über den Korridor nach den Gemächern des Fräuleins von Saint-Trouin . Auch Adelaide hatte sich in Betracht des Erntelärms und des Höhenrauchs früh zurückgezogen und den Tee auf ihrer Stube eingenommen . Obgleich sie jetzt nicht ganz so häufig an Kopfweh litt wie in früheren Tagen , so litt sie doch noch häufig genug daran ; und sie schlug nicht die Bücher der Gelehrten nach und benutzte die Gelegenheit nicht , um ihre Kenntnisse zu vermehren . Ein etwas gespenstischer Heroenkultus , bestehend aus einer weinerlichen Andacht vor dem Glaskasten Peccadillos , war alles , was ihr jetzt in solchen Fällen ihre Nerven erlaubten , wenn sie die Tür selbst vor Antonie Häußler verriegelt hatte . Noch nie hatten die Angehörigen des Lauenhofes , welche nur allzu gut die Symptome kannten , es gewagt , die hohe Dame in solchen Zuständen herauszupochen ! Heute - jetzt klopfte der Chevalier an , aber er winkte zugleich warnend und abwehrend nach rückwärts , und seine Begleiter blieben gern auf dem Gange zurück , mischten sich nicht in die Kapitulationsverhandlungen zwischen den beiden vortrefflichen Herrschaften und beneideten den Ritter gar nicht um den nun endlich erlangten Eintritt in das jungfräuliche Refugium . Der Ritter trat ein , die Tür schloß sich hinter ihm ; Jane Warwolf setzte sich matt auf eine Bank , die in der Fensternische der Tür des Fräuleins gegenüber stand ; Hennig aber legte das Ohr an die Tür und horchte : auch er winkte dabei warnend und abwehrend rückwärts . Sie lauschten beide , und beide sehr beklommen . Die Türen auf dem Lauenhofe waren noch aus gutem , altem , schwerem Eichenholz gezimmert und taten ihre Pflicht , wie moderne Türen sie nicht mehr tun , aber dessenungeachtet vermochten sowohl der Junker wie auch die Frau Jane den Gang der Handlung drinnen ziemlich genau zu verfolgen . Zuerst hörten sie natürlich die ziemlich klägliche und scharfe Stimme , die Familienstimme Jehans von Brienne , die vor so vielen Jahrhunderten schon die Einwohner von Konstantinopel mit Vergnügen vernahmen . Das gnädige Fräulein beklagte sich mit bitterer Höflichkeit über die Störung in so später und ungewöhnlicher Stunde . Doch ein dumpfes Gesumm gleich dem Getön einer an einer Fensterscheibe auf und ab summenden Brummfliege ließ sich vernehmen ; der Chevalier von Glaubigern bat jedenfalls um Entschuldigung und versicherte , daß nur die dringende Not ihn zu solcher Ausschreitung , zu solcher Überschreitung der Grenzen der Sitte und Höflichkeit getrieben habe . Wieder vernahm man des Fräuleins Organ . Adelaide nahm die Entschuldigungen des Ritters an , bat jedoch unbedingt um eine nähere Erklärung ; - es wurde still hinter der Eichentür , das heißt , die Horcher draußen vernahmen nicht den atemlosen Bericht des Herrn von Glaubigern . Es blieb aber nicht still , und jetzt war nur eines schade , nämlich daß der Meister Dietrich Häußler nicht ebenfalls an der Tür des Fräuleins von Saint-Trouin horchte : jetzt hätte sich die Tugend an ihm gerächt , jetzt hätte er den Lohn für alle seine Sünden , Bosheiten und Lasterhaftigkeiten in Empfang nehmen können ! Heller denn je klang die Stimme Adelaides auf , und Jane Warwolf legte sich auf ihrem Sitze zurück und seufzte mit einer gewissen Befriedigung ; » Na gottlob , jetzt ist die Katze auch da aus dem Sacke ! Herr von Lauen , anjetzo haben wir wenigstens nicht mehr zu befürchten - « Sie konnte ihren Satz nicht vollenden . Die Tür wurde aufgerissen , und das Frölen , échevelée , jede Rücksicht auf das , was es seiner Stellung schuldig war , beiseite lassend , erschien stürzte hervor - stürzte sich ( o wie schade , daß es sich nicht auf den Meister Dietrich stürzen konnte ! ) , stürzte sich im flatternden feuergelben Nachtgewand auf die in ihrer Mattigkeit scheu sich duckende Jane , packte sie an beiden Schultern , zog sie in die Höhe , zog sie gegen die Zimmertür , zog sie in das Zimmer und schlug dem Junker Hennig von Lauen die Tür vor der Nase zu - » als ob man nicht das mindeste Interesse an der Sache gehabt hätte ! « , wie sich der Junker später ausdrückte . Einige Zeit wartete Hennig noch , ob man nicht auch ihn zur Beratung hereinrufen und -holen werde , allein man schien ihn drinnen durchaus nicht mehr nötig zu haben . Es blieb ihm nichts übrig , als zu seiner Mutter zu gehen , um bei dieser das zu suchen , was die andern nicht mehr von ihm zu wollen schienen , nämlich Hülfe und Trost . Noch warf er einen Blick durch das eben erwähnte Fenster des Korridors in den dunkeln , nebeligen Hof , wo es jetzt allgemach ruhiger geworden war , hinunter , und in demselben Augenblick schlüpfte Antonie Häußler drunten , ein Laternchen tragend , vorüber . Sie ging , mit einer weißen Schürze angetan , nach einem der Nebenwirtschaftsgebäude , lächelnd , schlank und leichtfüßig - allein licht und freundlich in dem schweren schwarzgrauen Dunst und der Nacht . Sie schien ihre Freude an den phantastischen Schatten , welche sie umgaben , zu haben ; denn sie hielt ihre kleine Laterne hoch und blieb stehen und drehte sich und sah über die Schulter , wie ein Kind , das sich von einem Spielkameraden nicht fangen lassen will . Zierlich nahm sie einen Zipfel ihrer Schürze auf und verschwand um die Ecke eines Gebäudes ; da mußte jemand sie anhalten und mit ihr reden , denn der rote Schein der Laterne zitterte noch eine Weile in dem Nebel , bis er endlich verschwand und Hennig von Lauen - seinen Mund schloß . Er , der Junker , tat einen Sprung und einen Faustschlag in die Luft und rannte treppab , stolpernd und polternd , zu seiner Mutter , fiel ihr , wie sie behauptete , gleich einem Klotz auf den Leib und gebärdete sich nun mit einem Male schlimmer als irgendein anderer auf dem Lauenhofe um