einer Weise , die Ihrer würdig ist und würdig des Rufes Ihrer Großmut und Freigebigkeit . « Freilich - auf diese war es abgesehen ! sagt Regula zu sich selbst . Mein Geld wollt ihr , nicht mich . Ihr unruhig umherschweifender Blick fällt auf den Brief , den sie eben geschrieben hat , und wie ein Blitz durchzuckt es sie ... Das ist ' s - da liegt die Lösung . Geschehe , was wolle , strafe sich ' s , wie ' s mag - was liegt an der Zukunft ? Der große Augenblick fordert sein Recht ! » Verständigen wir uns , Herr Graf « , spricht Regula ; » handelt es sich nur um meine Einwilligung zu der Verbindung der jungen Rosa mit Ihrem Sohne , oder erwarten Sie , daß meine Großmut und Freigebigkeit dieselbe ermögliche ? « » Mein Fräulein ! « rief der Greis auffahrend . Regula setzte mit erzwungener Gleichgültigkeit hinzu : » Wenn das letztere der Fall wäre , müßte ich Ihnen zu meinem Bedauern erklären , daß ich nichts für meine Nichte tun kann . Ich habe nähere Verpflichtungen , ich bin - verlobt . « Er war unfähig , die unangenehme Überraschung , in die diese Nachricht ihn versetzte , zu verbergen , und hätte jedes Wort , mit dem er an die Freigebigkeit des Fräuleins appelliert hatte , mit einem Tropfen seines Herzblutes zurückerkaufen mögen . » Ich wünsche Ihnen und Ihrem Herrn Bräutigam Glück ! « sagte er sarkastisch lächelnd , » wäre Ihnen aber dankbar , wenn Sie mir die Erlaubnis geben wollten , auch meinem Sohne Glück wünschen zu dürfen - zu Ihrer Einwilligung ... « Regula unterbrach ihn : » Ich versage sie nicht , Herr Graf . Es kann mir nur lieb sein , meine Nichte in eine Familie treten zu sehen , in welcher auf irdische Güter ein so geringer Wert gelegt wird , denn diese - sind ihr nicht zuteil geworden . « » Verlieren Sie darüber kein Wort , mein Fräulein ! « rief der Graf . » Geldheiraten zu schließen war in unserm Hause niemals Brauch , und heute noch darf , trotz der Ungunst der Zeiten , der Eigentümer von Rondsperg eine Braut nach seinem Herzen wählen . « Regula erbebte vom Wirbel bis zur Sohle . Der Gegner selbst hatte ihr den vergifteten Pfeil in die Hand gedrückt , den sie nur abschnellen brauchte , um tödlich zu treffen und sich zu befreien von dem lechzenden Durst nach Rache , der in ihrem Innern so qualvoll brannte und Befriedigung heischte . Eine Sekunde lang zögerte sie ... Ihr Wort war verpfändet , aber ein Narr , der Betrügern Wort hält , Regula ist nicht gewillt , das Unrecht zu beschützen , sondern - es zu entlarven ! » Ihr Sohn ist nicht mehr Eigentümer von Rondsperg « , sagte sie gepreßt und stammelnd , » er hat es mir verkauft . « Der alte Mann sprang auf , starrte sie an - stumm , verständnislos . Regula erhob sich gleichfalls und wiederholte jetzt bestimmter , mit fester Stimme : » Er hat es mir verkauft . Rondsperg ist mein - seit gestern . « Er taumelte zurück unter diesem Schlage - er war totenbleich , der Atem stockte in seiner Brust . Erschrocken , aber nicht gerührt betrachtete ihn Regula . » Fassung , Herr Graf « , sprach sie kalt . » So bin ich Ihr Gast ? ... In Rondsperg Ihr Gast ? ! « schrie der Greis , und schmerzlich verband sich die Heftigkeit des Zornes , der Entrüstung , der Beschämung , die in ihm rangen , mit dem Bewußtsein seiner Hilflosigkeit . Plötzlich raffte er alle Kraft zusammen , richtete sich auf und stürzte aus dem Zimmer . Regula war von einem nervösen Zittern ergriffen worden , das ihre Glieder kläglich schüttelte . Es dauerte lange , bis sie vermochte , an den Tisch im Fenster zu treten und den begonnenen Satz : » Ich bin ... « zu Ende zu schreiben . Er schloß jetzt anders , als sie es vor einer Weile im Sinne gehabt , und zwar : » Ich bin die Ihre . Regula Heißenstein . « Sie rief Bozena und trug ihr auf , den Brief sofort durch einen Boten nach der Bahnhofstation zu befördern . Er konnte um fünf Uhr nachmittags in Bauers Händen sein . Frau Professor also ? ... Dies das Ende ... Frau Professor Bauer ! Regula brach in unaufhaltsames Weinen aus . Die Baronin von Waffenau erwartete an der Seite ihrer Mutter in banger Besorgnis den Erfolg der Unterredung des Grafen mit Regula . Als der Greis jetzt erschien , verriet ihr ein Blick auf sein verstörtes Gesicht , was geschehen war . » Oh , die Schlange , sie hat uns verraten ! « rief Thilde . Diese Worte brachten den Grafen noch mehr außer sich . » Sie euch - Ihr mich ! « keuchte er ; die Stimme versagte ihm , er stampfte heftig mit dem Fuße und brachte mühsam die Worte hervor : » Ronald - her - hierher . « » Ich will um ihn schicken « , sprach die Baronin in beruhigendem Tone . » Regen Sie sich nicht so auf , Papa . Was geschehen ist , ist geschehen , weil es mußte , weil es anders nicht möglich war . « Zu ihrer Mutter sagte sie leise : » Verlieren Sie nicht den Mut , Mama , ich komme gleich wieder « , und eilte , einen besorgten Blick auf die Eltern werfend , hinweg . Der Greis hatte sich auf den Rohrsessel vor seinem Schreibtisch geworfen , die Gräfin trat zu ihm . » Karl « , sprach sie flehend und legte die Hand auf seine Schulter . Er bäumte sich auf , als ob der Verrat ihn berührt hätte , und schleuderte ihre Hand von sich . » Du hast alles gewußt