, durch Gottes Gnade , ruft , so ziehen Sie ihre Seele ein wenig zurück von der buntgefärbten Aschenwelt , die Sie umgibt , und beten Sie für die arme Peri Judith , daß diese Tochter der Nacht und der Finsternis , wie der Apostel Paulus so schön sagt , in ein Kind des Lichtes und des Tages umgewandelt werde . So kann der himmlische Sinn den ganzen Plunder von Welt heiligen und nebenbei wird das Ihnen den wahrsten und richtigsten Ausdruck geben . Diese innere Sammlung würde ich freilich keiner anderen Dame hier zumuten ; da Sie aber derselben fähig sind , so haben Sie die Güte , sie in Anwendung zu bringen . « Regina war so vertraut mit dem Bestreben , sich stets innerlich gesammelt zu haben , daß ihr Ernests Zumutung gar nicht seltsam oder übertrieben erschien . Auch wußte sie , daß ein wahrhaft apostolischer Eifer , um Seelen für die Erkenntnis der ewigen Wahrheit zu gewinnen , ein Grundzug bei den geistlichen Töchtern der heiligen Therese , und die Gebetsinbrunst für diesen Zweck unter allen Umständen und in allen Verhältnissen eine Hauptaufgabe der Karmelitesse sei . Daß dieser Auftrag eine wundersame Huldigung für sie enthalte , bemerkte sie gar nicht . Demütig und dankbar antwortet sie : » Wie sind Sie gütig , Herr Ernest , mich an etwas zu erinnern , was man so leicht in dem betäubenden Getümmel aus den Augen verliert . Nun kommt doch ein vernünftiger Sinn in den charmanten Unsinn ! « Die Tableaux kamen zur Darstellung unter ungeheurem Beifall . Einige waren sehr malerisch , andere sehr elegant , alle im schönsten Lichteffekt und umwogt von passender Musik- und Gesangsbegleitung . Aber alle erbleichten vor den beiden letzten , in denen niemand figurierte , als Judith und Regina , die jede in ihrer Art und für ihre Rolle von idealischer Schönheit waren . Die Peri trug ein lichtblaues , silberdurchwirktes Florgewand , Schmetterlingsflügel von Silberflor mit Pfauenfederaugen , und über der Stirn , wo die dunkeln Wellen ihres Haares sich scheitelten , einen Stern von Saphieren , deren bläuliches Licht mit dem Schimmer von Schwermut harmonierte , der immer auf ihrem schönen Antlitz lag und der so passend für ein Wesen war , dem das Paradies verschlossen blieb . Der Engel des Lichtes trug ein weißes Gewand , mit Saum und Gürtel von Goldstickerei , große , blendend weiße Flügel , in der Rechten einen Palmzweig und um die Fülle der blonden Locken einen feinen Goldreif , den über der Stirn ein kleines Kreuz von strahlenden Brillanten zusammenhielt . So stand eine jede unter ihrer eigenen Signatur , unter dem Schönsten , was die natürliche und übernatürliche Welt aufzuweisen hat : unter dem Stern und unter dem Kreuz . Im ersten Bilde lag die Peri flehend vor dem Engel auf den Knien , der verneinend ihr entgegentritt . Im zweiten nahte sie sich hoffnungsfreudig , und der Engel reicht ihr den Palmzweig dar . Judith , die für alle Künste Talent hatte , besaß ein großes für die Mimik und verstand es meisterhaft , sowohl ihren Zügen , als ihrer ganzen Gestalt und Haltung zuerst den Ausdruck von flehender Bitte und dann von triumphierender Freude zu geben . Regina mochte wohl keine Spur von mimischem Talent haben ; allein sie nahm sich Ernest ' s Auftrag so zu Herzen , daß sich ganz natürlich eine milde Trauer um die arme Judith und eine süße Wonne bei dem Gedanken an deren Rettung in den klaren Frieden ihres schönen Angesichts mischte . » Ganz wie ein Engel , « flüsterte halblaut Ernest vor sich hin , der sich unter die Zuschauer begeben hatte . » Wie ein Engel , der die Schwingen zum Fluge in die himmlische Heimat ausbreiten wird ! « Es war finster im Saal , wie es eben sein muß , damit die richtige Beleuchtung der Bilder nicht gestört werde . Ernest wußte nicht , wer ihm ins Ohr sagte : » O schweigen Sie von Prophezeiungen des Todes . « Ernest sah sich um , erkannte in dem Sprechenden Uriel , der sein Mönchsgewand wie eine Raupenhülle abgestreift hatte , und antwortete ihm : » Sie wissen ja gar nicht , von wem ich spreche . « » Nicht ? « fragte Uriel ; » könnte man wirklich in Zweifel darüber sein , wen Sie meinen ? « » Nun , Herr Graf , wenn Sie auch die eine Meinung richtig getroffen haben , so irren Sie doch in der anderen . Ich dachte nicht an Todesprophezeiungen , sondern drückte mich nur figürlich aus , um das Schwunghafte in diesem Engel des Lichtes zu bezeichnen . Ist denn die Gräfin Regina kränklich ? fürchtet man für ihre Gesundheit ? « » Nein , gar nicht ! Aber ich weiß nicht , wie es kommt , diese Bilder machen mich traurig , und es ist mir , als ob ich meine Cousine im Himmel sähe . « » Anticipando - ist das ganz richtig , Herr Graf und ich wünschte sehr , daß Sie diese Second sight auch von der Peri hätten . « » Die Peri , « sagte der vielbelesene junge Mann , der auf der anderen Seite neben Ernest stand , » die Peri ist und bleibt eine Oreade . « Ernest tat ihm den Gefallen , gutmütig zu fragen : » Warum denn gerade eine Oreade ? könnt ' es nicht auch eine Dryade sein , oder eine Najade ? die ich freilich lieber Nixe nenne . « » Keineswegs ! « sagte der Belesene . » Die Oreade muß es eben sein ; denn die Oreade ist ein Geist , der in Felsen wohnt , und der dadurch so gewiß versteinert und unnahbar ist , wie diese Peri , d.h. wie ihre Darstellerin . « Ernest dachte in seinem Sinn , es sei der Peri kaum zu verargen , wenn sie diesem Belesenen gegenüber ihren Oreadencharakter recht entschieden hervorgekehrt habe . Er