ihn zu meiden . Als wir beide gut und bequem untergebracht hatten , ritten wir weiter , der Brunnenecke zu , an welcher jetzt das Feuer aufloderte . Der Scheik sah uns und kam uns höflich entgegen . Zwar begrüßte er uns nicht mit einem Marhaba99 , denn wir waren ja seine Feinde ; er machte überhaupt keine Worte , aber diese stille Art und Weise drückte ebenso viel Achtung aus , als er uns hätte durch die Rede erweisen können . Um so lauter aber war einer , der vom Feuer , wo er saß , aufsprang und gar nicht wartete , bis ich abgestiegen war , sondern mir beide Hände entgegenstreckte und dabei in frohem Tone rief : » Endlich , endlich sehe ich dich , Effendi ! Ich wußte , daß du unbedingt kommen und mir helfen würdest ; aber die Zeit wurde mir doch recht lang , zumal mit ihr mein Blut hinfloß ! « Es war der Perser . » Du hattest also deine Hoffnung auf uns gesetzt ? « fragte ich . » Ja , nur auf dich , denn eine andere gab es nicht . Ich erfuhr vorhin , daß der Scheik dir mitgeteilt hat , was man mit mir beschlossen hatte , und habe also nicht nötig , es dir zu erzählen . Nur eins muß ich dir sagen , damit du weißt , woran du bist : Die Mekkaner sprachen davon , daß ihr kommen würdet ; ich hütete mich aber , zu verraten , daß ich euch getroffen und mit euch gesprochen hatte . Du hast mir das Leben gerettet . Von meinem Danke wirst du nicht jetzt , sondern später hören ! « » Du hast mir nichts , gar nichts zu verdanken . Es war Allahs Schickung , daß dein Weg mit dem unseren zusammenstieß , und wenn dir dadurch das Leben erhalten wurde , so wende dich nicht an mich , sondern an ihn ! Wo sind deine Asaker ? « 100 » Gefangen , an einem Orte , den ich nicht kenne . « » Du aber bist frei ? « » Ja . Als der Scheik vor kurzem von seinem Ritte zurückkehrte , wurden mir die Fesseln abgenommen und die geöffneten Adern verbunden . Ich hätte mich unbedingt während der Nacht verblutet . « » Hat dich der Blutverlust bis jetzt angegriffen ? « » Doch ! Ich bin ziemlich schwach , werde aber sehr bald nichts mehr davon merken . Komm mit mir an das Feuer , und sag mir , wie sich alles zugetragen hat , und was geschehen wird ! Ich hörte , daß es einen dreifachen Zweikampf geben soll . Ist das wahr ? « Scheik Tawil Ben Schahid hatte sich wieder bei dem Feuer niedergesetzt ; wir nahmen , als ob sich das ganz von selbst verstehe , neben ihm Platz , Halef und Kara auch . Unsere Haddedihn lagerten sich in geringer Entfernung von uns . Die Beni Khalid bildeten zerstreut rundum liegende Gruppen . Sie unterhielten sich sehr eifrig , doch nicht so laut , daß wir etwas verstehen konnten . Die Mekkaner endlich saßen abgesondert an der Brunnenmauer beisammen , ganz nahe bei uns . Sie hörten jedes Wort , welches wir sprachen . Hierauf gar keine Rücksicht nehmend , beantwortete ich die Frage des Persers : » Ja , es ist wahr . Wir haben die drei Betreffenden schon bestimmt . « » Wer sind sie ? « erkundigte er sich weiter . » Scheik Hadschi Halef Omar , Kara , sein Sohn hier , und Omar Ben Sadek , einer unserer Krieger . « » Wie und mit welchen Waffen soll der Kampf stattfinden ? « » Das ist wohl erst noch zu bestimmen . « » Auf Tod und Leben ? « » Ja . « » Allah ! So bin ich schuld , daß diese drei ihr Leben für mich wagen müssen , und kann doch nichts dafür ! Denke dir , diese diebischen Hunde haben ihren Raub unterwegs in der Wüste versteckt ! Selbst wenn ihr siegt und meine Asaker wieder frei werden , haben wir den weiten Ritt umsonst gemacht und bekommen die gestohlenen Gegenstände nicht wieder ! « » Darüber hast du zu schweigen ! « gebot ihm der Scheik der Beni Khalid . » Die , welche du beschuldigst , hören deine beleidigenden Worte ; das darf ich nicht dulden , denn sie sind meine Freunde und Gäste . Wenn du in dieser Weise weitersprichst , nehme ich mein Wort zurück und lasse dir die Adern wieder öffnen ! « Vielleicht war es zu kühn von mir , aber ich durfte um unsertwillen ihn nicht in dem Glauben lassen , daß er hier der alleinige Gebieter sei , und erwiderte ihm darum in zwar ruhigem aber doch sehr bestimmten Tone : » Gestatte mir , o Scheik , daß ich da anderer Meinung bin ! Habe ich auf eines der Rechte , welche ich besitze , hier zu verzichten ? « » Nein , « antwortete er . » Gut ! Wenn die Mekkaner deine Freunde sind , so ist er der meinige . Er wurde gegen dich ausgetauscht und ist also ein ebenso freier Mann wie du . Ein freier Mann aber darf auch frei sprechen , und wenn er damit jemanden beleidigt , so mag dieser jemand sich dagegen wehren ; einem andern aber geben wir die Erlaubnis nicht dazu ! « » Ob ihr es mir erlaubt oder nicht , das ist mir gleich , « entgegnete er stolz . » Hier an diesem Brunnen bin ich der Herr , und wenn meine Gäste beleidigt werden , so bin auch ich beleidigt und werde das bestrafen . Ich wiederhole , daß ich diesen Schiiten wieder fesseln lasse , wenn er nochmals ähnliche Worte sagt ! « » So thue ich mit dir dasselbe ! « » Was ? « » Ich nehme auch dich wieder fest