zimmerten in der Nacht , als uns die kleine Marie zum Bahnhof holte , mußte schneller fertig werden . « » O Vater , lieber Vater ! « schluchzte der junge Handwerker , die zitternde Hand des Alten mit heißen Tränen benetzend . » Du bist immer ein guter Sohn gewesen , Ludwig . Ich kann ' s dir jetzt wohl sagen , du bist meine Freude und mein Stolz . Gott wird dir auch noch alles Glück , was du brauchst im Leben , geben , und die kleine Marie wirst du auch wiederfinden ; - aber deine Mutter und deine Schwester darfst du nie verlassen . Stelle dir auch drei solche Bretter in den Winkel und schlag stellenweise mit der Faust darauf - es ist ein Klang , der tief in die Seele geht . Da kommt die Alte schon wieder - ruhig Blut , Mann , wisch die Tränen ab ; die Weiber werden sonst wunder denken , was wir miteinander vorgehabt haben . « Mit ganz fröhlicher Stimme rief der tapfere Greis der Frau Anna und der jetzt so bleichen Luise entgegen und verkündete ihnen , wie er sich augenblicklich recht wohl fühle . Die alte Frau küßte die blinden Augen ihres Ehemanns und dankte dem Himmel für den guten Mut , den ihr Johannes hatte . Luise aber suchte fragend das Gesicht des Bruders , und dieser war lange nicht genug Meister in der Verstellungskunst , um ihr alles zu verbergen , was seine Seele bewegte . Wir haben gesagt , die Feuersbrunst habe drei vor allem Unglückliche gemacht ; zwei derselben haben wir dem Leser gezeigt ; von dem dritten Unglück dürfen wir in diesem Kapitel nicht sprechen ; es gehört nicht zu denen , vor welchen man den Hut abnimmt oder vor denen man wenigstens scheu zur Seite tritt ; es geht mehr auf dem Sokkus als auf dem Kothurn einher . Achtzehntes Kapitel Schreckliches Unglück des Fräuleins Aurora Pogge . Der deklamierende Künstler Herr Julius Schminkert begeht eine entsetzliche Indiskretion Der Mond schien bleich in Ruthvens Angesicht , das heißt , er beleuchtete , seinen Schein mit dem eines in eine Flasche gesteckten Dreierlichts vermischend , das heitere Gesicht Julius Schminkerts , welcher seit einiger Zeit , das heißt seit dem Brande , ungemein häuslich geworden war . Die frühere » geniale Elastizität « , auf die er sich soviel zugut tat und welche sonst sich bei ihm , zum großen Verdruß manches ehrlichen Mannes , mehr nach außen hin betätigt hatte , schien sich jetzt mehr der innern Teile seines Wesens bemächtigt zu haben . Seit der großen Feuersbrunst brachte Julius nicht mehr jede Nacht zu zwei Dritteln außerhalb des Hauses zu . Er studierte ! - - Ja , er studierte mit allem Nachdruck , dessen ein Charakter wie der seinige fähig war . Er studierte das Tagebuch des Fräuleins Aurora Pogge ; und so sehr beschäftigten ihn die inhaltvollen Blätter desselben , daß er an nichts anderes zu denken vermochte , als was sich aus diesem himmelblauen Buch mit den schnäbelnden Tauben lernen und - was für ein Nutzen sich daraus ziehen ließ . Wer ihn gesehen hätte , wie er saß , wühlend in den wallenden Haaren , Seufzer , unartikulierte Töne des höchsten Behagens , des Erstaunens und der allerhöchsten Verwunderung ausstoßend , der hätte sich mit Recht ebenfalls verwundert . Der Schüler des Adepten , dem in des Meisters Abwesenheit das große Buch der Geheimnisse , der Schlüssel und Dietrich aller Kräfte über und unter der Erde in die Hände fiel , mußte so ausgesehen , so in den Haaren gewühlt , solche Töne von sich gegeben haben . Es war aber auch ein Buch der Geheimnisse in die Hände Julius Schminkerts gefallen , und er schmeichelte sich , besser damit umgehen zu können als jener unglückliche Zauberlehrling , der mehr Geister beschwor , als er bändigen konnte . Was für Erfahrungen waren in diesen unorthographisch beschmierten Blättern niedergelegt ! Über Diesseits und Jenseits , über die Nummer zwölf und jede andere Nummer in der Musikantengasse , über das Nächste wie das Fernste , über das Höchste wie das Tiefste ließ sich Aurora Pogge aus . Seine eigene nicht besonders schmeichelhafte Charakteristik fand Herr Julius Schminkert neben der eingehenden , wenn auch grade nicht liebevollen Charakterzeichnung der schönen und angenehmen Angelika Stibbe . Die junge Dame schien , gleich dem größten Teil der übrigen Menschheit , nicht sehr hoch , ja noch eine Stufe niedriger als alles andere in der Achtung der Memoirenschreiberin zu stehen . Übertrieben treu ward über ihr Tun und Lassen , ihr Reden und Gebaren , ihren Gang , ihre Haltung und Kleidung , ihre Frisur , ihr Kopfschwenken , Lächeln , Lachen , ihren zu großen Fuß und ihre zu kleine Nase Buch geführt . Der geflügelte italienische Buchhalter im Büro des Jüngsten Gerichtes konnte nicht schärfer Achtung geben auf die Erde und ihre Bewohner , als Fräulein Aurora Pogge acht hatte auf das Haus Nummer zwölf in der Musikantengasse und die Musikantengasse selbst . Jeder Mann und jedes Weib bekam sein Teil : der Polizeischreiber Friedrich Fiebiger wie Robert Wolf , der tailleur de Paris Alphonse Stibbe wie seine Tochter . Auch über den Hausbesitzer und Rentier Herrn Mäuseler konnte man manches in diesen Ergießungen einer schönen Seele lesen ; Makaria - Aurora Pogge redete aber gut von ihm ; wir - wissen nicht weshalb . Alle Augenblicke sprang Julius Schminkert von seinem Sitze auf , um eine Art von indianischem Tanz um den Tisch , das Dreierlicht und das Manuskript zu beginnen . In den seltsamsten Körperverrenkungen mußte er seiner Seelenaufregung Luft machen , und der Schreiber sowie Robert Wolf nebenan hörten dem Lärm , welchen er dabei hervorbrachte , mit Verwunderung zu . Der Deklamator besaß Selbstüberwindung genug , um fürs erste niemand an seinem Jubel , seinem Ärger teilnehmen zu lassen . Er wußte genau , was für ein Gebrauch im gegebenen Augenblick von diesem blauen Buch