Vergnügen , Herr Leutnant ! « Ihre ! Satansaugen funkelten und schleuderten ihm Blitze nach . » Gefall ' ich Dir so ? « rief sie ihrem Gatten zu , sich mit erhobenen Armen zwischen die Thürpfosten spreitzend und den Leib kokett schwingend , so daß die Linie von der Achselhöhle bis zur schlank erscheinenden Lende und von da über die Schenkel hinweg verführerisch spielte . Er sah sie an , nickte und atmete schwer . Sie ging in ihr Zimmer zurück , das als Empfangssalon für besondere Gelegenheiten diente und am entgegengesetzten Ende des Ganges auf der Hofseite lag . Der Preßbandit hatte sich wieder in die Briefschaften vertieft . Er bemühte sich vergeblich , das französische Schreiben des Bankiers noch einmal für sich zu entziffern und legte es dann kopfschüttelnd beiseit . » Für das Mitwissen wenigstens muß der Kravattenfabrikant Weiler Haare lassen , so viel steht fest ; bin ich Teilhaber des Geheimnisses , will ich auch Teilhaber des Profites sein , den ' s abwirft . Mein Leutnant ist in manchen Stücken faktisch gescheidter , als ich , sein General . Ausbeuten heißt die Parole . Was bringt ' s ein ? ist der Hauptgesichtspunkt in allem . Ich bin noch viel zu sehr Idealist . Und auch darin hat der Kropfer recht : man muß sich nach der Gefährlichkeit einer Sache bezahlen lassen . Den Franzosen Paillard muß ich nach ganz anders schröpfen . Daß ich ein Narr wäre , das Nilpferd für ein so Billiges an der Nase herumzuführen . Süddeutschland wimmelt von französischen Spionen , einer dümmer als der andere , aber die in München sind schon die dümmsten und filzigsten . Und wenn alle Informationen , die ihm mein Weib vermittelt , auch keinen faulen Radischwanz wert sind , so muß von nun an doch das Doppelte herausgeschlagen werden . Geld , Geld , Geld regiert die Welt , Kanonendonnerwetter . Das ist das einzige Positive . Ich werde dem Paillard den Standpunkt klar machen . Thu Gold in Deinen Beutel , viel Gold - wie Lessing sagt . « Und er saß lange in Gedanken und heißen Wünschen und verzehrender Gier nach Geld und Geldeswert , den Ellbogen auf die Briefe , den häßlichen , dicken Kopf auf die Hand gestützt . Weiter ! Das nenne ich eine elegante Zuschrift , fein und duftig wie ein Liebesbriefchen ; so drückt sich die Verehrung , welche der Absender für den Empfänger empfindet , schon im Äußern aus . Hören wir : Sehr geehrter Herr Redakteur Sie sind ein Meister des subtilen Totschlags ; schleichendes Gift , indianerhaft präparierte Pfeilspitzen , Dolche , Nadeln - alle Mordwaffen handhaben Sie mit bewundernswerter Treffsicherheit . Sie sind ein Unikum in der deutschen Presse . Wo Sie hinhauen , welkt die Blüte , verdorrt das Gras . Im Namen eines hohen Sportsmanns heische ich Ihre Dienste . Eine kleine , niedliche Künstlerin soll in seinem Auftrage wie ein Reh in das Revier Ihres Blattes getrieben und dort mit waidmännischer Kunst zu Tot gehetzt werden . Wollen Sie uns das Vergnügen machen ? Über das Honorar und das Übrige werden wir uns nach empfangener Zusage sofort verständigen . Antwort unter A.H. hauptpostlagernd München . Kanonendonnerwetter , diesmal gilt ' s in der That ein Meisterstück um Meisterlohn . Der hohe Sportsman hat sich an den Rechten gewandt . Wir werden mit einander zufrieden sein . ( Während des Antwortschreibens pfeift er den Refrain » Fest steht und treu die Wacht , die Wacht am Rhein « ) . Diesmal hoffe ich mich selbst zu übertreffen . Kanonendonnerwetter , da ist ja noch ein Postskriptum auf der andern Seite . Selbstverständlich verpflichtet sich mein ritterlicher Auftraggeber , seiner Generosität keine Schranken zu setzen , falls Ihnen in Ausübung Ihres Berufes in seinen Diensten irgend ein Unfall zustoßen sollte oder wenn Sie von irgend einem pedantischen Staatsanwalt wegen Jagdfrevels oder Thierquälerei gefaßt würden und ein bischen bluten oder brummen müßten . Sie werden für sämtliche unangenehme Folgen , welche Ihnen das kunstgerechte Tothetzen unseres lieben , niedlichen Rehs etwa zuziehen könnte , vollauf entschädigt werden ... Da sage noch einer , daß es keine Noblesse mehr in der Welt gibt ! Dieser Brief ist ein Dokument zum Küssen ... » Ah , Herr Chefredakteur , guten Morgen ! Ist ' s erlaubt , einzutreten ? « Der Preßbandit fuhr auf . » Sehr angenehm , Herr Paillard ! Es ist mir eine große Ehre , Sie wiederzusehen . Wir sind ganz allein , aber ich bin gerade sehr beschäftigt . In der Hitze des Gefechtes habe ich sogar einen für Sie bestimmten Brief erbrochen . « » Wie das ? Das ist ja sehr merkwürdig . « » Sehen Sie , unsere beiden Adressen standen hier nebeneinander . Der Irrtum ist erklärlich . Sie werden mir glauben , daß keine Absicht im Spiele war . « » Geben Sie her . « Nachdem er den Brief flüchtig gelesen , ohne die geringste Bewegung zu verraten , steckte er ihn zu sich mit den Worten : » Eine Kaprice von Monsieur Weiler , ganz ohne Bedeutung . « In Gedanken setzte er bei : » Verdammter Gauner von einem Winkeljournalisten . « » Verdammter Gauner , « dachte auch der Preßbandit in seinem Sinn . » Ich habe große Eile . Ihre Frau hat gewiß neue politische Liebenswürdigkeiten für mich ? Die bayerische Politik ist ja spannend wie ein Roman . Täglich neue Verwicklungen . Die widersprechendsten Gerüchte durchschwirren die Luft . Man munkelt sogar von einer Regentschaft . Der König soll entmündigt werden . Unerhört . Hoffentlich bestätigt sich das nicht . Das wäre zu fatal für unsere Pläne . Nein , nein . Was ich fragen wollte : was ist ' s denn mit diesem Baron Drillinger ? Ist er gewiegter Militär ? Hat er gute Verbindungen ? Genießt er Vertrauen ? Leicht zugänglich scheint er nicht zu sein . Ich habe ihn gestern beobachtet . Weiler war