. Die vielen schneeweißen Haare trug sie in einem Goldnetze . Hinter der Frau standen zwei jüngere Frauen und hinter denen drei Mädchen . Lubomir führte Witiko zu der Frau , und sagte : » Boleslawa , ich bringe dir hier den Jüngling Witiko , welcher für den Herzog Sobeslaw zu dem Landtage auf den Wysehrad gegangen ist , welchen der Herzog Sobeslaw unter die Zeugen seines letzten Willens über die Nachfolge gerufen hat , und welcher jetzt in einem Waldhause in unserer Nähe lebt . « Die Frau wendete ihr Angesicht mit freundlichen Mienen gegen Witiko , und sagte : » Unser Herr und Zupan Lubomir mein Ehegatte hat mir angezeigt , daß Ihr unser Gast seid , ich heiße Euch in Freuden willkommen , und bitte , seid mit dem zufrieden , was unser armes Haus gewähren kann , und was zwei alte Leute , die einsam sind , zu Euerm Vergnügen tun können . « » Ihr erweist mir eine hohe Gunst , erhabne Frau « , entgegnete Witiko , » daß Ihr mich gastlich in Euerem Hause aufnehmet , ich werde es dankbar erkennen . « Hierauf wendete sich Lubomir gegen die Männer , die an der Tür standen , und indem er auf den ersten wies , sagte er : » Das ist Rastislaw mein Sippe , der mir in meinen Obliegenheiten hilft . « Dann wies er auf den zweiten , und sagte : » Das ist Widimir , mein Sippe , der mir auch in meinen Obliegenheiten hilft . « Dann wies er auf den dritten und sagte : » Das ist Wentislaw mein Sippe , der mir gleichfalls in meinen Obliegenheiten hilft . « Dann wies er nach der Reihe auf die folgenden , und sagte : » Das ist Kodim , das ist Momir , das ist Dis , das ist Derad , das ist Wazlaw , und das ist Hostiwil . « Und bei jedem fügte er bei : » Es ist mein Sippe , der mir in meinen Obliegenheiten hilft . « Dann fügte er noch hinzu : » Sie sind alle meines Dankes , und wir sind uns alle des gegenseitigem Schutzes versichert . « Hierauf wendete er sich halb gegen Witiko und rief zu den Männern : » Dieser Jüngling ist Witiko unser Nachbar im Walde , und , so lange es ihm genehm ist , unser Gast . « » Er ist willkommen « , rief einer der Männer . » Er ist willkommen « , rief ein anderer . Und : » Er ist willkommen « , riefen alle . Da dieses vorüber war , öffnete sich die Tür , und man brachte Speisen und Getränke in verschiedenen Gefäßen und stellte sie auf den Tisch . » So betet nun zu Gott « , sagte Lubomir . Ein Mann in dunklem weitem Gewande , der ganz rückwärts gestanden war , trat an den Tisch , und sprach laut ein Gebet , dem die andern antworteten . » Sim , weise die Plätze « , sagte Lubomir . Ein Mann in weißem Wollgewande , der die Türen geöffnet hatte , als die Diener die Speisen brachten , wies Witiko einen Stuhl , und mit Zeichen der Hand , die schon verstanden wurden , den Männern ihre Stühle . Lubomir und Boleslawa setzten sich selber . Lubomir saß oben an . Zu seiner Rechten war Boleslawa zu seiner Linken Witiko . Neben Boleslawa saßen ihre Frauen . Die drei Mädchen standen hinter ihr . Die Männer saßen an beiden Seiten hinab . Dann waren noch einige Jünglinge . Ganz unten saß der Mann , welcher das Gebet gesprochen hatte . Die Speisen bestanden in Rindbraten Geflügel Fischen und Wild nebst Brod und verschiedenen Kuchen . Das Getränke war Wein , der aus großen Eimern in silberne Becher geschenkt wurde . Es standen auch Krüge mit Bier in Bereitschaft . » Vor Jahren sind auch meine Söhne und Töchter bei mir an dem Tische gesessen « , sagte Lubomir , » jetzt aber sind alle fort , ich danke Gott , er hat mir kein einziges genommen ; aber alle haben sich ihr Haus gegründet , und leben bei den Ihrigen . « » Das ist nun so « , sagte Boleslawa , » in der Jugend ist man bei seinen Eltern , in späteren Jahren bei seinen Kindern , und im Alter allein . « » Und doch nicht allein « , entgegnete Lubomir , » wir sind hier in der Burg inmitten aller , und wenn wir auf ihre Zinnen gehen , oder wenn wir auf einem Hügel außerhalb ihr sind , so sehen wir die Büsche oder die Wäldchen oder die Bühel , hinter denen unsere Kinder sind , die wieder ihre Kinder um sich haben , die auch zu uns gehören . Wir denken hin , sie denken her , und wir kommen hin , und sie kommen her . « » Meine Mutter ist in Pric oft lange allein gewesen « , sagte Witiko , » dann ist sie zu einer Base nach Landshut gegangen . Ich bin jetzt immer allein . « » Nicht so , mein Sohn « , sagte Lubomir , » der Segen deiner Mutter und ihr Wunsch ist dir gefolgt , und kehrt allemal wieder zu ihr zurück . « » Ja meine Gedanken kehren zu ihr zurück « , sagte Witiko , » und die ihrigen werden wohl auch zu mir gehen . « » Siehst du « , sagte Lubomir . » Alle Menschen suchen ihre Zukunft « , sagte Boleslawa , » und glauben , daß sie noch etwas recht Gutes erreichen werden . « » Wenn sie es nicht täten « , entgegnete Lubomir , » so käme das Leben zum Stehen . Es ist noch glücklich , wenn nicht von fremder Seite her Dinge kommen , die den Menschen verwirren , und aus seinem Wesen schlagen . « » Und dann kann er