anstellen , aber dazu hatte ich keine Lust ; - in den Wald wäre ich lieber zurückgegangen , doch da war jedes Loch vernagelt und auf keine Weise in das Gehege zu kommen . Ich vegetierte also fort wie der Schwamm im Dunkel , zog auf die Wache mit Gähnen , trank mehr , als einem Menschen , der mal eine Nichte zu versorgen haben soll , gut ist , drillte Rekruten mit Ekel , zählte Pappelbäume und spielte Schach , kurz , tat alles , was man unter besagten Umständen in unserm Stande sich wissenschaftlich beschäftigen nennt . Die alten Kameraden verloren sich allmählich aus dem Regiment ; blutjunges , naseweises Gesindel rückte ein und machte einem das Leben noch saurer . Die Frauenzimmer an den Fenstern mokierten sich über den grauköpfigen Leutnant , der eigene Hund verlor den Respekt vor einem , und zuletzt wunderte man sich im Kriegsministerium gar noch , wenn man sich dem stillen Suff ergab und dann und wann den Anstand verletzte in der so überaus anständigen Zeit . Es schneite , es regnete , es gab auch Sonnenschein , während welchem die Sümpfe um das holde Städtlein anfingen zu stinken . Eins war mir so egal wie das andere , und als das Jahr achtzehnhundertunddreißig kam , wo ' s wieder anfing , lebendig in der Welt zu werden , wunderte ich mich sehr , daß ich selber noch lebendig war . Aber wie es auch nunmehro in der Welt rumoren mochte , uns schien man in unserm Winkel total vergessen zu haben . Wie die Spinnen hinter dem Spiegel saßen wir ; was für Bilder durch den Spiegel selber gingen , ging uns nichts an , und so war ' s jetzt fast noch schlimmer als vorher . Die Franzosen hatten natürlich nach gewohnter Weise den Tanz angefangen , in Belgien ging ' s lustig los , in einigen kleinen deutschen Vaterländern folgte man dem guten Beispiel ; einige jüngere Kameraden liefen Tag für Tag hinaus auf die Heerstraße , um den Kurier ankommen zu sehen , der den Marschbefehl bringen sollte . Sie mochten sich die Hälse ausrecken , so lang sie wollten , aus dem Sommer wurde Herbst , ohne daß es jemandem eingefallen wäre , uns unsern wissenschaftlichen Beschäftigungen zu entreißen . Es wäre auch schade darum gewesen ! Nun sitze ich gegen das Ende des Oktobers eines Abends , ein Glas zur Linken und die Karte der Türkei vor der Nase , um mit dem Bleistift dem General Sabalkanskoi nachzuziehen . Draußen heult der Wind , und zwar nicht nach Noten . Ich denke an mancherlei , was mit Diebitsch nichts zu tun hat : an den Alten , der nun längst von seinen Hämorrhoiden erlöst ist , an die Brüder , an die Schlacht bei Leipzig , deren Jahrestag wir neulich dadurch feierten , daß wir auf höhern Befehl Kommandos ausschickten , um die Freudenfeuer auszulöschen . Denk auch noch dazwischen , wozu solch ein alter Hund wie ich wohl eigentlich gut sein möge , als plötzlich mein Bursch vor mir steht und hinter ihm ein Mann im Mantel , der viel kalte Luft mit ins Quartier bringt . Herr Leutnant - , will der Bursche rapportieren , aber der Fremde schnauzt ganz à la militaire : Abtreten ! , und verwundert winke ich meinem Kerl , zu gehen . Er geht , und der andere bleibt . Ich will eben die gewohnten Phrasen machen : Mit wem habe ich die Ehre ? und so fort , aber der Fremde nimmt sich , wie es in solchen Fällen heißt , selber die Freiheit , schlägt mich auf die Schulter und ruft : Alter Mensch , du bist doch recht grau geworden ! Er wirft den Mantel ab , und - Felix Götz war über mich gekommen , wie an der Elbe Anno dreizehn ; ich aber griff die Lampe vom Tisch und beleuchtete wiederum die Erscheinung . Es dauerte geraume Zeit , ehe ich mich von ihrer Wirklichkeit überzeugt hatte , ehe ich es glauben konnte , daß dieser durchwetterte Mann mein Bruder sei . Er war es aber , und es blieb kein Zweifel übrig . Nach einer Viertelstunde saßen wir vor vollen und geleerten Flaschen und erzählten uns wie damals an der Elbe unsere Schicksale . Beim Hauptmann von Kapernaum ! Felix hatte mehr zu erzählen als ich ; und Hauptmann ließ er sich auch titulieren , und ein peruvianischer Hauptmann oder ein kolumbianischer war er . Wir hatten zwischen unsern Pappeln , Teichen und Viehweiden vom Bolivar , von der Schlacht bei Karabobo und der Schlacht bei Pinchincha gelesen , Felix aber hatte mit dem großen Mann aus einem Napf gegessen , und seine Schlachten hatte er mitgeschlagen . Und verheiratet war er auch , und zwar mit einer deutschen Kolonistentochter aus irgendeinem Fiebernest an irgendeinem scheußlichen Krokodilenfluß , und die Frau saß jetzt mit einem kleinen Mädchen in Paris , und der Capitano ging in Angelegenheiten , von denen er nicht sprechen durfte , nach Polen . - Als der Morgen graute , saßen wir beiden Brüder noch zusammen , und in den Tabaksqualm konnte sich eine Pionierkompanie mit Schaufel und Hacke hineingraben . Die ganze Nacht durch hatte es geregnet , und es regnete immer noch , als es fünf schlug und Felix aufsprang , mir die Adresse seines Weibes auf einen Zettel schrieb und versicherte , daß er nunmehr keinen Augenblick weiter zögern dürfe , da um ein Viertel auf sechs die Post weitergehe nach - Polen . Das war auch nicht anders als damals , wo er mit den Colombschen Reitern aus unserm Biwak ritt . Ich brachte ihn zur Post , sah ihn abfahren und kam betäubt und halb benebelt durch alles , was ich in der Nacht vernommen hatte , zurück ins Quartier . Ich schrieb an die unbekannte Schwägerin und erhielt nach einiger Zeit wiederum einen Brief , den nur ein gutes , aber sorgenvolles Weib geschrieben