Angeklagte für einige Bemerkungen selbst das Wort ergreifen werde . Die Ankündigung rief eine allgemeine Bewegung unter dem Publikum hervor , daß der Richter von Neuem Ruhe gebieten mußte , und alle Blicke richteten sich gespannt auf die Anklagebank , wo sich Helmstedt langsam aber mit frei aufgerichtetem Kopfe und lebendigem Gesichte erhob . Er begann die ersten Worte mit einer Stimme , der man die tiefe Erregung anhörte , und eine Stille legte sich über die Versammlung , in der das Summen einer Fliege vernehmbar geworden wäre . Seiner Aussprache des Englischen klebte noch überall der deutsche Accent an ; aber seine Ausdrucksweise , seine Wendungen waren neu , ungewohnt für die Zuhörer und darum um so anregender . Jeder fühlte , daß die Worte mitten aus dem Herzen des Redenden kamen , und je weiter er sprach , je freier schien er zu werden , je leichter und reicher schien sich Gedanke und Ausdruck in ihm zu entwickeln . Er bat um Entschuldigung , daß er selbst das Wort ergreife , wenn es auch ungewöhnlich sei ; ich meine aber , jeder Jury müsse es nur recht sein , den Angeklagten , über den sie abzuurtheilen habe , selbst und nicht erst durch die zweite Hand des Vertheidigers kennen zu lernen - und wenn das Institut der Jury nur dazu gestiftet worden , daß der Bürger durch den geraden offenen Verstand seiner Mitbürger gerichtet und nicht ein Opfer von Rechts- und Gesetzesdeuterei werde , so wisse er nicht , warum ein Advocat für ihn sprechen solle , wo seine klare Sache nichts zu fürchten habe , als nur absichtliche Verwickelung und Verdrehung , wie sie der öffentliche Ankläger zum Ruhme seiner Rednergabe , aber nicht seines Herzens und Gewissens angewandt . Als schlichter Mann schlichten Männern gegenüber wolle er zu ihnen reden und den Fall in seiner Einfachheit vorführen . Ein Mord sei begangen worden und er sollte dazu geholfen haben . Die Beweise , die ihnen vorlägen , seien es aber sicherlich nicht , die ihn auf die Anklagebank gebracht hätten - die Reitpeitsche , von welcher der Knopf gefunden worden , hänge Tag und Nacht in einem offenen Stalle , jeder Hand zugänglich - sein bloßes Nachhausekommen erst nach der Zeit des Mordes könne ihn eben so wenig zum Uebelthäter stempeln als jeden Andern , der zu dieser Zeit noch aus dem Hause gewesen sei ; und daß er sich geweigert habe , über sein Verbleiben Auskunft zu geben , müsse eher für ihn sprechen - ein so kaltblütiger Bösewicht , der nach eben geschehener Blutthat offen wieder in sein Haus tritt und sich ruhig den Blicken seiner Hausgenossen preisgibt , wie er es gethan , habe sicherlich auch wenigstens auf einen Vorwand für seine Abwesenheit gedacht ; alle diese Beweise seien nichts ; sie erhielten aber eine furchtbare Unterstützung durch Umstände , die allgemein als bestehend angenommen würden , durch ein Liebesverhältniß seinerseits mit der Tochter des Hauses , welchem der Ermordete durch seine Heirathsbewerbungen im Wege gestanden habe . - Er , der Angeklagte , solle nur Helfer bei dem begangenen Verbrechen gewesen sein ; wer sei denn aber der wirkliche Mörder ? Wenn hauptsächlich nur durch sein Verhältniß zu der jungen Dame die Anklage gegen ihn , als Helfershelfer bei dem Morde , einen Grund erhalte , so sei dadurch doch auch schon ausgesprochen , daß Niemand die eigentliche That vollbracht haben könne , als die Tochter des Hauses selbst - wer anders hätte sich sonst für ein Interesse , das sie Beide allein betraf , zu dem Verbrechen hergeben können ? Denke sich nur Jemand , es sei erwiesen , daß sie die Thäterin nicht sei , nehme nur Eins an , daß ein Verhältniß , wie es das Volk zusammengefabelt , um einen Grund für die That zu haben , nicht bestehe - wo liege denn nachher der geringste Grund für eine Theilnahme an der That , deren er selbst beschuldigt worden ? - Und nun wolle er fragen , fuhr er fort und seine Stimme ward bewegter , ob wol Männer unter den Jurors seien , welche die junge Dame kennten ? ein harmloses Kind , das noch kaum einen Tag aus dem Schooß ihrer Familie und von der Seite der Mutter gekommen , dem noch kein unfreundlicher Wind die Seele aus ihrer Ruhe gerüttelt ! Wer aber wirklich ihm , dem Angeklagten , so übernatürliche Kräfte zutraue , daß er während der kurzen Zeit seiner Anwesenheit im Hause ein reines kindliches Herz bis zum Morde habe verführen können , der möge sich doch die einfache Thatsache ansehen , die bereits von ihrem Vater bezeugt , daß zwei Tage nach seiner Ankunft die Tochter mit ihrer Mutter das Haus verlassen und erst am Abend des Mordes zurückgekehrt sei , der möge sich zugleich selbst fragen , wie unter den Augen der Eltern während dieser Zeit ein Verhältniß zu dem Grade habe reifen können , wie es den eigentlichen moralischen Halt der Anklage bilde . - Er machte hier , die Hand vor die Augen drückend , eine kurze Pause . Einen einzigen Punkt habe er noch zu berühren , fuhr er dann fort , das sei der aufgefundene Brief des Mädchens an ihn ; aber nur der blinde Eifer oder eine verdorbene Seele könne etwas Anderes darin herauslesen , als ein gedrängtes Herz , das sich scheu an einen Unbekannten , von dem es Hilfe hoffe , wendet . Er erzählte , wie er durch Bakers Zudringlichkeit auf dem Spazierritte mit Ellen von dem Zwange , unter welchem sie leide , unterrichtet worden , daß er diesen für einen Schwindler gehalten und dem Mädchen versprochen habe , Nachrichten über ihn einzuziehen , daß Elliot nichts gegen den Mann habe hören wollen und sie sich deshalb auf brieflichem Wege über das , was er erfahren , bei dem Angeklagten erkundigt habe . - » Das ist der einfache Stand der Dinge , Gentlemen , « schloß er , » ich habe