zu jedem Weihnachten einen neuen Kalender schenkte . Damit hätte der Alte wohl zufrieden sein können , denn er brauchte in der Tat nicht mehr - selbst in die Stadt zu fahren war er zu schwerfällig geworden , aber je prächtiger sein Leib gedieh , desto bitterer und verbissener wurde sein Gemüt . Stundenlang konnte er in sich hineinbrüten , und schrecklich war es anzusehen , wie er dabei mit den Zähnen knirschte und die geballten Fäuste schüttelte . Eine seiner fixen Ideen war , daß sein Sohn ihn absichtlich unterdrücke , damit er den Ruhm der großen Ideen , die er selber ausgeheckt , für sich in Anspruch nehmen könne , und je besser das Moor sich rentierte , desto wütiger rechnete er aus , wieviel seine Aktiengesellschaft eingetragen haben würde . Er kargte nicht mit den Millionen , er hatte es ja nicht nötig . - Aber noch andres wuchs in dem dunkelsten Grunde seiner Seele , ein Racheplan gegen Douglas , den er heimlich pflegte und großzog als sein eigenstes Geheimnis . Selbst die Schwiegersöhne , denen er sonst gern sein Herz ausschüttete , erfuhren nichts davon . Ulrich äußerte einmal zu Paul : » Nimm dich in acht , der Alte führt was gegen Douglas im Schilde . « » Was sollte das wohl sein ? « erwiderte er , scheinbar unbesorgt , wiewohl er sich schon manchmal darüber Gedanken gemacht hatte . Dumpf und stumpf lebte Paul seine Tage dahin . - Sein ganzes Innenleben war der platten Sorge um Gut und Geld verfallen , doch ohne daß er je an dem Erworbenen Freude gefunden hätte . Er besaß niemanden mehr , den er glücklich zu machen hatte , und arbeitete , ohne zu wissen , warum ? - wie der Ackergaul an seinen Strängen zieht , unwissend , was der Pflug tut , den er durch die Dornen schleppt . - Monate vergingen manchmal , ohne daß er einen Blick in seine Seele warf . Auch pfeifen tat er nicht mehr . Er fürchtete die Qualen , die die überströmende Empfindung ins Leben rief , aber auf die Zeiten , da er noch in Tönen mit sich zu sprechen vermocht hatte , sah er wie auf ein verlorenes Paradies zurück . Manchmal überkam ihn eine tiefe Bitterkeit , wenn er den Zweck seiner Arbeit , seiner Sorge , seiner durchwachten Nächte mit dem verglich , was er dafür hingeopfert . - Es schien ihm etwas ungeheuer Stolzes , Reiches , Glückbringendes gewesen , nur wußte er ihm keinen rechten Namen zu geben . Von diesem Grübeln befreite er sich am besten , indem er sich kopfüber in neue Arbeit stürzte , und lange Zeit verging , bis ihn die Krankheit wieder packte . Der Heidehof gedieh inzwischen prächtiger von Jahr zu Jahr : die Schuld an Douglas war getilgt , die Felder florierten , und auf den Wiesen weidete edles Rassevieh . Der ganze Hof sollte ein neues Gewand erhalten . Wohnhaus , Stall und Scheune , alles sollte von Grund auf erneuert werden . - Und eines Frühlings begann es im Hof zu wimmeln von Arbeitsleuten aller Art. Das Wohnhaus wurde niedergerissen , und während Paul für sich eine hölzerne Baracke zum Wohnsitz wählte , ließ der Vater sich leicht bereden , zu einem der Schwiegersöhne überzusiedeln . » Ich werde nicht mehr wiederkommen , « sagte er beim Abschiede , » ich bin nicht mehr imstande , dein verrücktes Treiben anzusehen . « Der erste aber , der sich im Herbst wieder einfand , war der Alte . Er setzte sich behaglich in seinen Lehnsessel und zog fortan auch die Schwiegersöhne in sein Schimpfregister hinein . - - Die mochten ihn freilich nicht mit Handschuhen angefaßt haben . » Nun hab ' ich keinen Platz mehr auf Erden , wo ich mein graues Haupt zur Ruhe legen könnte , « murrte er , während er sich faul in den Polstern streckte . Im nächsten Frühjahr kamen die Wirtschaftsgebäude an die Reihe , besonders die Scheune sollte sich zu einem Schaustück ländlicher Pracht gestalten , als Denkmal jener fürchterlichen Nacht , die der Mutter den Todesstoß gegeben hatte . Der Landmann , der nun über die Heide fuhr , machte wohl halt , um die blanken Gebäude , die mit ihren roten Ziegeldächern ihm schon aus der Ferne entgegengeleuchtet hatten , bewundernd von nah zu sehen , und mancher schüttelte bedenklich den Kopf und murmelte das alte Sprüchlein : Bauen und Borgen Ein Sack voll Sorgen ! Auf dem Moore draußen spie die » schwarze Suse « ihre schwarzen Wolken , die Messer der Schneidemaschine bohrten sich tief in den zähen Grund , und die Presse arbeitete langsam und schweigend wie ein gutwilliges Haustier . Ein neuerbauter Schuppen glänzte mit weißen Wänden im Sonnenlicht , und ringsherum erhoben sich die langen schwarzen Mauern des gepreßten Torfes . Die Ziegel waren hart und schwer , mit wenig Fasern und viel Kohle . Sie schlugen ohne Mühe die Konkurrenz aus dem Felde und gewannen einen guten Ruf bis nach Königsberg hin . Paul , der auf seinen Geschäftsreisen viel unter fremde Leute kam , genoß nun auch das Glück , als ein angesehener Mann begrüßt und von würdigen Gutsherren als ihresgleichen behandelt zu werden . Aber er hatte keine Freude mehr daran . Wenn man ihm freundschaftlich die Hand schüttelte , ihm Glück zu seinen Erfolgen wünschte oder sich seinen Besuch erbat , so fragte er sich im stillen : » Will der mich höhnen ? « Und obgleich er wohl sah , daß es den Herren ernst war , so fühlte er sich doch stets wie von einem Alp befreit , wenn man ihn gehen ließ . » Warum sind sie nicht früher gekommen , die Freundlichen ? « sagte er zu sich , » damals , als es mir nottat , als ich noch Nutzen aus jedem guten Wort ziehen konnte . Jetzt bin ich abgestorben , wie ein Stock - jetzt ist