es meine Entfernung vernommen , gebeten habe , ihr Anliegen schriftlich hinterlassen zu dürfen . Ich fand das Blatt ohne Unterschrift , aber versiegelt , auf meinem Schreibtische und las die wenigen Worte : Sobald Sie zurückkehren , Hochwürden , bitte , lassen Sie mich es wissen . Aber um Gottes willen ! kommen Sie nicht zu mir , auch nicht zu der gnädigen Herrschaft , bevor Sie mich benachrichtigt haben . Sie wünschte demnach eine Unterredung , ohne Zweifel , um ihres Kindes Zukunft festzustellen , und sie fürchtete eine absichtliche oder zufällige Enthüllung . Ich wußte jetzt , wie die Entscheidung gefallen war . « » Sie wußten es ! « so unterbrach ich zum erstenmal den Erzähler , » und Sie eilten nicht , gegen ein drohendes Unheil einzuschreiten ? « Der Freund erwiderte : » Ich war , trotz des Verbots , eben im Begriffe , an Ort und Stelle die Lage der Dinge einzusehen , als ein Besuch Ihres Herrn Vaters , Fräulein Hardine , mich dieser Erkundigung überhob . Er hoffte , eine Nachricht aus Reckenburg , die Ihr verspätetes Eintreffen erklärte , bei mir vorzufinden , und da ich ihm diese Aufklärung geben konnte , bat ich ihn , nicht in Sorgen zu sein , wenn das ersehnte Wiedersehen sich noch um etliche Tage verzögern sollte . Ich komme auch keineswegs aus Sorge , im Gegenteil , in heller Freude , Freund , versetzte der gütige Herr . Ich möchte meine Dine nur gern bei einem - Familienfeste darf ich wohl sagen - unter uns sehen , als Brautjungfer unserer kleinen Dorl und des - - raten Sie , Propst , und des - - Und des Geheimrat Faber , ergänzte ich , erzählte in der Kürze , auf welche Weise ich von des Mannes Heimkehr unterrichtet worden war , und bat um eine Darstellung des Eindrucks , den die so lange getrennten Verlobten aufeinander gemacht haben , und wie die Sache so rasch zum letzten Abschlusse geführt werden konnte . Ich werde mir nun erlauben , diese Darstellung möglichst exakt mit Ihres Herrn Vaters eigenen Worten zu geben , die Schlußfolgerung aber Ihnen selbst überlassen , Fräulein Hardine . - Am Freitagabend sitzen wir still beieinander . Meine Frau spinnt , ich rauche . Da hören wir das Haustor unter einem kurzen , knackenden Druck sich öffnen und wieder schließen , hören einen raschen , elastischen Schritt im Flur , drei klopfende Schläge wie mit einem Hämmerchen an der Stubentür . Der Druck , der Schritt , das Klopfen sind uns alte Bekannte . Mir entfällt die Pfeife , Adelheid der Faden ; Faber ! rufen wir aus einem Munde , und mit dem Namen steht auch schon der Mann uns gegenüber . Nicht mehr der Feldscher von Anno 90 , auch nicht mehr bloß der Doktor aus den Schanzen vor Mainz ; ein kapitaler Mann , ein gemachter Mann auf den ersten Blick : aber auf den ersten Blick auch noch leibhaftig der alte Mosjö Per-sé . - - Er schüttelte mir die Hand und küßte die meiner Frau mit dem Air eines jener armen Marquis , deren Köpfe er zu Dutzenden hat rollen sehen . Denken Sie , Propst , der Sohn und Gehilfe meines alten Barbiers ! Aber das Gute muß ja freilich der Anblick jenes Plebsregiments hervorbringen , daß ein honetter Mensch sich zu guten Manieren bequemen lernt . - Ich komme als Hochzeiter , mein Herr Major , sagte er , indem er auf den väterlichen Trauring an seinem Finger wies . Ein wenig spät , werden Sie sagen , - aber der Mann hat Farbe gehalten ! - Oho ! versetzte ich lachend , das Kindchen erst recht ! - Meine Frau hat sich unterdessen von ihrem Staunen erholt und in Positur gesetzt . Zunächst , hob sie an , Herr - Doktor , nicht wahr ? Er antwortete lächelnd mit einer Verbeugung : Für meine ältesten Freunde Siegmund Faber , wie ehedem , Mosjö Per-sé , wie es Ihnen beliebt . Im übrigen : Geheimrat Faber , praktischer Arzt in Berlin . - - Zunächst also , Herr Geheimrat , sagte Adelheid , indem sie sich gleicherweise verneigte , die Versicherung , daß Demoiselle Müller in ungestörtem Wohlbefinden und in geduldiger Treue unter unseren Augen Ihrer Heimkehr gewartet hat . - Wie eine Nonne auf den himmlischen Bräutigam , fiel ich ein . Adelheid räusperte sich , und Sie wissen schon , Propst , wenn Adelheid sich räuspert , das heißt allemal : Mal apropos , Eberhard ! Indessen möchte es doch gut sein , fuhr sie fort , das liebe Kind auf Ihr überraschendes Erscheinen vorzubereiten . - Sie wollte sich entfernen . Da erwiesen sich aber der Herr Geheimrat wieder einmal recht gründlich als der alte Per-sé . Nach dieser hochbeglückenden Versicherung , meinte er , erbitte er sich die Gunst , die gnädige Frau begleiten und in einem unmittelbaren Eindrucke die Entscheidung über seine Herzenswünsche empfangen zu dürfen . Er zündete während dieser Rede ohne Umstände den Wachsstock , der auf dem Tische stand , an und setzte es auf diese Weise durch , als Vorleuchter zuerst das Zimmer seiner Braut zu betreten . - - Die arme , kleine Dorl saß wie jeden Abend einsam bei ihrer Spielerei . Sie hatte kleine Kinderköpfe ausgeschnitten und war vor Langerweile eingenickt . Die Arme lagen ausgestreckt über dem Tische und der Kopf war auf sie herabgesunken . Als die Tür jetzt rasch geöffnet wurde , hob sie ihn , wie aus einem Traume erwachend , in die Höhe . Ich kann dir , sagte Adelheid , denn ich war natürlich unten zurückgeblieben , ich kann dir das Entzücken nicht beschreiben , Eberhard , das sich bei diesem Bilde in Fabers Augen malte . Die zierliche Einrichtung seines alten Zimmers , der Kleinen unveränderte Schönheit , ihre kindlich stille Beschäftigung und den goldenen Reif am Ringfinger , alles das hatte er mit einem einzigen