deutete auf den brennenden Narbenstrich im Gesicht des Malimmes , » wenn du den da überstanden hast ! « » Drei Wochen Spittel hat er mich all weil gekostet . « Rasch fragte der Herzog : » Wann war das ? « » Grad einen Monat ist ' s her , daß ich aufgestanden bin . « » Nikodemus ! « Herr Heinrich drehte das Gesicht . » Hast du das gehört ? Ist das nicht seltsam ? « Einen Monat war es her , daß der Herzog an seinem hitzigen Fieber gelitten hatte , an einem Anfall seines Erbübels , vor dem die Ärzte ratlos standen . Und über Nacht war Herr Heinrich wieder genesen , man wußte nicht wie . » Was sagst du dazu ? « Der Kahlköpfige lachte . » Nicht viel , Herr ! Der helle Witz eines gesunden Menschen und die kranken , dunklen Dinge des Lebens haben nichts miteinander zu schaffen . « Der Herzog nickte ; doch die abergläubische Regung schien nicht völlig in ihm erloschen zu sein ; es war an dem scheuen Verwundern zu merken , mit dem er den Malimmes betrachtete . » Warum bist du den Nürembergern davongegangen ? « » Weil ich gern gesund bin , Herr ! In den Nüremberger Huschelgärten ist ' s arg parisisch zugegangen . Da bin ich lieber ein Deutscher blieben . « Herr Heinrich furchte die Brauen und nickte . Rasch griff er hinauf zu der Schulter des Söldners . » Gesund bleiben heißt ein Starker sein . Ja , Mensch ! Wahr deine Gesundheit ! « » Das tu ich , Herr ! Ich überfriß und übersauf mich nit . Regnet ' s Prügel , so deck ich mich . Wo ander Leut sich ärgern , tu ich lachen . Und mit den Weibern bin ich sparsam . Bloß daß man ledig wird seiner Plag . « Der Herzog betrachtete den langen Söldner . » Nikodemus ! Den seh dir an ! Das ist ein Mensch . « » Ja , Herr « , sagte Malimmes fröhlich , » oft ist mir selber zumut , als tät ich kein Viech nit sein . « » Soldest du bei meinem Hauptmann zu Plaien ? « » Da hab ich bloß Unterstand mit meinem Herrn . Und hab mich dem Hauptmann angetragen als Boten , weil ich ein fester Reiter bin . « » Magst du Hofmann werden ? Bei mir ? « » Ich hab einen guten Herrn , bei dem ich aushalt durch dick und dünn . « » Wer ist das ? « » Der Runotter von der Ramsau . Der ist in Fehd wider Berchtesgaden - « » So ? « Herr Heinrich lachte . » Hat flüchten müssen , und der Hauptmann von Plaien hat ihn unter Dach genommen . « Der Herzog sagte zum Tisch hinüber : » Schreib in den Brief hinein , daß ich dem Soldherrn dieses Boten gewogen bin . « Die Augen des Malimmes glänzten , als hätte er jetzt den Botenlohn empfangen , um dessentwillen er den jagenden Ritt getan und einen von den beiden Ackergäulen des Runotter zuschanden gehetzt hatte . Dem Kastellan , der bei der Türe stand , befahl der Herzog : » Man soll dem Mann da Trank und Speise reichen , als Botengab zehn rheinische Gulden ! « So verschwenderisch war Herr Heinrich selten . » Und für den Heimritt schenk ich ihm aus meinem Heerstall den Gaul , der nach meinem eignen Roß der beste ist . « Lachend faßte Herr Heinrich den Söldner an der Brust . » Bleib gesund , du ! Und wahr dich vor dem Galgenholz ! Ich kann nicht jedesmal als Schutzengel dabeistehen , wo man einen hinaufzieht . Und alle Stricke reißen nicht . « Heiter sah er dem Söldner nach , der mit dem Kastellan die Stube verließ . Als die Türe geschlossen war , ging der Herzog mit flinkem Schritt auf ein offenes Fenster zu , atmete tief und blickte eine Weile in die schöne Morgensonne hinaus . Dann fragte er über die Schulter : » Du ? Wie sagt der Lateiner bei einem guten Zeichen ? « » Omen accipio . « Herr Heinrich nickte . » Omen accipio ! Gott hat mir heute zeigen wollen , wie gesund ich bin . Und jetzt leg ich mich schlafen . Mach die Briefe fertig ! Und kommt der Hauptmann um die Weisung , so schick ihn zu meinem Bett . Mit dem Haller Füchslein mache , was du willst . Du weißt ja , wie ich ' s meine . « Als der Herzog rasch davonging , erhob sich der Kahlköpfige zu einer Verbeugung . Lauter und lauter wuchs der Lärm in den Burghöfen . Eine halbe Stunde später wurde Franzikopus Weiß aus der Herberg ins Schloß geholt . Bei seinem langsamen Anstieg durch die Burghöfe konnte er den Kriegshaufen schätzen , der da zum Ausmarsch geordnet wurde . So viel Hilfe hatte der heilige Zeno sich nicht ersehnt ; doch Franzikopus konnte lächeln ; schon im ersten Grau des Morgens waren seine beiden Boten , die zwei dienenden Brüder , mit den Briefen an Herzog Ernst zu München und Herzog Ludwig zu Ingolstadt als harmlose , unauffällige Bettelmönche zum Tor hinausgeschlüpft . In der Schreibstube des Nikodemus erwartete den Kaplan der armen Chorherren von Hall eine etwas unklare Sache - ein Vertrag des Wortlautes : » Auf inständiges Bitten des heiligen Zeno stellt Herzog Heinrich für den Schutz andächtiger Wallfahrer zwanzig Rosse und sechzig Spießknechte mit sechs Faustbüchsen zu Diensten , ohne Wissen , in welcher Weise der heilige Zeno diese Hilfstruppe zu verwenden gedenkt ; bei vorkommendem Mißbrauch von sehen des Heiligen entschlägt sich Herzog Heinrich jeder Verantwortung vor Gott , Papst und König . « Franzikopus machte den Einwurf , daß Herr Heinrich von vierzig Pferden , hundertzwanzig Spießknechten und einer Kammerbüchse gesprochen hätte . Ruhig erwiderte Nikodemus : » Mein gnädigster Fürst hat