Nester auf unserm Haupte bauen . Ja , Schwager , es bleibt dabei , Christine , so vieler Tugenden sie sich rühmen darf , eine hat sie nicht , sie hat nicht die der Demut , und genährt und großgezogen in der Vorstellung einer besonderen Rechtgläubigkeit , von der sie beständig Heilswirkungen und Erleuchtungen erwartet , kommt sie natürlich nicht auf den Gedanken , daß sie , gleich anderen , auch irren könnte . Sie hat Asta nach Gnadenfrei gebracht und Axel nach Bunzlau , das sind Taten , die Schwächen und Irrtümer ausschließen , Irrtümer , denen andere , die statt nach Herrnhut nach Kopenhagen reisen , ein für allemal unterworfen sind . Und nachdem ich so meine Verteidigung geführt und gegen den Schluß hin , mehr , als mir lieb ist , die Rolle des Angeklagten mit der des Anklägers vertauscht habe , verabschiede ich mich und lege meine Sache in Deine Hand , vollkommen sicher darin , daß Deine Klugheit und vor allem auch die Liebe , die Du gleichmäßig für mich wie für Christine hegst , alles zum Guten hinausführen wird . Und damit Gott befohlen . Wie immer Dein Dir herzlich ergebener Holk « Als er die Feder aus der Hand gelegt hatte , nahm er den Bogen und stellte sich ans Fenster , um alles , Zeile für Zeile , noch einmal durchzusehen . Er fand manches auszusetzen und murmelte , wenn ihm dies und das nicht zusagte , » fast so doktrinär wie Christine « ; der Schluß aber von der » besonderen Rechtgläubigkeit « gefiel ihm und mehr noch die Stelle von der » eingebüßten Unbefangenheit « , eingebüßt , » weil es , sobald man erst unter Anklage stehe , keinen Unschuldsgrad gäbe , da einen gegen Zweifel und gelegentliche Selbstvorwürfe sicherstelle « . Sein Auge weilte wie gebannt darauf , bis zuletzt die Befriedigung darüber hinschwand und ihn nichts mehr daraus ansah als das Bekenntnis seiner Schuld . Fünfundzwanzigstes Kapitel Die schönen Tage , die , seinem Ruf zum Trotz , fast den ganzen November über angedauert hatten , schlossen mit dem Monatswechsel ab , und heftige Nordweststürme setzten ein , nur dann und wann von Regenschauern unterbrochen , die freilich oft schon nach wenig Stunden einem neuen Nordwester Platz machten . Dieser Wetterumschlag änderte natürlich auch das Leben im Schloß ; alle Spaziergänge , die sich nicht selten bis Fredensborg und südlich bis Lilleröd ausgedehnt hatten , hörten auf , und an die Stelle der halb dienstlichen Vereinigungen in der großen Herluf-Trolle-Halle traten jetzt kleine Reunions , die sich zwischen » hüben und drüben « oder , was dasselbe sagen wollte , zwischen den beiden Türmen teilten und an einem Abend bei der einen , am andern bei der anderen der beiden Hofdamen stattfanden . Die Prinzessin hatte dies eigens so gewünscht , und die Schimmelmann , so steif und zeremoniell sie sonst sein mochte , war als Wirtin von großer Liebenswürdigkeit , so daß ihre » Abende « mit denen Ebbas wetteifern durften . Die Zusammensetzung der Gesellschaft war immer dieselbe : voran der Hofhalt der Prinzessin , dazu das Schleppegrellsche Paar und die beiden Adjutanten des Königs , von denen Lundbye sich auf den Hof- und Lebemann , Westergaard auf den Freisinnigen hin ausspielte , kleine gesellschaftliche Nuancen , die den Reiz des Verkehrs mit ihnen nur noch steigerten . Ja , man sah sich täglich , immer nur zwischen dem Links- und Rechtsturm wechselnd , und wie die Zusammensetzung der Gesellschaft dieselbe war , so war es auch die Form der Unterhaltung , die sich auf Lustspiele lesen und Deklamation und , wenn es hoch kam , auf ein Stellen von Bildern beschränkte . Dann und wann , schon um Pentz und der Schimmelmann willen , wurde auch eine Whistpartie beliebt , die dann , nach dem Abendbrot , in ein kleines , sehr harmloses Hazard überging . Ebba gewann immer , » weil sie « , wie sie sagte , » Unglück in der Liebe habe « . Man war heiter bis zur Ausgelassenheit , und während selbstverständlich über das ewige Sturm- und Regenwetter und mehr noch über die nicht enden wollende Krankheit der Prinzessin geklagt wurde , gestand man sich doch gleichzeitig , daß man diesem angeblichen Unglück all das Glück verdanke , dessen man sich erfreute . So ging es bis den zweiten Advent ; da schlug das Wetter abermals um , und mit dem scharfen Nordost , der jetzt einsetzte , kam sofort auch bittre Kälte , die , gleich in der ersten Nacht , alle Tümpel und Regenlachen und schon den Tag darauf auch den kleinen Schloßsee mit Eis bedeckte . Dem Schloßsee folgte dann der breite , nach Ost und West hin mit dem Esrom- und Arre-See Verbindung haltende Parkgraben , und als abermals eine Woche später die Nachricht kam , daß auch die großen Seen selbst , an ihren Ufern wenigstens , mit starkem Eise belegt seien , wurde - nachdem Doktor Bie beschworen hatte , daß ein Ausflug bei blankem Wetter genau das sei , was die von » Schloß-Malaria « , so war sein Ausdruck , herrührenden Zustände der Prinzessin am ehesten beseitigen werde der nächste Tag schon für eine Schlitten-beziehungsweise Schlittschuhpartie nach dem Arre-See hin festgesetzt . Und nun war dieser Tag da , sonniger und frischer als alle voraufgegangenen , und kurz vor zwei traf man sich an der uns wohlbekannten Stelle , wo jetzt die Strickfähre eingefroren im Eise lag . Die , die sich daselbst zusammenfanden , waren zunächst die Prinzessin selbst mit Holk und Ebba , dann Schleppegrell und die beiden Adjutanten . Pentz fehlte , weil er zu alt , die Pastorin , weil sie zu korpulent war , während sich Erichsen und die Schimmelmann dem ziemlich scharfen Nordost , der ging , nicht aussetzen mochten . Aber auch diese vier hatten auf ein bestimmtes Maß von Teilnahme nicht verzichten wollen und waren in eine geschlossene Kutsche gestiegen , um ,