wußte nicht , daß die buddhistische Lehre im Grunde auf Vernunftsschlüsse hinzielt « , sagte er . » Die vollkommene Reinigung von sentimentalen Motiven hat die modernisierte Schule des Buddhismus erbracht . Es ist ein nüchterner Kodex edler Lebensführung , den sie umschließt . Milde , Verstand und Wissen , logische Ergebung sind ihre Ziele . Untätigkeit bringt sie nur im Sinne einer Loslösung vom Gemenge weltlichen Getümmels mit sich , - dafür rastlose innere Mission an sich selbst . Das ist ihr Sinn . Und ihr letzter Schluß : das Seelenheil - erreichbar hienieden , - durch Verstand und Maß . Keine geheimnisvollen Riten , keine mystische , sondern eine vernünftige Ergebungstheorie , keine Gottgläubigkeit und auch keine Spekulation auf Nirwana mehr . Eine hochherzige , von Aberglauben gereinigte , vorwiegend intellektuelle Lehre . « » Geben Sie mir mehr , - noch mehr davon « , stieß Hoffmann hervor , und sein Auge hing , wie der Blick eines Verdurstenden an der labenden Frucht , am Mund der Erzählers . Mit ernster Freundlichkeit erwiderte Herr von Bredow : » Sie haben mich darnach schon so oft gefragt , mein Freund , und ich konnte Ihnen immer nur Stückwerk geben . Aber es existiert jetzt eine von der buddhistischen Gesellschaft Großbritanniens und Irlands ins Leben gerufene Aktion , die die Verbreitung des modernen Buddhismus bezweckt . Einzelne von ihr entsandte Propagandisten sollen auch schon auf dem Kontinent sein . Ich werde mich erkundigen , wo sie zu finden sind und es Sie wissen lassen . Sie können dann dort direkten Anschluß suchen . « Hoffmann versank in tiefes Sinnen ... Olga wandte sich an die Baronin . » Ich habe Ihre Verse im Manuskript lesen dürfen . Ich glaube , Sie sind stark in der Anschauung und ruhig und klar im Wort , - trotz der leidenschaftlichen Gefühle , die Sie ausdrücken . « Die Baronin neigte dankend den Kopf . Die großen Pupillen , mit der flimmernden Iris , begegneten einen Augenblick den dunklen und doch so klar durchleuchteten Augen des Mädchens . Herr von Bredow sprach mit Stanislaus über das Problem der Stiefvaterfamilie , das ihn beschäftigte . Er riet ihm eine Reise durch Deutschland und empfahl genaue , statistische Untersuchungen . Olga sah , wie Stiller wieder eintrat . Er nickte ihr , zu , legte seinen Sommerüberzieher und das steife , schäbige Hütchen ab und nahm in einer entfernten Ecke Platz , wo er einen Berg von Zeitungen vor sich auftürmte . Als die Baronin und Herr von Bredow aufbrachen , lud die Baronin die Geschwister , Dr. Emmerich und Werner Hoffmann ein , sie zu besuchen . » Sie sind uns ja kein Fremder mehr « , sagte sie zu Werner . Werners Blicke umglitten scheu die Hoheit ihrer Gestalt . Er neigte den Kopf , wie in Ergebung , als leiste er , einer höheren Macht gegenüber , keinen Widerstand mehr ... Dann ging er an den Kleiderständer und holte den Pelzmantel der Baronin . Olgas Blick folgte ihm . Plötzlich überkam sie ein Gefühl , wie einen Menschen , den , im Meer , eine hohe Welle erfaßt , die er herankommen sieht , bis sie ihm den Atem und die Besinnung nimmt , während sie ihn brausend überflutet : sie glaubte eine Sekunde lang gesehen zu haben , als streiche Werners Hand , - heimlich und zitternd , - über das schimmernde , schwarze Sealfell des Pelzes , den er dann langsam vom Haken hob ... Als sie gegangen waren , sprach man von der Ehe der Baronin . » Sie war die Tochter einer verarmten Offiziersfamilie « , berichtete Werner » und ernährte sich durch Bureauarbeit . Die Entbehrung zwang sie auch , im Kabarett aufzutreten , wo sie ihre Gedichte vorlas . Hier sah sie Baron von Kellenberg . - Sie leben nicht gut zusammen « , fügte er kurz hinzu . » Woraus schließen Sie das « , fragte Stanislaus . » Sie sagte mir einmal , « entgegnete Werner nachdenklich , » sie wäre oft böse und gereizt gegen ihren Mann , und darum « - es kam fast drohend über seine Lippen - » möchte sie ihn lieber verlassen . « » Weil sie böse gegen ihn ist , möchte sie ihn verlassen ? « fragte Stanislaus . » Leuchtet Ihnen das nicht ein , « antwortete Werner , ungewöhnlich schroff , » Menschen , die unser Wesen reizen , passen nicht für uns . « Niemand hatte etwas zu sagen . Nach einer beklommenen Pause fragte Werner nach Olgas Zeitung ; ob denn gute Beiträge zu beschaffen seien . - Sie nannte einige Namen . » Zuviel vom Frauenklub « , meinte er stirnrunzelnd . » Welchen Frauenklub meinen Sie ? « » En bloc gesprochen . - - Sie müssen vor allem trachten , - moralische Probleme zu erörtern ; aber freilich , hier versagen die Frauen . « Ein kalter Glanz kam in ihre Augen . Der Kopf , der trübe und schwer gesenkt gewesen , hob sich . » Dann müssen Sie noch weiter gehen « , sagte sie , mit bebender Stimme , - » und behaupten , daß Frauen auch niemals im Sinn einer tieferen Moral zu verfügen wissen . « » Wie - persönlich « ! Er hob wie abwehrend die Hand . » Um Phrasen so allgemeiner Art ins rechte Licht zu setzen , ist das notwendig . « Sie rang sich die Worte ab . » Falsch - falsch « , sagte er und machte wieder die abwehrende Geste . Ein Schauer überlief sie . Von der fröstelnden Haut drang diese Kälte in ihr Innerstes . » Wie spät ist ' s ? « , sagte sie müd . Es war über Mitternacht . Drüben sah sie Stiller aufstehen und sich ankleiden . Da er zögernd zu ihr hinblickte , verließ sie ihren Platz und ging zu ihm hinüber . » Auf Wiederschaun , Freil ' n