und sagt : » Gott hat alles wohl gemacht ! « - Nach diesen Worten ist der Mann , den sie den Einspanig nennen , wie erschrocken zusammengefahren . Ein Häher ist über unseren Häuptern dahingeflattert . Hierauf greift der Einspanig rasch nach meiner Hand und ruft : » Heute noch bin ich vermählt mit ihr . In jeder Nacht steht sie mit dem Kinde vor meinem Lager . Der Orden hat einen schönen Stern , das ist der Marienkult . Mancher Jüngling , der entsagen muß , blickt liebeglühend auf zu der Jungfrau mit dem Jesukinde . Mir aber wird das Bildnis zum Gespenst , ich sehe in demselben das betrogene Mädchen . Ich bin zum Priester geweiht worden und habe statt meiner weltlichen Titel und Würden nichts als den Namen Paulus erhalten . Ich bin vorbereitet worden , viel eher , als ich und mein Vater es geahnt haben . Ich habe Natur und Vermögen geopfert und meinen eigenen Willen ; und nur eines habe ich noch besessen , das Vaterland . Auch daran kommt die Reihe . Es wird erklärt , unsere Vereinigung sei nach dem bestehenden Gesetze des Bodens im Lande verlustig . Fast war ich zu schwach gewesen , meine Heimat und meinen betagten Vater zu verlassen ; allein , da gibt es kein Auflehnen des Herzens . Wir sind Märtyrer zur Ehre Gottes ; und so sehr bin ich Schwärmer , daß mir dieser Gedanke Entschlossenheit gibt , mich von allem loszureißen . Wir sind nach Welschland gezogen . Zu Rom habe ich die Gräber der Apostel und Märtyrer besucht ; und habe gewähnt , in dem Lande ein still beschauliches Leben führen zu können . Aber bald werden wir ausgesandt zur Arbeit . Ich weiß kaum mehr durch welche Vermittlung , aber auf einmal sehe ich mich versetzt in eines der Länder , die gegen Abend liegen , an den Hof des Königs . Vielleicht ist es meine Abkunft , vielleicht die Erziehung , die ich genossen , vielleicht auch meine Gelehrsamkeit oder eine gewisse Klugheit , die ich mir nach und nach angeeignet , oder es kann meine Körpergestalt gewesen sein , die schön genannt war - oder all das zusammen oder noch ein anderes , was mich befördert hat , ich weiß es nicht . Ich habe nach einiger Zeit ein einflußreiches Amt in der Staatskanzlei erhalten . Und mein Wahlspruch ist gewesen : Sei ein geheimes Rad . Geschmeidigkeit , Sanftmut , Heiterkeit und Duldsamkeit sind die Tugenden , deren ich mich zu befleißigen gehabt habe . So bin ich der Freund des Hofes geworden , der gerne gesehene Gesellschafter , der gesuchte Ratgeber ; und wenn ich in der Schloßkapelle meine Messe gelesen habe , so sind die hohen Frauen vor dem Altare auf den Knien gelegen . Endlich bin ich Beichtvater des Königs geworden . Die Welt lächelt und mir gefällt ihr Lächeln wieder . Leicht trage ich das Gelübde der Armut , denn ich wohne im Königspalast . Treu bleibe ich dem Gelübde der Entsagung , denn was ich genieße , das genieße ich Gott zuliebe . Da bricht eine bewegte Zeit an . In der Welt wütet die Empörung ; auch in unserem Lande gärt ein Aufruhr . Öfter als sonst versammelt der König die Großen des Reiches um sich , und angelegentlicher wird die Beichte , die er an jedem dreißigsten Tag mir ablegt . Da kommt eines Tages an mich ein Befehl ; er ist mit großem Siegel verschlossen . Als ich ihn gelesen , lehnt sich etwas in mir auf . Nein , so kann ich nicht handeln , so mein Amt nicht mißbrauchen . Zur selben Zeit erhalte ich die Nachricht von dem Tode meines Vaters . Das bringt mich zu mir selbst . Kindesliebe , Schmerz , Sehnsucht , Heimweh , Schuldbewußtsein und Reue graben in meinem Gehirne . Da kommt plötzlich der Befehl , ich würde mich einschiffen nach Ostindien ! Das schmettert mich vollends nieder . Anstatt ins Vaterland , soll ich in einen fernen Weltteil reisen , Warum ? Zu welchen Zwecken ? Wer frägt ? - Die erste Satzung lautet : Gehorsam ! « Hier hat der Mann seine Erzählung unterbrochen . Mit den Fingern ist er sich über seine hageren Wangen gefahren bis herab zu den Bartstoppeln des Backens . Sein Auge , in welchem Unruhe und Müdigkeit gelegen , hat sich schwermütig empor zur Höhe gewendet . Da oben haben die finsteren Wolkenlasten nicht mehr hingejagt , sondern angefangen , sich an den Felswänden niederzusenken . Tiefe Stille und Dämmerung ist gelegen über dem Waldkessel der Wolfsgrube . Und endlich fährt der Einspanig fort : » Vier ewige Sommer habe ich mit einigen Gefährten in dem heißen Indien verlebt . Die Beschwerden sind groß gewesen . Nur in der Erfüllung des Berufes habe ich einigen Trost gefunden . Nicht mehr für besondere Vorteile eines Bundes haben wir gearbeitet , sondern für die gemeinsame Sache der Menschen , die Gesittung . Wir haben den Hindus den Pflug gegeben , auf ihren Berghöhen haben wir das Kreuz gepflanzt . Wir predigen ihnen die Gotteslehre der Selbstaufopferung und Liebe . Anfangs haben sie Mißtrauen und Verfolgung gegen uns , endlich aber öffnen sie ihr Herz . Als Boten des Himmels haben sie uns verehrt . Bereits haben wie in Dekan eine christliche Gemeinde zustande gebracht , da kommen abendländische Scharen , Engländer und Franken , bekriegen Teile des Landes und unterjochen sie . Da handelt es sich nicht mehr um die christliche Liebe , sondern um Reis und Gewürze . Und vorbei ist es gewesen mit dem Glauben der Hindus an unsere Lehre . Ermorden haben sie uns wollen . Auf ein fränkisches Schiff haben wir uns geflüchtet und sind zurückgekehrt nach Europa . Nun sehe ich endlich mein Vaterland wieder . Eine andere Zeit ist . Das Volk ist lau und droht mit dem Abfalle . Wir werden planmäßig verteilt in Stadt und Land . Da ich