deiner Freundin ! « Nun erbarmte sie mir doch ; denn sie wurde erst rot , dann bleich und sagte bloß halblaut : » Geh zu , - boshafter Mensch ! « Worauf sie der Gregori noch einmal spöttisch ansah und dann zu einer der Gruppen trat , bei denen es am lautesten zuging . Ich aber blieb nun bei der traurigen Jungfer , setzte mich neben sie und fing ein Gespräch mit ihr an . Sie war nun recht freundlich , und wir unterhielten uns gar gut , indes ihre bleichen Wangen langsam wieder Farbe bekamen . Und ehe der Tanz wieder begann , fragte ich sie noch schnell um ihre Häuslichkeit und versprach , sie zum nächsten Sonntagskurs abzuholen ; darüber sie gar nicht ungehalten war . Mittlerweil wurde es gemach Zeit , daß wir ans Heimgehen dachten , und der Gregori nahm meinen Arm und zog mich aus dem Saal . Und also trabten wir gemütlich durch die matt erleuchteten Gassen und gingen heim , da schon die andern in weißen Hemdsärmeln um den Tisch in der Eßstube saßen und diskutierten , bis die Frau Meisterin im Sonntagsstaat mit Locken und silbernen Nadeln , mit gesticktem Mieder und goldener Riegelhaube eintrat und eine große Platte mit Würsten auftrug , jeden fragte , ob er auch in der Vesper oder im Rosenkranz gewesen wär , und daneben eine Schüssel voll Kraut herumreichte , indes der Meister am Kanapee lag , die Stirn in Falten zog und nach dem Bierkrug rief . Darauf ihm die Meisterin sein gottslästerliches Saufen vorhielt und ihn zu Bett brachte . So ging also der Tag um , der letzte , den ich als ein Malergsell verlebte ; denn schon der ander Morgen brachte mir ein Ereignis , das die Wahrheit des Sprichworts wieder einmal klar bewies : So sich einer die Suppen einbrockt , soll er sie auch auslöffeln . Im Turm Die Frau Meisterin hatte mir grad noch eine extrige Butterbretzel zu meinem Kaffeeweckl gelegt , nachdem ich ihr und dem Meister als erster einen guten Morgen gewunschen , da wurde draußen der schwere Türklopfer dreimal laut vernehmbar , und ins Haus traten zwei Gendarmen und ein Polizeidiener . » Mit Verlaub , Meister Behringer ! « sagte der Diener , da ihnen der Meister aufmachte . » Gut Morgen . - Haben was Fatals heut , - mit Respekt zu melden - ganz was Fatals . - Es soll nämlich - mit Verlaub - in Euerm Haus ein ganz gefährliches Individium - respektive - Subjekt sein , ein Erzspitzbub , Einbrecher , Straßenräuber und - mit Respekt zu melden - ein ganz gemeingefährliches Galgenfutter ! « Sprachlos starrte mein Meister die drei an , indes die Meisterin einen schwachen Schrei ausstieß und mit dem Seufzer : » Heiland ! I stirb ! « ohnmächtig mir in den Arm sank , der ich doch selber vor Schreck und Entsetzen wie ein Halm im Sturmwind schwankte ; denn ich hatte es im ersten Augenblick schon gewußt : die sind wegen deiner da , - jetzt kommt die Straf Gottes ! Ganz gebrochen und mit bebenden Händen half mir der fassungslose Meister seine Ehefrau aufs Kanapee legen und brachte nur die Worte heraus : » In mein Haus ! - In mein Haus ! - A Räuber in mein Haus ! « In diesem Augenblick kamen die Gesellen die Stiege herab , und einer um den andern trat in die Stube - starr und verwundert . In jener Stund hab ich auch ' s Beten vergessen und ' s Wünschen ; denn mein Schicksal schien mir besiegelt . Jetzt ists aus , - sagte ich mir ; - jetzt gehts dahin , und der Scharfrichter mißt dir jetzt gähend ein rots Halsbindl an , - anstatt daß d ' ein Künstler wirst und ein großer Herr ! Und überlegte also nur noch , wie ich meinem Meister die große Kümmernis ein wenigs abnehmen und mir die Schand ersparen kunnt , so vor dem ganzen Haus in Ketten gelegt und verarretiert zu werden . Nahm also meine Kraft zusammen und wandte mich an die Gendarmen : » Verschonts doch die armen Leut ! - Kommts da raus , - ich will euch über alles Aussag geben ! « Sie mußten mich für den Sohn des Hauses halten ; denn sogleich gab der Diener den beiden Gendarmen einen Wink , befahl , daß jeder Gsell in der Stube bleibe , und folgte mir auf den Gang hinaus . » Ihr kennt wohl alle , die hier in Arbeit stehen ? « fragte er mich alsdann . » Ja ! « erwiderte ich bebend . » Nennt den Namen ! « Da kams auch schon wie die Posaun vom jüngsten Tag : » Johannes Schröckh , Malergesell , geboren und katholisch getauft im Jänner des Jahres 1786 zu Traunstein in Baiern . « Alles Blut war aus meinem Gesicht gewichen ; eine Schwäche faßte mich , und ich mußte mich an das Stiegengeländer lehnen , um nicht zu sinken . Und sagte weiter nichts , als : » Es stimmt schon ; nehmts mi nur gleich mit ! - Ich bin der Johannes Schröckh gewesen . « Verblüfft sahen mich alle drei an ; aber ich hielt ihnen meine Händ hin zum Fesseln und sagte : » Es ist schon so . Ich heiß zwar Mathias Bichler , - aber ich bin unter dem Namen Schröckh da in Arbeit gestanden . - Warum , - das kann ich euch nit sagen ! « » Das kann man glauben und nicht glauben ! « meinte nun der Polizeidiener . » Da muß ich schon eine Gwißheit drüber kriegen ! « » Die sollts gleich haben ! « erwiderte ich und wollte hinaufgehen in die Kammer , meinen Passierschein aus dem Ranzen zu holen . Aber in eben dem Augenblick trat der Meister aus der Stube , blickte wild von einem zum andern und sagte endlich grollend : »