der drohenden Gefahr zu entrinnen . Da griffen kräftige Arme unter seine Schultern . Gomez hob mit raschem Schwung den Halbermatteten an Deck . » Amigo « , sagte er , schwankend zwischen Rührung und Freude , » mi Amigo - doch Haifisch ! Gomez gerettet Roberto ! « Der Junge schlang beide Arme um den Hals des Kochs und küßte seine bärtigen Wangen . Was er sagte und was Gomez dagegen hervorsprudelte , das verstanden sie beide nicht , aber ihre Herzen fühlten es . Der französische Kapitän mußte von dem Zusammenhang der Dinge bereits unterrichtet sein , denn er schenkte mitleidig dem ganz durchnäßten und nur mit Hemd und Hose bekleideten Gast einen Anzug aus seiner eigenen Garderobe , ebenso ließ er ihm Branntwein und Fleisch geben . Gomez lachte mit Augen und Mund . Obgleich er zu den Räubern gehörte und keineswegs gewillt war , dies Leben mit einem anderen , besseren zu vertauschen , war er doch gutmütig wie ein Kind . Daß er den Hai erschossen hatte , machte ihm außerordentliches Vergnügen . Seine und Roberts Unterhaltung wurde aber sehr bald gestört . In allen Fugen des Schiffes knarrte und ächzte es , unter dem Kiel regte es sich , und dann spürte man einen plötzlichen Ruck , der die ganze Mannschaft aufatmen ließ . Die Blume von Frankreich war flott , und der Lotse konnte sein Amt antreten . Robert warf die neugeschenkte Mütze hoch in die Luft . Seine stürmische Freude entlockte allen Zuschauern ein teilnehmendes Lächeln . Als sich das Schiff mit frischem Wind von der Insel entfernte , als Gomez , obwohl er seit längerer Zeit nur noch den Kochlöffel geschwungen hatte , jetzt auf dem Achterdeck stand und in ruhig befehlendem Ton seine Kommandos gab , da packte es den Jungen wie wild . Was gesprochen wurde , das verstand er nicht , aber dennoch war er bei der Ausführung einer der ersten . In die Masten hinauf ging es , als hätte er den ebenen Erdboden unter den Füßen , und von oben herab jubelte er ein befreites Lebewohl den verschwindenden Ufern zurück . Wie ferne Schatten zogen die Erlebnisse der letzten vier Monate an ihm vorüber , all die Stunden voll bitterer , hoffnungsloser Verzweiflung . Er achtete nicht mehr darauf , um dieses Freiheitsgefühls , dieser Seligkeit willen versuchte er alles zu vergessen . Die Blume von Frankreich lag wohlbehalten im Hafen von Havanna vor Anker , und schon vor Anbruch des neuen Tages hatten Gomez und Robert das Schiff verlassen . Es bestand kein Zweifel , daß der Räuberhäuptling alles aufbieten würde , den Entflohenen wieder einzufangen und um seiner eigenen Sicherheit willen zu töten , daher mußte Robert versuchen , so rasch wie möglich an Bord eines anderen Schiffes zu kommen . Gomez schüttelte bedenklich den Kopf . Auf einem Segelschiff so schnell angemustert zu werden , hielt schwer , und eins zu finden , das gleich abfahren wollte , natürlich noch viel schwerer . Aber von hier fort mußte sein figlio , sein amigo und hermano ( Bruder ) , wie er ihn abwechselnd nannte , und daher durfte er es einmal nicht ganz so genau nehmen , mußte sich mit einem Dampfer begnügen und - Gomez schaufelte in der Luft . » Mi figlio , es nicht anders gehen . « Robert lachte über das komische Gesicht , in dem sich Schlauheit und Bedauern so sonderbar vereinigten . » Das schadet ja nicht « , sagte er gut gelaunt , » aber kennst du einen Dampfschiffskapitän , der mich mitnehmen würde ? « Gomez pfiff leise . Dann antwortete er in seiner Weise , daß an Heizern immer Mangel sei , und ging mit dem Jungen zu einer Art Fähr- oder Gasthaus , wo schon um diese Zeit reges Leben herrschte , das allerdings wohl nie erlosch . Hier schien er bekannt zu sein , denn manche nickten ihm zu , und endlich sprach er eifrig mit einem Mann , der in seinem Äußeren den deutschen Matrosen auf den ersten Blick verriet . Der sah zu Robert hinüber und nickte , indem er ein paar spanische Worte sprach , worauf Gomez den Jungen aufforderte , hier zu bleiben , bis er selbst wiederkommen werde . Das » no hablan ! « wurde noch flüsternd hinzugefügt , und dann verschwand er . Robert begriff sofort , daß ihm in dem Matrosen ein Beschützer gewonnen war , um so mehr fühlte er sich verpflichtet , über die Flibustier zu schweigen , ja sogar womöglich lieber nicht von seinem Aufenthalt auf der Insel zu erzählen . Das sollte ihm sehr leicht werden , da der Seemann nur ein paar gleichgültige Fragen hinwarf , ihm das Grogglas zuschob und dann in den Halbschlummer zurückfiel , aus dem ihn Gomez geweckt hatte . Der Koch kam auch sehr bald wieder und brachte seinen Schützling auf einen Dampfer , auf dem man deutsch sprach und der innerhalb weniger Stunden in See ging . Der Kapitän versprach für die etwa zehn- bis vierzehntägige Reise nach New York dem jungen Heizer einen Lohn von acht Dollar , und man war sehr bald handelseinig . Beim Abschied steckte der herzensgute Gomez noch in aller Geschwindigkeit seinem jungen Schützling ein paar spanische Goldmünzen in die Hand und wünschte ihm alles mögliche Gute . Sein addio , mi figlo ! war mit ziemlich unsicherer Stimme gesprochen , und auch Robert drückte wiederholt die Hand des Mannes , der ihn in schwerer Krankheit gepflegt , und dessen fester Arm ihm das Leben gerettet hatte . » Addio , Addio ! - - « Robert sah ihm nach , solange er seine Gestalt auf der Hafenmauer erkennen konnte . Wenn er auch ein Räuber und Ausgestoßener war , so hatte doch der Spanier ein warmes Herz , und das sicherte ihm die dankbare Zuneigung des Jungen . - - - Nach kaum zwei Stunden verließ der Dampfer den Hafen , und Robert stand mit der Schaufel