben , das nun eintrat , spreche ich erst weiter hin , davon ausgehend , daß die Formen dieses Lebens nach der Rheinkampagne nicht wesentlich anders waren , als nach dem Siebenjährigen Kriege . Das Regiment Prinz Ferdinand während der Rheinkampagne 1793 und 1794 1792 war das Regiment mit unter den Truppen , die am 19. August 42000 Mann stark die französische Grenze überschritten und etwa drei Wochen später in die Champagne einrückten . An der Spitze des Regiments stand damals Oberst von Koschitzky 40 , der wahrscheinlich schon aus der Zeit des Siebenjährigen Krieges her dem Regiment angehörte . Wenigstens finde ich in der ältesten , mir bekannt gewordenen Rangliste : » Zustand der preußischen Armee , 1778 « von Koschitzky als ältesten Kapitän . Sehr wahrscheinlich war das Regiment mit bei Valmy ( 20. September 1792 ) , doch fehlen in den Aufzeichnungen , die mir darüber zugänglich waren , alle bestimmteren Angaben . Erst 1793 , während des eigentlichen Rheinfeldzuges , geschieht des Regiments speziell Erwähnung . Es war bei der Kanonade von Ginsheim , später bei der Blockade und Belagerung von Mainz . Die Erstürmung der Zahlbacher Schanze und nach der Übergabe von Mainz die zweimalige Wegnahme des Kettricher Hofes geschah durch das Regiment , welches auch bei der Diversion in die Vogesen die Avantgarde machte . Das 2. Bataillon vertrieb den Feind vom Igelberge bei Lembach . 1794 wurde die Leibkompanie des Regiments » auf dem Sande « von einem weit überlegenen Feinde angegriffen , hielt aber das Feuer desselben mehrere Stunden lang standhaft aus , ohne ihren Posten zu verlassen . Das ganze Regiment war bei dem Angriff auf Lautern und Trippstadt . Ferner war das erste Bataillon bei Johanniskreuz . Es warf den mit überlegener Macht angreifenden Feind und hielt ihn so lange , bis eine allgemeine Retraite erfolgte . So die spärlichen Aufzeichnungen aus jener Zeit , die wohl nur mit Hilfe von Kriegsministerialakten oder von Briefen und Tagebüchern erweitert werden können . Andere Truppenteile , trotzdem das Regiment Prinz Ferdinand keineswegs zu den » unliterarischen « gehörte , sind nach dieser Seite hin vom Glück begünstigter gewesen . So beispielsweise das Regiment Herzog von Braunschweig in Halberstadt . Aus der Feder Karl Friedrichs von dem Knesebeck ( des späteren Feldmarschalls ) , der , nachdem er anfänglich als Junker im Infanterieregiment von Kalckstein gestanden hatte , dem vorgenannten Regimente Herzog von Braunschweig angehörte , existieren zahlreiche Briefe , die speziell über die Kriegsereignisse von 1792 bis 1794 die interessantesten Mitteilungen machen , aber Regiment Prinz Ferdinand , unter dessen jüngeren Offizieren sich ein Bruder Karl Friedrichs von dem Knesebeck befand , mußte auf solche Auszeichnungen verzichten . Die Taten , die unberichtet bleiben , sind nicht viel anders wie nicht geschehen . Das Regiment Prinz Ferdinand während der Friedensjahre von 1795 bis 1806 1795 kehrte das Regiment vom Rhein in seine alte Garnison zurück . Oberstleutnant von Tschammer , der es nach dem Rücktritte Koschitzkis während des größeren Teils der Kampagne geführt hatte , avancierte zum Obersten und von Glöden , du Rosey , von Seydlitz und von Byern waren um diese Zeit die vier Majore des Regiments . Von Tschammer blieb Kommandeur bis 1800 oder 1801 . In diesem Jahre ging das Kommando an Major von Böhmken oder Bömcken ( beide Schreibweisen kommen vor ) über , der auch , inzwischen zum Obersten avanciert , 1806 das Regiment bei Auerstedt führte . Die Friedensjahre , die zwischen 1795 und 1806 lagen , scheinen glückliche Jahre gewesen zu sein . Die Stadt wuchs nach dem Brande von 1787 schöner wieder auf und die lichtvollen Straßen und Plätze , die damals im frischen Anstrich ihrer Häuser noch mehr heiter als monoton wirkten , gaben dem ganzen Leben ein freundliches Gepräge . Die glückliche Eigenart der Personen , die an der Spitze der Bürgerschaft wie der Garnison standen , wirkte zu diesem günstigen Resultate mit . Oberst von Tschammer 41 gehörte in die Reihe jener Offiziere der alten Armee , die Pflege des Schönen , Sinn für die Wissenschaften und Eifer für das allgemeine Wohl mit straffer Haltung im Dienst zu verbinden wußten . Er rief eine Garnisonschule ins Leben , gewährte der Stadt bei ihren Anlagen und Verschönerungen mannigfache Hilfe , und war der erste , der in dem damals Tschammerschen jetzt Gentzschen Garten die friderizianischen Erinnerungen zu pflegen begann . Ein neuer Geist fing an , sich unter dem Einflusse französischer Ideen und Siege zu regen , aber freilich ragte das Alte vielgestaltig in das Neue hinein und während die Stichworte der » Freiheitsära « von Mund zu Mund gingen und Humanität und Toleranz den Inhalt jeder Ressourcenrede bildeten , regierte draußen der Zopf und der