gefunden . Er sah rein nichts sonst . Er fühlte nur , als wenn jetzt der letzte Zwang plötzlich gewichen und er frei geworden wäre zur eigensten Betriebsamkeit . Dazu kam , daß Johanna einen echt mütterlichen Zug hatte . Sie begann für Einhart zu sorgen , um den sich all die Jahre nur höchstens einmal eine gutgelaunte Wirtin zufällig umgesehen . Jetzt saß Johanna stundenlang bei ihm am Tage und versah allmählich alles . Es war garnicht gut für Einhart . In der ersten Zeit kam deshalb Einhart wochenlang nicht mehr auf die Straße . Und bald hatte sich Einhart an Johannas Anwesenheit derartig gewöhnt , daß er rein nichts zu tun vermochte , wenn nicht die ein wenig dumpfe , kindliche Plauderstimme um ihn und in seine Arbeit hineinfloß . Doktor Poncet kannte Johanna jetzt auch längst . Er hatte sie auch gleich gern gehabt . Ihm war unsäglich wohl nur schon deshalb , weil ihm in den beiden Räumen , von denen der Atelierraum groß und geräumig war , nichts als eine arglose Menschlichkeit und ein rechtes Lebensvergnügen entgegenkam . Daheim bei ihm war das anders . Er saß oft lange in seinen weiten Mantel gehüllt auf irgend einem Kasten voll Skizzen und sah , wie Einhart , gespannt äugend und sein und spitz lächelnd , die Farben auf die Leinwanden hinbrachte , und sah Johanna an , wie sie unterdessen um den kleinen Eisenofen herumhantierte oder das Teetablett oder sonst etwas herzutrug . Einhart hatte jetzt einigermaßen auskömmlich zu leben . Obwohl das auch noch schwankte , was ihn garnicht weiter anfocht . Denn jetzt , wo er mit Johanna lebte , war er schnell in eine wahre Arbeitsleidenschaft hineingerissen . Daß Bild um Bild aus dieser Erhitzung aufging . Und auf allen Bildern erschien jetzt Einhart und Johanna . Einhart malte jetzt sich in allen möglichen Schicksalen und Gefühlen , und immer Johanna dazu , als eine süße , selige Begleitung , als die eigentliche Melodie des Lebens , um die es sich allein lohnte , solcher Musik zuzuhören . Er malte Johanna als schwebende Vision gegen den lichten Himmel , oder in paradiesischer Nacktheit selig und schön unter Blumen , oder mit Kindern ein neckisches Spiel auf freien Wiesen treibend , immer in hellen Tönen sie , immer ihre großen Kindsaugen mit den erstaunten Blicken , immer auch mit der ganzen Drolligkeit ihrer entzückenden Anmut . Und allenthalben auf den Bildern stand er irgendwo in der Nähe Johannas , wie ein trutziger Ritter , dem man das Frühlingsglück der holden Frau nicht mit einem Augenzucken nur trüben durfte . Der Ausdruck des strengen Wächters über seiner Liebe ging durch alle Bilder hindurch . Der sanfte , arbeitversunkene , spitzlächelnde Einhart wußte es gar nicht , daß einer immer jetzt sich so fehdehaft und kampfsicher aus ihm hinausgab . Doktor Poncet stand oft heimlich erstaunt über die Fülle und Kraft solchen Ausdrucks , und über die schwebende Seligkeit , die durch solche Kontraste sich ins Blut schrieb aus den durchaus stummen Malerspielen . Alle Dinge haben eine Sprache . Jede Sprache schlägt nur die Tasten der Seele an . Immer sind wir es , in denen die Erkennung aufwacht . Alle Dinge können jenes heimliche Leben wecken , daß es in uns von ihnen redet , wenn sich die Seele ihnen nur innig genug dargeboten . Die Sprache der Rede ist nur eine unter tausend . Deshalb saß jetzt auch Poncet oft stumm und sann und horchte in die Leinwanden Einharts . Er fühlte genau , welche Ketten und Bande bald sich zwischen Einhart und Johanna gewoben . Er fühlte vor allem , daß an solcher wesenhaften , innigen Verstrickung niemand hätte rütteln dürfen , es wäre denn um Einharts Einfalt getan gewesen . Ein heißer , niederträchtiger , hassender , zäher Zigeuner womöglich wäre aus ihm herausgesprungen , wie der , den er mit einem Dolche unter der Glutrose und mit dem blitzenden Glutblick schon gemalt hatte . Und Johanna sah jetzt um sich wie einen Garten aus allerlei Pracht . Aus jeder Umhegung lächelte sie . In jeder Laube saß sie als Glück . Allenthalben wandelte sie als Selige hin . Sie war umklungen und umsungen von ihrem eigenen Scheine und Glänzen . Ein jeder Hauch im Räume sagte es ihr stumm , daß Einhart wie ein Toller und Ausbund war , der nichts anderes sonst denken konnte , als ihrer Liebe Lied in alle Himmel zu singen , sie zu Preisen in den Hymnen seiner Farben und Bilder und nichts sonst . Und sie lächelte heimlich , wenn es aus den Bildern redete , daß er zum Mörder oder Räuber werden könnte gegen jeden , der es wagte , auch nur wie eine Wespe oder Motte sich in den Glanz seines Glückes zu verfliegen . Aber Einhart war jetzt recht eigentlich wieder ganz Kind . Er liebte , wie Kinder lieben mit spielender , strahlender Verklärung . Denn wahrhaftig , er fand nach außen gar keinen Anlaß gegen jemand sich zu verwahren . Es störte ihn niemand . Er lebte ganz einsam mit Johanna . Und sie war täglich liebend um ihn und zärtlich dienend in allem . Doktor Poncet , der einzige , der kam , war ein ganz anderer Mensch als Einhart . Poncet hatte die Liebe in der Welt reichlich genossen . Er staunte in das kindliche Spiel , das sich in Einharts Werkstatt darbot . Er war müde der Liebe , kann man sagen . Heiß , wie er gewesen , hatte er die Leidensfeuer längst in Asche gelegt . Er fand kein Genügen mehr im Rausche . Er lächelte nur manchmal ein wenig ätzend , wenn er Einhart und Johanna plaudern hörte . Aber Einhart war in seinem tätigsten Behagen , daß man ihm zum ersten Male seit jenen Tagen , wo er einst nach Zigeunern ausgezogen , den Lächler wieder ganz ansah . Johannas Nähe hatte ihn richtig zu einem kecken Jungen gemacht . Und als